Deutsche Film- und Medienbewertung

MY OLD LADY mit Maggie Smith ist "besonders wertvoll"/FBW-Auszeichnung auch für AUF DAS LEBEN und Terry Gilliams ZERO THEOREM

Wiesbaden (ots) - Die FBW-Filmtipps der kommenden zwei Wochen drehen sich um ungewöhnliche Freund- und Wohngemeinschaften.

Eigentlich will Mathias (Kevin Kline) nur das Haus in Paris verkaufen, welches ihm sein Vater hinterlassen hat. Doch so einfach ist das nicht, denn das Haus ist noch bewohnt, und zwar von Mathilde (Maggie Smith), die ein lebenslanges Wohnrecht beansprucht. Mit MY OLD LADY (Start: 20. November) gelingt Israel Horovitz eine kongeniale Verfilmung seines eigenen Theaterstücks. Die fünfköpfige FBW-Jury war begeistert vom sprühenden Witz der Dialoge, von Setting und Ausstattung und vor allem von den großartigen Darstellern. Sie vergab der Tragikomödie das Prädikat "besonders wertvoll" und schreibt in ihrem Gutachten: "Die grandiosen Schauspieler zeigen in höchster Vollendung ihr Können - eine Komödie mit Tiefgang, die begeistert!"

Das englische Kino hat Maggie Smith, doch auch das deutsche Kino hat seine Grandes Dames: Eine davon ist zweifelsohne Hannelore Elstner. In ihrem neuen Film AUF DAS LEBEN! (Start: 27. November) spielt sie, unter der Regie von Uwe Janson, eine 83-jährige Frau, die sich, nach langer Zeit, mit den Traumata ihrer Vergangenheit konfrontiert sieht. Nur knapp entkam sie dem sicheren Tod im Konzentrationslager. Lange hat sie verdrängt, doch vergessen konnte sie nie. Als sie sich mit dem Umzugshelfer Jonas, gespielt von Max Riemelt, anfreundet, kommen alte Wunden wieder zum Vorschein. "Ein dichter und ergreifender Film über den Sinn des Lebens, über Lebensmut und den Wert von Freundschaft." So urteilte die Expertenrunde der FBW über den Film, dem sie das Prädikat "wertvoll" verlieh.

Terry Gilliam ist bekannt für sein expressives und surreal anmutendes Kunstkino. Auch in seinem neuen Film THE ZERO THEOREM (Start: 27. November) sind es Kostüm, Ausstattung und Setting, die den Zuschauer das Geschehen fast wie ein Gemälde erleben lassen. Es geht um nicht weniger als den Sinn des Lebens, den der Angestellte Qohen (Christoph Waltz) verzweifelt sucht. Doch nachdem ihn das obenstehende "Management" mit der Suche danach beauftragt hat, muss er nach und nach den Grund seiner Suche in Frage stellen. Die FBW-Jury lobte "den Umgang Gilliams mit Kostüm und Dekor" und die "Qualität der Erzählung und Visualisierung" und verlieh der gelungenen Mischung aus Science-Fiction und Drama das Prädikat "wertvoll".

Weitere Kinostarts mit Prädikat am 27. November: Stephen Daldrys neuer Film TRASH, die preisgekrönte Dokumentation THE GREEN PRINCE und der Nachwuchsfilm FOR NO EYES ONLY. Weitere Informationen, auch zu kommenden Kino-Highlights sowie ausführliche Gutachten der Filme gibt es auf der Homepage unter www.fbw-filmbewertung.com.

Prädikatsfilme vom 20. bis 27. November 2014

My old lady

Spielfilm, Tragikomödie, Theaterverfilmung. USA, Frankreich 2014.

