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VDE: IKT "Made in Germany" kann gestärkt aus der Krise hervorgehen

Frankfurt am Main (ots) -

   (Langversion)

   - VDE stellt Trendpapier zu Perspektiven und Chancen der IKT vor
   - Impulse durch Internet der Zukunft, Ambient Assisted Living, 
     Automotive, e-Energy, e-Efficiency und Green-IT
   - Technologiepolitik: Die Chipfabriken müssen in Deutschland 
     bleiben 

Deutschland ist international ein führender Standort für die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und wird dies dank seiner technologischen Spitzenposition z.B. bei "Embedded Systems", dem Herzstück der Infrastruktursysteme und Endgeräte, auch künftig bleiben, so das Fazit des neuen VDE-Positionspapiers "Informations- und Kommunikationstechnik - Perspektiven und Chancen", das der Verband heute auf der CeBIT in Hannover vorgestellt hat. Autoren der Studie sind namhafte Experten aus Hochschule und Industrie der Informationstechnischen Gesellschaft (ITG) im VDE. Sie stellt fest: Die wichtigsten Elemente im IKT-Markt mit allen seinen zukünftigen Anwendungen - die Entwicklung der Systemtechnik, anwendungsspezifischer ASICs und der zugehörigen Software - sind und bleiben in Deutschland angesiedelt.

Informations- und Kommunikationstechnik wird zunehmend das tägliche Leben der Menschen durchdringen. Der VDE sieht große Potentiale für Deutschlands Wirtschaft und den Export insbesondere in den innovativen Bereichen: "Zukünftiges Internet" mit einer angepassten Zugangsinfrastruktur , "e-Efficiency" und "e-Mobilität" , "Automotive" , "Ambient Assisted Living sowie im Bereich des intelligenten Energiemanagements (e-Energy und Green-IT) mit IKT-basierten Energieverteilnetzwerken (Smart Grids, Internet der Energie) und energieeffizienten IKT-Geräten sowie in dem für alle Teilgebiete wichtigen Aspekt der Weiterentwicklung der Informationssicherheit. Die bedarfsgerechte Entwicklung der Kommunikationsinfrastruktur sowohl im Fest- als auch im Mobilnetz sieht der VDE als eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung neuer, innovativer Anwendungen: "Die IKT muss zunehmend und verstärkt als Treiber und als Querschnittstechnologie für fast alle Wirtschaftsbereiche und die Verwaltung gesehen werden.

Die IKT-Branche ist mit über 800.000 Arbeitsplätzen und einem Gesamtumsatz von circa 133 Milliarden Euro (2008) einer der größten industriellen Sektoren und ein starker Motor der deutschen Wirtschaft. Deutschland hat durch seine gut ausgebaute Forschungslandschaft und die breit aufgestellte, international ausgerichtete und leistungsfähige IKT-Industrie große Chancen, aus dem gegenwärtigen Strukturwandel gestärkt hervorzugehen. "Wenn die bemerkenswert gute Technikposition Deutschlands im Bereich IKT in den kommenden Jahren zur Verbesserung der Infrastruktur und zur Entwicklung von innovativen Anwendungen voll genutzt wird, kann Deutschland gestärkt aus der Krise und dem jetzigen Umstrukturierungsprozess der Wirtschaft hervorgehen", betonte Prof. Dr.-Ing. Ingo Wolff, Mitglied im VDE-Präsidium und Vorsitzender der VDE|ITG.

Aufgrund ihrer Schlüsselfunktion für alle Bereiche der Volkswirtschaft kommt der Weiterentwicklung der IKT in allen drei Teilbereichen des "IKT-Dreiecks" - Komponenten, Systeme und Anwendungen - eine wichtige strategische Bedeutung für die Industrienation Deutschland zu. Damit die Arbeitsplätze in der IKT-Branche in Deutschland gesichert und weitere geschaffen werden können, ist die Entwicklung und rasche Markteinführung der oben erwähnten Schlüsseltechnologien erforderlich. Hierzu sind jedoch große Anstrengungen in der Grundlagenforschung, bei der Entwicklung von Basistechnologien und in der anwendungsorientierten Forschung erforderlich.

Nur durch die effiziente Verknüpfung von Wissenschaft und industrieller Innovationskraft können weltmarktfähige Produkte entstehen. Dazu ist gleichermaßen eine leistungsfähige IKT-Infrastruktur wie eine erstklassige Ausbildung in Schulen und Hochschulen notwendig. Die Gewinnung und Ausbildung von qualifiziertem Nachwuchs auf allen Ebenen muss dabei ein wichtiger Punkt auf der Agenda bleiben.

Technologiepolitik: Chipfabriken müssen in Deutschland bleiben

Eine der Grundtechnologien der Informations- und Kommunikationstechnik ist die Mikroelektronik. Deutschland muss stärker in die Mikroelektronik investieren. Dies hat eine qualitative Umfrage des VDE unter Top-Managern der Mikroelektronik-Branche ergeben. Die größte wirtschaftliche Hebelwirkung der Mikroelektronik erwarten die Unternehmenslenker in Deutschland demnach für die Automobilelektronik, die Medizintechnik und Life-Sciences sowie für die Energietechnik und die Mikrosystemtechnik. "Für die technologiepolitischen Weichenstellungen bedeutet dies: Die Chipfabriken müssen in Deutschland gehalten werden, damit hierzulande demnächst nicht nur noch Entwicklungen von Teillösungen für andere Entwickler oder das Marketing anzutreffen sind", so der VDE.

