DIE ZEIT

Regisseur Werner Schroeter: Die Liebe war mein Antrieb

Hamburg (ots) - Der Regisseur Werner Schroeter, Ikone des Neuen Deutschen Films, blickt im Gespräch mit der ZEIT auf sein Leben, sein Werk, seinen Glauben und seine künstlerischen Überzeugungen zurück.

Treibendes Moment seines Lebens und Schaffens, so der 63 Jahre alte Schroeter, sei immer die Liebe gewesen: "Für mich fängt alles mit der Wertschätzung des anderen an, und die Annäherung an die Liebe bedeutet, den anderen nicht ändern zu wollen, sondern ihn als sinnvolle und leidenschaftliche Ergänzung zu sich selbst zu empfinden. Wissen Sie, ich bin unendlich gern allein, aber ich bin ungern einsam. Die Einsamkeit aufzulösen, darum geht es in der Liebe."

Schroeter, dessen neuer Film "Diese Nacht" Anfang nächsten Jahres in die deutschen Kinos kommt, spart nicht mit kritischen Einlassungen zu Kultur und Zeitgeist: "Mehr auf unsere Kultur Rücksicht nehmen und weniger in den Computer glotzen! Man muss sich erarbeiten, was wirklich wertvoll ist und womit wir seit Jahrhunderten umgehen. Es ist ein Wahnsinn, wie das unter den Tisch gekehrt wird. Und die Computergesellschaft hat ja den Nachteil, dass sie das so wahnsinnig einfach macht. Das ist Auf-'n-Arsch-Setzen, Druffglotzen - das Gegenteil von dem, was ich mein Lebtag lang versucht habe."

Freimütig äußerst sich der unter den Folgen einer Krebserkrankung leidende Regisseur über Tod und Sterben: "Der Tod hat mich schon als junger Mann angezogen. Wer sich nicht täglich wenigstens fünf Minuten mit dem Tod beschäftigt, der lebt ja nicht, sondern läuft nur vor etwas davon wie Dr. Kimble auf der Flucht."

Das komplette ZEIT-Interview der ZEIT Nr. 43 vom 16. Oktober 2008 senden wir Ihnen für Zitierungen gern zu.

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