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Trotz Waffenruhe: Täglich vier Kinder im Libanon getötet oder verletzt

Berlin/Beirut (ots)

Das Inkrafttreten der Waffenruhe im Libanon hat das Land nicht sicherer für Kinder gemacht: Jeden Tag wurden seitdem im Durchschnitt mehr als vier Kinder getötet oder verletzt. Darauf verweist Save the Children im Vorfeld einer weiteren Verhandlungsrunde zwischen Vertreter*innen aus Israel und dem Libanon.

"Die Angriffe auf die Zivilbevölkerung haben nicht aufgehört - sie wurden einfach unter einem anderen Namen fortgesetzt", sagt Nora Ingdal, Länderdirektorin von Save the Children im Libanon. "Mitarbeitende berichten, dass sich die Luftangriffe in einigen Gebieten intensiver anfühlen als je zuvor. Solange es keinen dauerhaften und endgültigen Waffenstillstand ohne Verstöße gibt, sind Kinder nicht in Sicherheit."

Laut dem libanesischen Gesundheitsministerium wurden in den ersten 25 Tagen seit Beginn der Waffenruhe am 17. April 22 Kinder getötet und 89 verletzt. Damit stieg die Zahl der getöteten Kinder seit der erneuten Eskalation des Konflikts am 2. März auf fast 200. Insgesamt wurden seitdem rund 2.900 Menschen im Libanon getötet.

Die Gewalt und die erneuten Zwangsumsiedlungen haben mehr als eine Million Menschen vertrieben. Viele von ihnen suchen bei Verwandten oder in Notunterkünften Zuflucht. Seit Inkrafttreten der Waffenruhe ist die Zahl der Familien in Sammelunterkünften sogar um fünf Prozent gestiegen. Viele Menschen haben kein Zuhause mehr, in das sie sicher zurückkehren können.

Derzeit leben im Libanon rund 125.000 Menschen in Notunterkünften, darunter 44.800 Kinder. Überfüllte Notunterkünfte und mangelnde Wasser-, Sanitär- und Hygieneeinrichtungen verschärfen die Lage und begünstigen die Ausbreitung von Krätze und anderen Krankheiten. Eltern berichten zudem von Verhaltensänderungen bei ihren Kindern, darunter Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Für viele Kinder ist auch Bildung kaum noch erreichbar: Schulen werden teilweise als Notunterkünfte genutzt und Online-Unterricht scheitert häufig an fehlendem Strom und instabilen Internetverbindungen.

"Ich will nur, dass der Krieg zu Ende ist, damit ich in mein Dorf zurückkehren und in meinem eigenen Bett schlafen kann", erzählt die zehnjährige Tala*, die aus dem Südlibanon vertrieben wurde und derzeit in einer Notunterkunft lebt. "Ich vermisse die Schule sehr, ich möchte meine Lehrer sehen und mit meinen Freunden zusammen sein und wieder lernen und spielen."

Vor dem Hintergrund einer dritten Gesprächsrunde mit Vertreter*innen aus Israel und dem Libanon in Washington ab dem 14. Mai fordert Save the Children die internationale Gemeinschaft auf, dringend auf einen dauerhaften Waffenstillstand hinzuarbeiten und eine flexible und nachhaltige Finanzierung von Hilfsmaßnahmen sicherzustellen, um die Kinder zu schützen und den Familien die Rückkehr nach Hause zu ermöglichen.

Save the Children ist seit 1953 im Libanon tätig. In Zusammenarbeit mit Partnern und lokalen Behörden verteilt die Kinderrechtsorganisation Bargeld, Lernmaterialien und wichtige Hilfsgüter inklusive Lebensmittelpakete, Hygiene-Kits und Decken. Zudem leistet sie psychosoziale Unterstützung für Kinder, klärt Familien und Kinder über die Gefahren nicht explodierter Munition auf und gewährleistet den Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen.

* Name zum Schutz geändert

Über Save the Children

Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 120 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit über 100 Jahren.

Pressekontakt:

Save the Children Deutschland e.V.
Marie-Sophie Schwarzer, Medienreferentin
+49 30 2759 5979-226
marie.schwarzer@savethechildren.de

Original-Content von: Save the Children Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell

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