Deutsche Film- und Medienbewertung

PADDINGTON ist "besonders wertvoll"/Weitere Kinostarts mit Prädikat: ALLES IST LIEBE, THE DROP und FINN UND DIE MAGIE DER MUSIK

Wiesbaden (ots) - Die Filmempfehlungen der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) für die aktuelle Kinowoche drehen sich um große Gefühle, kleine Helden und jede Menge Bargeld.

Nachdem ein Erdbeben in seiner Heimat Peru gewütet hat, wird ein kleiner Bär von seiner Tante ins sichere London geschickt. Dort nimmt ihn die Familie Brown auf, die ihn nach dem Bahnhof benennt, wo sie ihn gefunden haben - Paddington. Mit PADDINGTON (Start: 4. Dezember) schuf Regisseur Paul King die erste Realverfilmung der beliebten Geschichten rund um den Orangenmarmelade liebenden Bären. Und mit viel Charme, Herzenswärme und einer Tricktechnik auf höchstem Niveau ist den Machern, die schon für HARRY POTTER verantwortlich zeichneten, ein ganz großer Familienfilm-Wurf gelungen. Die fünfköpfige Jury war sich einig in ihrer Bewertung und vergab das höchste Prädikat "besonders wertvoll". In ihrem Gutachten hob sie unter anderem die äußerst gelungene Umsetzung der Vorlage, die hochkarätige Besetzung und die harmonische Verbindung von Trick- und Realfilm hervor.

Eine Kurzgeschichte von Dennis Lehane lieferte die Vorlage für THE DROP - BARGELD (Start: 4. Dezember). Regisseur Michaël R. Roskam hat daraus einen spannenden und packenden Kriminalfilm gemacht, der vor allem durch seine großartigen Schauspieler überzeugt. Tom Hardy ist Bob, der einmal kriminell war und nun in der Bar seines Cousins Marv (großartig: James Gandolfini) arbeitet. Er akzeptiert, dass die Bar zur "Dropbar" und damit zum Umschlagplatz für krumme Geschäfte wird, will jedoch selbst nichts damit zu tun haben. Doch so einfach ist es nicht, dem Milieu zu entkommen. Die Expertenrunde der FBW lobte vor allem das "beeindruckend intensive" Spiel Hardys und verlieh dem "gelungenen Gangsterfilm" das Prädikat "wertvoll".

Die Vorweihnachtszeit ist die beste Zeit für bezauberndes Familienkino. Ein besonders schönes Beispiel hierfür ist der niederländisch-belgische Kinder- und Jugendfilm FINN UND DIE MAGIE DER MUSIK (Start: 4. Dezember). Ein kleiner Junge vermisst seine verstorbene Mutter und lernt, durch die Kraft der Musik mit ihr eine ganz neue Verbindung einzugehen. Die FBW-Jury vergab das Prädikat "besonders wertvoll" und beschreibt in ihrem Gutachten auch die besonderen Stärken des Films: "In diesem Film werden die Kinder und ihre Probleme immer ernst genommen. Dies liegt nicht zuletzt am sehr präzisen, reifen und ausdrucksstarken Spiel der Darsteller Mit seiner Geschichte und seiner Botschaft ist FINN bestens sowohl für Kinder als auch Erwachsene geeignet."

Auch die Liebe kommt bei den FBW-Filmempfehlungen nicht zu kurz. So startet in dieser Woche ein Film, der sich ganz dem schönsten Gefühl der Welt verschrieben hat: ALLES IST LIEBE (Start: 4. Dezember). Der neue Film von Markus Goller lässt in seiner romantischen Ensemble-Komödie Frankfurter Großstadtherzen aufeinandertreffen, die kurz vor Weihnachten nur auf der Suche nach einem sind: der einzig wahren und unerschütterlichen Liebe. Die Starbesetzung liest sich wie ein Who is Who des aktuellen deutschen Kinos, dazu beeindruckende Bilder der Frankfurter Skyline und ganz viel Romantik - "eine turbulente Weihnachtskomödie mit guten Schauspielern, kleinen Wundern und vielen heiteren Momenten". So äußerte sich die FBW-Jury in ihrer Begründung für das Prädikat "wertvoll".