Wenn die Politik im internationalen Innovationswettlauf möglichst häufig das Label "Made in Germany" vorne sehen will, muss sie jetzt starke Konjunktur-Impulse geben. "Die rasche Markteinführung von IKT-Schlüsseltechnologien in innovativen Anwendungsprojekten, wie beispielsweise intelligenten Assistenzsystemen im Gesundheitsbereich und im Haushalt (Smart Home, Ambient Assisted Living), kann gerade jetzt als Hebel zur Stärkung des Standorts Deutschland genutzt werden", appellierte der VDE an die politischen Entscheidungsträger. Es eröffnen sich beachtliche Marktpotentiale, die Deutschland aufgrund seiner guten Position in der IKT, in der Medizintechnik, in der Robotik und in anderen Technologien nutzen kann.

Regulatorischer Rahmen für die Breitbandversorgung muss überdacht werden

Der VDE hat das Ziel der Bundesregierung, bis 2010 bislang nicht versorgte Gebiete mit schnellen Internetzugängen abzudecken und bis 2014 drei Viertel aller Haushalte in Deutschland an moderne Glasfasernetze mit 20-facher DSL-Schnelligkeit anzuschließen, auf der CeBIT 2009 noch einmal ausdrücklich begrüßt. Infrastrukturen, besonders Kommunikationsnetze, erfordern der VDE-Studie zufolge von den Unternehmen jedoch eine hohe und langfristige Investition ohne kurzfristige Erwartung auf eine Rendite. Oft scheuen Marktteilnehmer solche Investitionen. Notwendige Infrastrukturmaßnahmen finden deshalb nicht immer rechtzeitig und im nötigen Umfang statt, heißt es in dem VDE-Papier. Die "Treiber-Funktion" der Infrastruktur für neue Anwendungen und Dienste kommt dann nicht in Gang. Dort wo der rein marktwirtschaftliche Ansatz versagt, ist die Schaffung von Investitionsbedingungen und Anreizen für neue Technologien wünschenswert. Dies gilt derzeit beispielsweise für die Versorgung mit Breitbandkommunikation von wirtschaftlich weniger entwickelten Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte, den sogenannten "weißen Flecken". Insbesondere für den breitbandigen, flächendeckenden Ausbau ist die langfristige Investitionssicherheit durch entsprechende Rahmenbedingungen eine entscheidende Voraussetzung.

"Unter Umständen müssen auch die regulatorischen Rahmenbedingungen überprüft werden", gibt der VDE als Empfehlung für den nächsten IT-Gipfel mit auf den Weg. Dies gilt zum Beispiel für die Diskussion um die durch die Digitalisierung des Rundfunks freiwerdenden Frequenzen unterhalb von 1000 MHz (Digitale Dividende). So begrüßt der VDE, dass der Frequenzbereich 790 - 862 MHz entsprechend der World Radiocommunications Conference 2007 von der Bundesregierung für den festen und mobilen Funkdienst in den Frequenzbereichszuweisungsplan aufgenommen wird.

Bei der Planung und Installation von Teilnehmeranschlusssystemen ist von einer Nutzungsdauer der Infrastruktur von mindestens 30 Jahren auszugehen. Die Systeme müssen entsprechend den wachsenden Bandbreitenanforderungen anpassbar sein und die Versorgung der Teilnehmer in Zukunft auch mit Datenraten von bis zu 10 Gbit/s ermöglichen. "Wir müssen Systemkonzepte und -komponenten entwickeln, die eine einfache Skalierung und einen schrittweisen, dem Bedarf angepassten Ausbau der Teilnehmeranschlussnetze ermöglichen", so der VDE. Zudem müssen die Kosten für Hardware, Installation und Betrieb (Capex, Opex) erheblich reduziert werden. Vergleichbare Anforderungen sind auch an zukünftige breitbandige Inhausnetze für eine möglichst aufwandsarme, kostengünstige nachträgliche Installation in bestehenden Wohnungen, Häuser und Gebäuden zu stellen.

Das VDE-Positionspapier kann kostenlos unter www.vde.de heruntergeladen werden.

Der Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik (VDE) ist mit 35.000 Mitgliedern, davon 1.250 Unternehmen, und 800 Mitarbeitern einer der großen technisch-wissenschaftlichen Verbände Europas. Der VDE vereint Wissenschaft, Normung und Produktprüfung unter einem Dach. VDE-Tätigkeitsfelder sind der Technikwissenstransfer, die Forschungs- und Nachwuchsförderung der Schlüsseltechnologien Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik und ihrer Anwendungen. Die Sicherheit in der Elektrotechnik, die Erarbeitung anerkannter Regeln der Technik als nationale und internationale Normen, Prüfung und Zertifizierung von Geräten und Systemen sind weitere Schwerpunkte. Das VDE-Zeichen, das 60 Prozent der Bundesbürger kennen, gilt als Synonym für höchste Sicherheitsstandards. Die Technologiegebiete des VDE sind: Informationstechnik, Energietechnik, Medizintechnik, Mikroelektronik, Mikro- und Nanotechnik sowie Automation.

Die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) mit über 10.000 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik engagiert sich für die Förderung der Informations- und Kommunikationstechnik sowie ihrer Anwendungen und für den technisch-wissenschaftlichen Nachwuchs.

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Melanie Mora, Tel.: 069-6308461, melanie.mora@vde.com

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