Deutsche Film- und Medienbewertung

TRASH von Stephen Daldry ist "besonders wertvoll"/FBW-Auszeichnung auch für THE GREEN PRINCE, FOR NO EYES ONLY und Woody Allens MAGIC IN THE MOONLIGHT

Wiesbaden (ots) - Ein packendes Drama, ein brisanter Dokumentarfilm, Woody Allens neues Meisterwerk und spannendes deutsches Nachwuchskino: Dies sind die aktuellen Filmtipps der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) für die kommenden zwei Wochen.

Die Bewohner in den Favelas auf einer riesigen Müllkippe in Rio de Janeiro leben vom und im Müll. Als der Junge Raphael dort eines Tages eine Brieftasche mit geheimnisvollen Inhalt findet, entschließt er sich, zusammen mit seinen Freunden Gardo und Rato, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Doch die Spurensuche ist nicht ungefährlich. Stephen Daldrys neuer Film TRASH (Start: 27. November) erzählt eindrücklich und authentisch die Geschichte dreier Jungs aus Brasilien, die sich gegen die Korrumpiertheit von Politik und Polizei stellen. Die FBW-Jury schreibt in ihrem Gutachten: "Der Film zeigt eine großartige Performance und Komposition aller Beteiligten, ob Darsteller, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ausstattung, Musik. Alles kommt zusammen in einer Inszenierung, die begeistert." Hierfür vergab sie das höchste Prädikat "besonders wertvoll".

Es klingt nach einem spannenden Thriller, doch die Geschichte, die im Dokumentarfilm THE GREEN PRINCE (Start: 27. November) erzählt wird, ist wahr. Der Palästinenser Mosab Hassan Yousef wächst als Sohn eines Hamas-Mitbegründers auf. Mit 17 wurde er vom israelischen Geheimdienst festgenommen. Seitdem arbeitete er als israelischer Spitzel und lebt heute verdeckt in den USA unter stetigen Todesdrohungen der Hamas. Regisseur Nadav Shirman zeichnet die Geschichte von Mosab und dem für ihn zuständigen israelischen Geheimdienstler nach und bedient sich gekonnt diverser filmischer Stilmittel, wie treibender Spannungsmusik, schneller Montage, Verwendung von nachgestelltem sowie dokumentarischem Material. Das Ergebnis ist eine spannende und hochbrisante Dokumentation über zwei Menschen, die auch zu Spielbällen innerhalb eines politischen Konflikts wurden. Die Expertenrunde zeigte sich beeindruckt und lobt in ihrem Gutachten: "Soviel Erkenntnis fesselnd und präzise zu inszenieren ist das Prädikat 'besonders wertvoll' Wert."

In dieser Woche startet ein Film in den Kinos, der einmal wieder beweist, dass auch Filme mit kleinem Budget große Begeisterung wecken können: FOR NO EYES ONLY (Start: 27. November) von Regisseur Tali Barde ist ein Thriller mit perfektem Gespür für das genau richtige Timing. Ein Schüler, der gelangweilt zu Hause rumhängt, hackt sich in diverse Webcams ein. Alles nur Spaß - bis er glaubt, einen Mord gesehen zu haben. Die FBW-Jury lobte die "enorme Authentizität und Originalität, die Genrebeherrschung und die Aktualität der Geschichte" und vergab hierfür das Prädikat "besonders wertvoll".

Woody Allen-Fans können sich auf die kommende Woche freuen, denn endlich startet MAGIC IN THE MOONLIGHT (Start: 4. Dezember) in den deutschen Kinos. Ein Illusionist, der eine Trickbetrügerin entlarven möchte und dabei ihrem Charme verfällt, ein sonnenumranktes Palais in Frankreich, und dazu jede Menge spritziger Dialogwitz: Aus diesen Zutaten mischt Woody Allen, zusammen mit einem herausragenden Cast (allen voran Colin Firth und Emma Stone) einen köstlich erfrischenden filmischen Cocktail, der auch die fünf Juroren der FBW bezauberte. Sie verliehen der romantischen Komödie das höchste Prädikat "besonders wertvoll". Aus der Begründung: "Eine überaus unterhaltsame Reflexion über die Lüge und die Täuschung, das Reale und das Imaginäre und schließlich auch über die Magie des Kinos".

Weitere Kinostarts mit Prädikat am 4. Dezember: der Familienspaß PADDINGTON, die romantische Weihnachtskomödie ALLES IST LIEBE, der Thriller THE DROP - BARGELD und der bezaubernde niederländische Kinderfilm FINN UND DIE MAGIE DER MUSIK. Mehr Informationen sowie ausführliche Gutachten der Filme gibt es auf der Homepage unter www.fbw-filmbewertung.com.

Prädikatsfilme vom 27. November bis 4. Dezember 2014

Trash

Spielfilm, Drama. Großbritannien 2014.