Mathias Gold reist nach Paris, um dort das Erbe seines Vaters anzutreten. Der alte Herr hat Mathias nichts hinterlassen, außer einer goldenen Uhr und ein Haus. Da Mathias selbst nicht viel Rücklagen hat, ist er entschlossen, das Haus schnell zu Geld zu machen. Doch das Haus ist noch bewohnt - von der rüstigen 92-Jährigen Mathilde, die ein Wohnrecht auf Lebenszeit hat. Und, dank der in Frankreich existierenden Immobilienleibrente, muss Mathias ihr auch noch monatlich Geld zahlen. Mathias versucht nun alles, doch noch irgendwie das für ihn finanziell Beste aus der Lage herauszuholen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn es stellen sich ihm gewiefte Immobilienmakler und diverse französische Rechtsprobleme in den Weg. Und dazu noch Chloe, Mathildes Tochter. Die ist so gar nicht erfreut, einen Eindringling im Haus vorzufinden - zumindest zunächst. Das gleichnamige Theaterstück des Autors Israel Horovitz feiert seit Jahren Erfolge auf internationalen Theaterbühnen. Nun entstand unter seiner Regie eine filmische Adaption der Geschichte rund um einen Mann im besten Alter, der nach dem Tod seines Vaters eigentlich nur zur Erledigung einer Angelegenheit an die Seine reißt, um dann doch neue Wurzeln zu schlagen. Kevin Kline ist die Idealbesetzung für diesen Mann, der an der Oberfläche als grummeliger Einzelgänger erscheint, dann aber doch eine verletzte Seele offenbart und dazu eine Sehnsucht nach Heimat und Zugehörigkeit. Kristin Scott Thomas steht ihm als Chloe in nichts nach, dazu herrscht zwischen den beiden auch eine extrem gute Chemie. Über allem aber thront die großartige Maggie Smith, die den Zuschauer vom ersten Erscheinen auf der Leinwand für sich einnimmt. Ihrer "Old Lady" sitzt der Schalk im Nacken, dazu verfügt sie über eine spitze Zunge und einen stets wachen Geist. Genau diese Mischung, die Smith verkörpert wie keine Zweite, macht den Film zu einem besonderen Vergnügen. Fast kammerspielartig entwickelt sich die Handlung zwischen den drei Protagonisten, die Dialoge wechseln von spritzigen Wortgefechten über in berührende Unterhaltungen zwischen einsamen Seelen, die einander gefunden haben. Das Haus als vornehmlicher Handlungsraum spielt ebenfalls eine große Rolle. Authentisch ist die Einrichtung, stilvoll nostalgisch die Atmosphäre. Glaubhaft vermittelt sich, dass in diesem Haus viele Erinnerungen wohnen, die direkt mit den Figuren verbunden sind. MY OLD LADY ist ein bittersüßes und anmutig inszeniertes Filmvergnügen, das unterhält, berührt und große Freude bereitet.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/my_old_lady