In der kommenden Woche empfiehlt die FBW-Jury den deutsch-italienischen Dokumentarfilm (K)EIN BESONDERES BEDÜRFNIS. Mehr Informationen sowie ausführliche Gutachten der aktuellen Filmempfehlungen gibt es auf der Homepage unter www.fbw-filmbewertung.com.

Prädikatsfilme vom 4. Dezember 2014

Paddington

Spielfilm, Komödie, Familienfilm. USA, Frankreich, Großbritannien 2014.

Am Bahnsteig im Londoner Bahnhof Paddington sitzt ein kleiner Bär. Er hat kein Zuhause, keinen Platz zum Schlafen und ihm ist kalt vom vielen Regen. Als die Familie Brown ihn findet, nimmt sie ihn mit zu sich nach Hause. Der Vater ist jedoch zunächst dagegen, weiß er doch, welch großes Versicherungsrisiko so ein Bär im Hause mit sich bringt. Doch die Mutter und die beiden Kinder sind bald begeistert vom pelzigen neuen Mitbewohner, der stets höflich ist und in seiner übergroßen Neugier so manches Chaos in das eingefahrene Familienleben bringt - und der von Orangenmarmelade nicht genug kriegen kann. Vor über 50 Jahren schrieb Michael Bond die ersten Geschichten rund um den sprechenden kleinen Bären, der seinen Namen von dem Ort hat, an dem er gefunden wurde. Regisseur Paul King gelingt es, mit der allerersten Realverfilmung zu beweisen, wie viel Zauber und Charme die Geschichte auch heute noch besitzt. Wie im Flug vergehen die 96 Minuten, immer wieder wartet das Drehbuch mit neuen urkomischen und berührenden Ideen auf, die mit perfektem Timing erzählt werden. Dass der Film Unterhaltung für die ganze Familie bietet, zeigen auch die vielen Filmzitate und Anspielungen sowie eine gehörige Portion Situationskomik und Dialogwitz. Und die spannenden Momente und der Showdown sind bei aller Raffinesse kindgerecht erzählt. Tricktechnisch perfekt wird Paddington so real in die Szenerie eingebaut, dass man beim Zusehen fast vergisst, dass es sich hier um ein digitales Geschöpf und nicht ein echtes pelzig-flauschiges Wesen handelt. Bis ins kleinste Detail durchdacht wirkt die Ausstattung, die mit liebevoll ausgesuchten Details auf unglaublich kreative Weise inszeniert wird, wenn das Zuhause der Browns zum Puppenhaus wird oder Wandbilder zum Leben erwachen. Hugh Bonneville und Sally Hawkings als Mr. und Mrs. Brown sowie Peter Capaldi als Nachbar und Nicole Kidman als die Böse, die Jagd auf Paddington macht, sind das perfekte "reale" Ensemble für die Geschichte. Vor allem die Browns bieten mit ihrer Herzensgüte und ausgesuchter englischer Höflichkeit Paddington ein Zuhause. Positive Botschaften von Freundschaft, Akzeptanz, Mut und Familienzusammenhalt vermittelt PADDINGTON ganz nebenbei und unaufdringlich. So macht der Film es leicht, Identifikationsfiguren zu finden und mit Spaß etwas Wichtiges zu lernen: Dass man Fremde immer willkommen heißen soll. Denn sie können das Leben und das Zuhause enorm bereichern, mit Spaß, Abwechslung und vor allem ganz viel Marmelade. Im Grunde braucht jede Familie einen Bären! PADDINGTON ist ein klug erzählter und liebevoll gemachter Familienfilm über einen kleinen Bären, der die Herzen der Zuschauer im Sturm erobern wird. Charmant, zauberhaft und bärenstark.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/paddington

The Drop - Bargeld

Spielfilm, Drama, Kriminalfilm. USA 2014.

