DIE ZEIT

Suspendierter Priester Hasenhüttl verschärft Kritik an der Kirche

Hamburg (ots) - Der suspendierte Priester Gotthold Hasenhüttl hat seine Kritik an der katholischen Amtskirche verschärft und zu zivilem Ungehorsam "gegen eine korrupte Hierarchie" aufgerufen. "Eine katholische Hierarchie heute ist korrupt, wenn sie die Eucharistie, die Symbol der Liebe Christi ist, missbraucht, um andere Menschen, etwa evangelische Christen, auszuschließen. Jesus hat selbst Judas beim letzten Abendmahl die Kommunion gereicht", schreibt Hasenhüttl in der ZEIT. Der von der römischen Amtskirche kaltgestellte Geistliche hatte auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München trotz Verbotes wieder ein ökumenisches Abendmahl gefeiert. Der 1933 in Graz geborene Hasenhüttl gehört zu den kritischsten katholischen Theologen der Gegenwart.

Hasenhüttl weitete seine Forderung nach einem gemeinsamen Abendmahl von katholischen und evangelischen Christen noch aus: "Eine Ökumene ohne ökumenisches Abendmahl ist Simulation, Vortäuschung von Gemeinsamkeit. Heilig ist die Liebe, die niemanden ausschließt, sondern Ungläubige und auch Feinde einschließt. Korrupt ist ebenfalls eine Hierarchie, die sexuelle Gewalt vertuscht."

Mit Blick auf die katholische Amtskirche schreibt der Theologe: "Alle Gesetze, Gebote und Institutionen, für so 'heilig' man sie halten mag, haben nur Sinn, wenn sie für den Menschen da sind und solidarische Gemeinschaft fördern. Alles andere ist höchst unheilig. Nur die Achtung vor den 'Mühseligen und Beladenen' kann einen Schimmer der Hoffnung ins Dasein bringen. Nicht der Gehorsam, sondern der zivile Ungehorsam kann heilen, denn es ist besser, ein Gesetz zu brechen als ein Herz. Heilig ist allein die Liebe zum konkreten Menschen, die uns Jesus vorgelebt hat."

Nachdem Gotthold Hasenhüttl beim 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 gegen den Willen Roms einen gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst für Protestanten und Katholiken zelebriert hatte, wurde er vom Priesteramt suspendiert.

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