PwC PriceWaterhouseCoopers

Basler Vorschläge: Umsetzungsprobleme aus Sicht der Wirtschaftsprüfer
Probleme bei Datenbeschaffung
Methoden zur Messung operationaler Risiken noch unklar
Schaffen Offenlegungspflichten wirklich Transparenz

    Frankfurt am Main (ots) - Die vom Basler Ausschuss für
Bankenaufsicht avisierte Reform der Eigenkapitalübereinkunft von 1988
stellt den Bankenmarkt, aber auch die Wirtschaftsprüfer vor
erhebliche Herausforderungen. Diese Schlussfolgerung zieht die
Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft
Pricewaterhouse Coopers aus dem neuen Konsultationspapier des Basler
Ausschusses für Bankenaufsicht.
    
    Die in den Basler Reformvorschlägen formulierte Abkehr von der
Pauschalbehandlung aller Kreditnehmer zugunsten eines differenzierten
Ansatzes in der Eigenkapitalunterlegung wird von
PricewaterhouseCoopers als deutlicher Fortschritt gewertet. Die
neuen Vorschläge zur Ermittlung der Eigenkapitalunterlegung eröffnen
den nationalen Aufsichtsbehörden allerdings einen breiten
Ermessensspielraum, der bestehende Wettbewerbsverzerrungen
verstärken könnte. Im Gegensatz zu dem im Juni 1999 vorgestellten
ersten Konsultationspapier wird die Bemessung des Kreditrisikos über
bankinterne Rating-Verfahren ein zentrales Element darstellen.  
    
    "Bei Umsetzung der Vorschläge in der vorliegenden Form würden die
Eigenkapitalanforderungen weitaus stärker auf das tatsächliche
Risikoprofil einer Bank abgestimmt", so das positive Fazit von Rolf
Friedhofen, Partner bei PwC Deutsche Revision und in Deutschland
zuständig für aufsichtsrechtliche Belange. "Die termingerechte
Einrichtung interner Rating-Systeme wird die Banken aus unserer Sicht
allerdings noch vor Probleme stellen. Auch die Beschaffung eines
angemessenen Datenbestands zur Erfassung der Kreditrisiken dürfte
sich schwierig gestalten. Dies gilt sowohl für historische
Ausfallwahrscheinlichkeiten als auch für die Erfassung der
Sicherheiten. Bereits bestehende Bewertungssysteme müssen in vielen
Fällen deutlich optimiert werden."
    
    Die Beurteilung des internen Rating-Systems stellt auch für die
Bankenaufsicht eine enorme Herausforderung dar - insbesondere
angesichts der derzeitigen Personalausstattung. Zudem ergibt sich aus
der Konkurrenz von externen und internen Ratings die Frage, ob die
Bankenaufsicht auch die externen Ratingagenturen hinsichtlich deren
Systeme künftig beurteilt.
    
    Grundlage des internen Ratings sind u. a. die Jahresabschlüsse der
Unternehmen. Insbesondere bei nicht börsennotierten Unternehmen
stellt sich die Frage, ob deren Jahresabschlüsse in Zukunft stärker
Angaben zu Soft-skills und zur künftigen Geschäftsentwicklung
enthalten müssen. Die Wirtschaftsprüfer werden sich darauf
einstellen müssen unabhängig von den gesetzlichen Vorschriften auf
entsprechende Anforderungen der Bank im Prüfungsbericht eingehen zu
müssen.
    
    Die Eigenkapitalanforderung im Zusammenhang mit dem operationalen
Risiko wird einzelne Unternehmen massiv belasten und die Institute
fast durchweg vor Terminprobleme stellen. Darüber hinaus bestehen
weiterhin teilweise große methodische Schwierigkeiten, operationale
Risiken zu quantifizieren, da es bisher noch keine anerkannten
Verfahren gibt.
    
    Insbesondere für die Finanzdienstleister in der EU, deren
Wettbewerber außerhalb der EU von derlei Belastungen unbeschwert
bleiben, dürfte die Kapitalunterlegung des Operational Risk ein
schmerzhafter Prozess werden.
    
    Als problematisch dürften sich zudem die jetzt verpflichtend
vorgeschriebenen Anforderungen an die Marktdisziplin erweisen.
Danach soll eine verläßliche und aktuelle Offenlegung aller zur
fundierten Risikoeinschätzung eines Instituts relevanten
Informationen erfolgen. Die Erfahrungen mit der Darstellung der
Marktpreisrisiken in den Jahresabschlüssen der Kreditinstitute haben
gezeigt, dass die Beurteilung der Risikopositionen durch die
Informationsfülle oft erschwert wird. Zudem ist zu befürchten, dass
die Darstellung des Risikomanagementsystems nach KonTraG für den
handelsrechtlichen Konzern einerseits und die bankaufsichtlichen
Anforderungen für den bankaufsichtsrechtlichen Konzern andererseits
zusätzlich verwirren.
    
    Hans Wagener, Mitglied des Vorstands der PwC Deutsche Revision und
als verantwortlicher Partner zuständig für den Bereich Financial
Services in Europa zu den Basler Reformvorschlägen: "Die Einzelheiten
müssen natürlich noch sorgfältig geprüft und analysiert werden. Aber
bereits das Vorläuferpapier aus Basel hatte bei den europäischen und
asiatischen Banken und Finanzdienstleistern konkrete Befürchtungen
vor weiteren Wettbewerbsverzerrungen gegenüber den USA und anderen
Ländern geweckt.
    
    Obschon die neuen Regelungen per se nur auf international tätige
Banken angewandt werden sollen, wird die EU deren Gültigkeit
voraussichtlich auf sämtliche Kreditinstitute sowie auch
Finanzdienstleister ausdehnen. Letztere sowie kleinere
Kreditinstitute im EU-Raum müssen sich in der Folge auf eine drohende
Verzerrung des Wettbewerbs mit ihrer Konkurrenz außerhalb der EU
einstellen.
    
    Bei der Umsetzung der Reform ist entsprechendes
Fingerspitzengefühl gefragt. Problematisch wird sich insbesondere
der breite Ermessensspielraum nationaler Aufsichtsbehörden auswirken.
Nach aller Erfahrung werden wir nicht die dringend gebotene
Harmonisierung erleben, sondern ein noch stärkeres
Auseinanderdriften der praktischen Umsetzung in den einzelnen
Ländern. Das wird auch der Supervisory review process voraussichtlich
nicht verhindern können."
    
    Für den Herausgeber:
    Die Gruppe PwC Deutsche Revision/PricewaterhouseCoopers ist in
Deutschland mit einem Umsatz von rund 2,4 Milliarden Mark eines der
marktführenden integrierten Dienstleistungsunternehmen im Bereich
Prüfung und Beratung. Rund 10.000 Mitarbeiter arbeiten an über 40
Standorten in Deutschland für nationale und internationale Mandanten
jeder Größe. Die breite Palette der Dienstleistungen umfasst die
Wirtschaftsprüfung, die Unternehmensberatung, die Corporate Finance-
und die Steuerberatung sowie die personalwirtschaftliche Beratung.
Für die Prüfung und Beratung von Kunden aus dem
Finanzdienstleistungsbereich sind zurzeit rund 1.200 Mitarbeiter
verantwortlich, davon rund 70 Partner.
    
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