Bob weiß, dass es unangenehm werden kann, wenn man zu viele Fragen stellt. Und so geht er ruhig seiner Arbeit in einer Bar nach, die einmal seinem Cousin Marv gehörte. Nun aber sind die Tschetschenen da und haben die Bar übernommen. Immer wieder setzen sie sie für sogenannte "Drops" ein. Unbekannte Kuriere kommen mit Geld vorbei, andere holen es später wieder ab. So ein Drop kann jederzeit passieren. Meist läuft alles reibungslos. Doch dann wird die Bar überfallen. Geld verschwindet. Die Besitzer der Bar sind nicht erfreut. Sie wollen Antworten. Und Bob weiß, dass diese Antworten ebenso unangenehm sein können wie die Fragen, die man einfach nicht stellen sollte. Auf den ersten Blick ist THE DROP ein lupenreiner und schnörkelloser Kriminal- bzw. Gangsterfilm. Zwielichtige Charaktere, Verfehlungen in der Vergangenheit, verschiedene Variationen des organisierten Verbrechens. Doch der Film des belgischen Regisseurs Michaël R. Roskam, der auf einer Geschichte von Dennis Lehane basiert, ist wesentlich vielschichtiger und differenzierter als es das reine Genrekino vorgibt. Das liegt auch am Verlauf der erzählten Geschichte. Denn statt sich mit anderen Kriminellen zu umgeben, wird Bob zunächst unfreiwilliger Hundebesitzer. Er findet ein misshandeltes Tier in einer Mülltonne, nimmt es bei sich auf und verliebt sich in die Frau, die ihn bei der Tierpflege unterstützt. Eine weitere Stärke dieses Ensemblefilms ist die enge Vernetzung der Figuren untereinander, auf mindestens einer, meistens aber mehreren Erzählebenen. Auch religiöse Momente wie Schuld, Buße und Rache durchziehen subtil den Plot. Angeführt wird der starke Cast von Tom Hardy. In seinem Gesicht, das zeitweilen undurchdringlich erscheint, spiegelt sich eine spannende Mischung aus tumb naiver Abgestumpftheit und schmerzvoller gestauter Wut aufgrund einer belasteten Vergangenheit. Noch spürbarer ist dies bei Marv, den James Gandolfini in seiner letzten Rolle unschlagbar ambivalent verkörpert. Und auch Noomi Rapace als Bobs love interest und Mathias Schoenaerts als Kleinkrimineller überzeugen. Die kalten Bilder eines grauen und dreckigen New Yorks geben perfekt die Stimmung einer rauen Welt wieder, der Sound unterstützt dieses Gefühl. THE DROP ist beste Krimi-Unterhaltung, die im Genre überzeugt und seine Regeln dennoch geschickt zu brechen weiß.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/the_drop_bargeld