Auf das Leben! Spielfilm, Drama. Deutschland 2014. Start: 27.11.2014

Jonas hat seinen festen Wohnsitz aufgegeben, seine Zelte abgebrochen und lebt in einem Kleinbus. Sein Geld verdient er sich mit Gelegenheitsarbeiten, zum Beispiel als Möbelpacker. Bei einem solchen Job lernt er Ruth kennen. Ruth ist eine ältere resolute Dame, die sich vehement gegen die Zwangsräumung ihrer Wohnung wehrt. Doch es hilft nichts, Ruths Sachen werden in eine kleine Mietwohnung verfrachtet. Als Ruth nach einem Selbstmordversuch von Jonas gefunden wird, kümmert er sich zunächst unwillig um die verzweifelte Frau. Doch nach und nach erfährt er mehr über Ruths Vergangenheit als Sängerin im Berlin der 1970er Jahre. Und die Geschehnisse aus der Kindheit, die sie bis heute verfolgen. AUF DAS LEBEN! erzählt von einem spannenden und bewegten schicksalhaften Leben. Von einer unbeschwerten Kindheit in Polen, die mit dem Einmarsch der Nazis ein jähes Ende fand, über den grausamen Tod der Eltern, bis hin zu einem Neubeginn als starke und stolze jüdische Sängerin, die mit ihrem charismatisch charmanten Wesen alle Zuhörer in ihren Bann zieht. Dies sind die Erinnerungen, die im Film dargestellt werden. Es sind die Erinnerungen von Ruth, gewohnt intensiv verkörpert von der großartigen Hannelore Elsner. In ihrem Sarkasmus, den sie in den spitzen Dialogen an den Tag legt, spiegeln sich die seelischen Wunden wieder, die nie heilen konnten. Als junge Ruth überzeugt Sharon Brauner, ihr jiddischer Gesang zieht sich als musikalischer roter Faden durch die Geschichte, verkörpert Wehmut und Klage, Stärke und Trost zugleich. Max Riemelt als Jonas ist die Verkörperung des Zuschauers, der das Leben Ruths wie ein Bilderbuch aufdeckt und durch die Freundschaft mit Ruth die Kraft findet, sich seinem eigenen Schicksal zu stellen. Produzentin Alice Brauner und Regisseur Uwe Janson ist ein bewegender und unglaublich dichter Film gelungen, über die Kraft und die Macht der Erinnerungen, die einen Menschen bis zum Ende seines Lebens begleiten.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/auf_das_leben

The Zero Theorem

Spielfilm, Science-Fiction, Drama. USA, Großbritannien, Rumänien 2013.

Qohen Leth hat nur einen Wunsch: Er will wissen, was der Sinn des Lebens ist. Nur deswegen bleibt er nächtelang wach und wartet auf einen Anruf von ganz oben. Dass er tagsüber zum Arbeiten das Haus verlassen muss, passt ihm gar nicht. Doch dann erhält Qohen einen Auftrag vom so genannten "Management". Er soll nach dem "Zero Theorem" suchen, einer Gleichung, die die Welt erklärt. Sollte ihm das gelingen, wird ihm der Sinn des Lebens verraten. Qohen ist begeistert und macht sich an die Arbeit. Doch dann passieren Dinge, die nicht in sein Weltbild passen. Er begegnet einem jungen Mann, der sich als Sohn von "Management" herausstellt und bei Qohen einzieht. Und, ganz gegen seinen Willen, beginnt Qohen sich auch noch für eine junge Frau zu interessieren, die er nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Doch sein Kopf muss frei bleiben für die Suche nach dem Sinn des Lebens. Falls es den überhaupt gibt. Nach BRAZIL und TWELVE MONKEYS präsentiert der Regisseur und Künstler Terry Gilliam mit THE ZERO THEOREM seinen dritten Entwurf der Dystopie einer nicht allzu fernen Zukunft. Laut, überdreht und bunt ist die Welt, in der sich die Figuren bewegen, die entweder selbst total überdreht oder komplett desillusioniert durch eben jene Welt wandeln, in der sie sich voneinander und von sich selbst entfremden. Es ist eine Welt der kompletten Überwachung, der stumpfsinnigen und sinnfreien Beschäftigung, des medialen Overkills und der Kälte menschlicher Interaktionen über virtuelle Kanäle. Gilliam inszeniert all diese Themen, Motive und Fragen in einem fantasievollen und surreal anmutenden Setting. Quietschbunte Kostüme und Ausstattungen mischen sich mit Steam Punk-Elementen, eine Kirche dient als exzellent gewähltes Setting und vereint religiöse Motive mit Zeichen der Postmoderne. Und inmitten dieser Szenerie agiert Christoph Waltz überzeugend als Qohen, der anfangs ein klares Ziel definiert und dann Stück für Stück beginnt, das ganze System, dem er dient, zu hinterfragen. Terry Gilliam liefert mit THE ZERO THEOREM erneut ein faszinierendes Feuerwerk an Ideen ab, das anregt, herausfordert und in jeder Minute glänzend unterhält.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/the_zero_theorem

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