Alles beginnt mit einer Geldbörse. Der 14-jährige Raphael findet sie auf einem Müllberg vor den Toren Rio de Janeiros. In der Börse befindet sich Geld, ein Lotterieschein, Bilder von einem kleinen Mädchen und ein komischer Schlüssel. Raphael zeigt seinem Freund Gardo seinen Fund. Die beiden Jungs beschließen, sich zusammen mit dem befreundeten "Ratte" auf Spurensuche zu begeben, raus aus ihrer Favela, mitten rein in den Großstadttrubel von Rio. Lange sind sie dabei nicht allein. Von der Polizei gesucht, müssen sich die Jungs so einiges einfallen lassen, um ihren Verfolgern immer einen Schritt voraus zu sein. Stephen Daldrys neuer Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andy Mulligan. Konsequent und eindrücklich gelingt es dem Film, die Perspektive der Kinder einzunehmen. Die Kamera befindet sich stets auf Augenhöhe und folgt ihnen scheinbar mühelos bei den rasanten Verfolgungsjagden in und auf den Häuserschluchten Rio de Janeiros. Dass bei all der Schnelligkeit und der anhaltenden Spannung auch das Gefühlvolle an die Oberfläche tritt, ist Daldrys sicherer Regieführung und dem komplex gestalteten Drehbuch von Richard Curtis zu verdanken. Immer wieder macht die Geschichte bewusst, dass die jugendlichen Helden eben keine Actionhelden sind, sondern (noch) Kinder, denen der harte Alltag in den Armenvierteln dennoch nicht ihre Unschuld und ihren Glauben an das Gute nehmen konnte. Dass die Polizei und der Staat korrupt agieren, ist eine traurige Wahrheit, die der Zuschauer bereits aus anderen Medien her kennt. Doch dass drei Jungs es sich zum Ziel gesetzt haben, dagegen zu kämpfen, mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, das ist eine Botschaft, die so schön, eindrucksvoll und fast schon märchenhaft nur das Kino vermitteln kann. Starke Bilder, ein stimmungsvoller Soundtrack und faszinierend natürlich agierende junge Hauptdarsteller, die von hochkarätigen Nebendarstellern wie Martin Sheen und Rooney Mara unterstützt werden, zeichnen den Film aus. In seiner überzeugenden Mischung ist TRASH als Drama und Abenteuerfilm in jeder Minute ergreifend und bis zur letzten Minute spannend.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/trash

The Green Prince

Dokumentarfilm. Deutschland, Israel 2013. Startdatum: 27.11.2014 Prädikat besonders wertvoll

Mosab Hassan Yousef ist der Sohn einer der mächtigsten Anführer der palästinensischen Hamas-Bewegung. Er war der engste Vertraute seines Vaters und hatte Einblick in alle Vorgänge und Vorhaben. Doch beim israelischen Geheimdienst Shin Bet wurde Mosab Hassan Yousef bekannt als "The Green Prince". Unter diesem Decknamen wurde er mit 17 Jahren als Informant rekrutiert, um die Unternehmungen der Hamas auszuspionieren. Auf die Gefahr hin, täglich sein eigenes Leben zu riskieren. Was zunächst klingt wie ein spannend erzählter Thriller, ist eine wahre Geschichte. Heute lebt Mosab Hassan Yousef in den USA, immer auf der Flucht, weil Morddrohungen der Hamas ihn verfolgen. Denn für sie ist er ein Verräter. In seinem Buch "Son of Hamas" beschreibt er die Vorgänge genau, die ihn zu der Entscheidung führten, ein israelischer Spion zu werden. Nadav Shirman nutzt diese Grundlage und zeichnet die Geschichte nach. Die Stilmittel, derer er sich bedient, sind aus Spielfilmen bekannt: treibende Spannungsmusik, schnelle Montage, Verwendung von nachgestelltem sowie dokumentarischen Material. Doch im Zentrum der Geschichte stehen Mosab Hassan Yousef selbst sowie der Mann vom israelischen Geheimdienst, der ihn rekrutierte: Gonen Ben Yitzhak. Die beiden schildern chronologisch die Ereignisse, ganz sachlich und klar, mit einer Ruhe, die ob des unglaublichen Themas beim Zuschauen fast den Atem raubt und gerade deswegen für unglaubliche Spannung sorgt. Stets spürt man die Dramatik der Geschehnisse, spürt, wie tief die Erfahrungen des Spions und seines Vertrauten gehen. Und man kann nachvollziehen, wie aus einer zunächst professionellen Beziehung eine Freundschaft wurde. Eine Freundschaft, die stärker ist als die tiefen Gräben des Hasses, die zwischen Israel und Palästina herrschen. Mosab Hassan Yousef hat keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. Den Kontakt zu Gonen Ben Yitzhak jedoch hält er aufrecht. Er hat ihm in die USA geholfen. Sein Leben für ihn riskiert. Mit THE GREEN PRINCE ist Nadav Shirman ein spannender und brisanter Dokumentarfilm gelungen, der mit seiner unglaubliche Geschichte auch Licht in einen hochgradig aktuellen politischen Konflikt bringt.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/the_green_prince

For no eyes only

Jugendfilm. Deutschland 2013.

Der neue Mitschüler Aaron macht sich in der Hockeymannschaft richtig gut. Das stinkt Sam mächtig, denn nicht zuletzt wurde er genau von jenem gerade durch ein böses Foul außer Gefecht gesetzt. Mit seinem eingegipsten Bein ohnehin nicht gerade mobil, vergräbt er sich in seiner Bude und spielt bis zum Umfallen Videospiele. Als einer seiner Kumpels sich einen Scherz erlaubt und sich in Sams Webcam hackt, entschließt er sich, diese Idee für sich zu nutzen. Er beginnt ein unmoralisches, voyeuristisches Hobby, in dem er seine Mitschüler über deren Webcams ausspioniert und heimlich beobachtet. Dabei macht er durch Zufall bei seinem Konkurrenten Aaron eine verdächtige Entdeckung und verstrickt sich, zusammen mit seinem Schwarm Livia, immer tiefer in ein gefährliches Abenteuer. Tali Barde hat als Autor und Regisseur seinen ersten Langfilm als No-Budget Produktion selbst produziert. Bei der Wahl dieses hochbrisanten Themas ist es ihm gelungen, über 97 Minuten die Spannung aufrecht zu halten. Spürbar nah bewegt er sich an der Welt der Jugendlichen, fängt den Schulalltag authentisch ein und trifft mit Witz, adäquatem Musikeinsatz und guten Einfällen genau den richtigen Ton. Geschickt sensibilisiert er die "Generation Facebook" für diese brisante, allgegenwärtige Thematik und zeigt auf, wie gläsern man sich durch die neue Kommunikationskultur macht. Dabei bezieht der Film keine wertende Stellung und konzentriert sich ganz auf die Welt der Jugendlichen. Mit FOR NO EYES ONLY erweist sich Tali Barde als echtes Naturtalent, auf dessen Werdegang man schon heute gespannt sein darf.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/for_no_eyes_only

Magic in the Moonlight

Spielfilm, Komödie. USA 2014.

Stanley Crawford macht so schnell keiner etwas vor. Verkleidet als chinesischer Hexenmeister Wei Ling Soo verzaubert er die Massen. Er kennt alle Tricks und weiß genau, wann er einen Betrüger vor sich hat. Als sein guter Freund Howard ihn bittet, in seinem Auftrag an die französische Riviera zu reisen, um eine Hellseherin als Scharlatanin zu entlarven, zögert Stanley nicht. Wer wäre besser als er dafür geeignet? Dumm nur, dass sich Stanley sehr schwer damit tut, die "Gabe" der jungen charmanten Amerikanerin Sophie Baker als Lüge bloßzustellen. Und dumm auch, dass es Stanley selbst immer schwerer fällt, ihrem Charme zu widerstehen. Es ist die Welt der goldenen 20er Jahre, die Welt der oberen Zehntausend und die Welt von romantischen Mondnächten, in die Woody Allen das Publikum mit seinem neuesten Film entführt. Eine Welt, in der nicht wichtig ist, wer man ist, sondern wie man erscheint. Allen versetzt sein geschickt miteinander vernetztes Ensemble in eine Party-Gesellschaft, die zwar oberflächlich wirkt, die aber doch fähig ist, einander mit spitzer Zunge zu verletzen, Intrigen zu spinnen und, natürlich, sich zu verlieben. Die Dialoge sind spritzig, pointiert, drehen sich köstlich um Nichtigkeiten, sind dabei doppelbödig und voller Andeutungen. Colin Firth ist als Stanley ideal besetzt. Ein perfekter Gentleman, gebildet, klug, der mit jeder Geste, mit jedem Blick beweisen will, dass er sich das Heft nicht aus der Hand nehmen lässt. Emma Stone als charmant naive Sophie, deren Augenaufschlag selbst den so rationalen Stanley von seinem geistig überheblichen Thron hebt, ist dabei das perfekte Pendant. Diese Mischung aus Verstand und Gefühl verleiht der Geschichte ihren ganz besonderen Reiz. Wie immer bei Woody Allen erwarten die Zuschauer perfekt komponierte Bilder und eine stimmungsvolle Jazzmusik, die den Stil der damaligen Zeit aufs Beste einfängt und verkörpert. Auch das Set-Design und die Kostüme sind bis ins kleinste Detail stimmig und liebevoll ausgearbeitet, sodass der Eindruck entsteht, direkt in die damalige Zeit zu reisen. Das harmonische Zusammenspiel all dieser Komponenten macht Woody Allens MAGIC IN THE MOONLIGHT zu einem leichten und spritzigen Filmvergnügen, das bis zur letzten Minute zauberhaft unterhält.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/magic_in_the_moonlight

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