Finn und die Magie der Musik

Spielfilm, Kinder-/Jugendfilm. Niederlande, Belgien 2013. Fürs Fußballspielen kann sich der neunjährige Finn nicht begeistern. Sein Vater aber ist überzeugt davon, genau das würde ihm gut tun. Und weil sein Vater sowieso immer schlecht gelaunt und sehr traurig ist, tut Finn ihm den Gefallen. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit ist es besonders schlimm mit Papas Stimmungen. Auch Finn ist oft traurig. Denn er vermisst seine Mutter, die schon früh gestorben ist und die er deswegen nie kennengelernt hat. Als er eines Tages an einem verlassenen Haus vorbeikommt, trifft er auf einen kauzigen alten Mann, der nicht wirklich viel redet, dafür aber wunderschön auf der Geige spielt. Und Finn entdeckt, dass auch in ihm dieses Talent schlummert. Heimlich beginnt er, mit dem alten Mann zu üben, auch weil er sich so seiner Mutter irgendwie näher fühlt. Bis sein Vater dahinter kommt und böse ist. Stück für Stück erfährt Finn letzten Endes auch, warum. Gekonnt vermischt Regisseur Frans Weisz in diesem Kinder- und Jugendfilm reale und märchenhafte Elemente. Die Momente, in denen Finn den Zauber des Geigespielens kennenlernt, wirken fast traumhaft und berühren durch das wundervolle Zusammenspiel der Bilder mit der Musik. Der kleine Hauptdarsteller Mels van der Hoeven überzeugt in seinem ganz natürlichen Spiel als Finn, der von vielen seiner Mitschüler als Schwächling angesehen wird, aber durch seine neu gewonnene Leidenschaft eine ganz große Stärke entwickelt. Auch der Rest des Ensembles überzeugt, ob Daan Schuurmans als alleinerziehender Vater oder der großartige Jan Decleir als geheimnisvoller Geigenlehrer. Dass die Musik eine Art magische Verbindung zur Mutter aufbauen kann, ist nur einer der sehr berührenden Aspekte dieses Films. Denn auch die Beziehung zum Vater ändert sich und die beiden gehen einen wichtigen Schritt aufeinander zu. Der Film nimmt seinen kindlichen Helden ernst, erzählt konsequent aus der Sicht des Jungen und kommt ohne Klischees oder Stereotypen aus. Dazu ist FINN UND DIE MAGIE DER MUSIK auch ein Film über Freundschaften und macht auf spannende und fantasievolle Weise die Kraft der Musik seh- und spürbar. Und zu guter Letzt ist der belgisch-niederländische Film auch ein Aufruf an Jung und Alt, sich die Fantasie und die Vorstellungskraft im Innern zu bewahren. Wunderschönes Familienkino - nicht nur zur Weihnachtszeit ein absoluter Geheimtipp, der schon auf mehreren Kinder- und Jugendfilmfestivals kleine und große Jurys überzeugt hat. http://www.fbw-filmbewertung.com/film/finn_und_die_magie_der_musik

Alles ist Liebe

Spielfilm, Komödie. Deutschland 2014.

Jeder will Liebe. Vor allem an Weihnachten. Doch vor dem schönsten Tag im Jahr geht es oft zu hektisch zu, als dass man Zeit für so etwas hätte. Clara zum Beispiel muss sich allein um ihren kleinen Sohn kümmern, nachdem sie ihren Mann wegen einer Affäre vor die Tür gesetzt hat. Kerem wiederum versucht, seiner Frau zu verheimlichen, dass er keinen Job mehr hat. Kiki glaubt nicht mehr an die Liebe Und der Weihnachtsmann? Der will einen großen Fehler wieder gut machen, den er vor langer Zeit begangen hat. Wo bitte bleibt da noch Zeit für die Liebe? Die Vorzeichen für besinnliche Weihnachten könnten in Markus Gollers neuem Film nicht schlechter stehen. Und doch gelingt es dem Film, sein bunt zusammengewürfeltes Ensemble voller verwundeter Herzen am Ende zu einem herrlich schönen Weihnachts-Happy End zu führen. Immer wieder überrascht die Geschichte mit kleinen Wendungen, mit Verbindungen der Figuren untereinander, die zu neuen Handlungsfäden führen. Der Cast ist mit Nora Tschirner, Heike Makatsch, Wotan Wilke Möhring, Christian Ulmen, Fahri Yardim, Elmar Wepper u.v.a. hochkarätig besetzt und das Spiel der Darsteller ist harmonisch aufeinander abgestimmt. Dank des geschickt konstruierten Drehbuchs sind die Figuren ausdifferenziert und überzeugend. Der Soundtrack passt wie der Guss auf den Keks und schafft, zusammen mit schönen Bildern vor imposanter Frankfurter Kulisse eine durchgängige Weihnachts-Stimmung, die den Zuschauer mit einem wohlig gemütlichen Gefühl aus dem Kino entlässt. Denn nach all dem Trubel und den großen und kleinen Verwirrungen ist ja doch alles, was zählt, die Liebe.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/alles_ist_liebe

Pressekontakt:

Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
Schloss Biebrich Rheingaustraße 140
65203 Wiesbaden

Tel: 0611/ 96 60 04 -18
Fax: 0611/ 96 60 04 -11
info@fbw-filmbewertung.com
www.fbw-filmbewertung.com

Original-Content von: Deutsche Film- und Medienbewertung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Deutsche Film- und Medienbewertung

Das könnte Sie auch interessieren: