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Schwellenländer auf Einkaufstour in Europa

Frankfurt am Main (ots) - PwC-Studie: Investoren aus Schwellenländern geben 2008 Rekordsumme für westeuropäische Unternehmen aus / Finanzkrise schafft Kaufgelegenheiten / China verstärkt Engagement deutlich

Investoren aus Asien, dem Mittleren Osten und anderen aufstrebenden Wirtschaftsregionen haben sich 2008 in mehr westeuropäische Unternehmen eingekauft denn je. Während die Finanzkrise im vergangenen Jahr die Zahl der Übernahmen und Fusionen (Mergers and Acquisitions, M&A) weltweit deutlich sinken ließ, erwarben Käufer aus den Emerging Economies 256 Unternehmensbeteiligungen in Westeuropa. Das Transaktionsvolumen kletterte auf den Rekordwert von über 45 Milliarden Euro, wie aus der Studie "Eastern Approaches - Maximising Success with Emerging Market Acquirers" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor geht. Im Jahr 2007 waren 188 Transaktionen im Wert von 37,5 Milliarden Euro zu verzeichnen, 2006 lag das M&A-Volumen aus 151 Beteiligungen und Übernahmen erst bei gut 19 Milliarden Euro.

Für 2009 prognostizieren die PwC-Experten, dass die Bedeutung von Investoren aus den Emerging Economies in einem insgesamt schwächeren Marktumfeld weiter steigt. "Westeuropa bietet kapitalstarken Investoren, die auch in einem schwierigen Marktumfeld Potenzial sehen, derzeit ausgesprochen günstige Einstiegsbedingungen, denn der Bieterwettbewerb ist wegen der herrschenden Kreditknappheit nur schwach. Zudem drückt der Konjunkturabschwung das Preisniveau", kommentiert Werner Suhl, Leiter Corporate Finance bei PwC und M&A-Experte.

Investoren aus China holen auf

Käufer aus dem Mittleren Osten führen die Rangliste der Investoren aus Schwellenländern nach wie vor an. Allerdings haben insbesondere chinesische Unternehmen ihr Engagement in Westeuropa deutlich verstärkt. So entfielen im Jahr 2008 fast 30 Prozent der Investitionssumme aus den Emerging Economies auf chinesische Bieter, während deren Anteil im Jahr 2006 erst bei rund elf Prozent lag. Investoren aus dem Mittleren Osten stellten 2008 zwar mehr Kapital bereit als 2006, ihr Anteil am Gesamtvolumen sank jedoch von annähernd 60 auf knapp 40 Prozent.

Die Motive für Zukäufe in Westeuropa sind vielfältig. "Chinesische Investoren wollen sich vor allem Know How und Technologien sichern, während indische Unternehmen häufig Expansionsmöglichkeiten suchen, nachdem sie sich auf ihren Heimatmärkten als feste Größen etabliert haben. Für Anleger aus Russland sowie den Ölstaaten des Mittleren Ostens sind eher prestigeträchtige Akquisitionen typisch", erläutert Suhl.

UK zieht das meiste Kapital an

Die attraktivste Zielregion für Investoren aus Schwellenländern war zwischen 2003 und 2008 das Vereinigte Königreich. Hierher flossen fast 60 Prozent der Kaufsumme. Mit deutlichem Abstand folgen Frankreich und die Schweiz mit zehn bzw. sieben Prozent des Transaktionsvolumens. Deutschland erreicht mit einem Anteil von sechs Prozent den vierten Rang.

Gemessen an der Zahl der Beteiligungen liegen die westeuropäischen Zielländer näher beieinander. Auf Großbritannien entfielen in den vergangenen fünf Jahren 33 Prozent der Zukäufe von Investoren aus Schwellenländern, auf Deutschland 19 Prozent und auf Frankreich 10 Prozent. Dabei haben deutsche Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren stetig an Attraktivität gewonnen. Waren 2003 erst 18 neue Beteiligungen von Investoren aus Schwellenländern zu verzeichnen, gab es im vergangenen Jahr 46 Neuengagements.

Kulturelle Unterschiede bergen Konfliktpotenzial

Die stetig steigenden Investitionen dürfen europäische Unternehmen jedoch nicht über die besonderen Herausforderungen hinwegtäuschen, die bei der Zusammenarbeit mit Kapitalgebern aus Emerging Economies zu erwarten sind. Der "12th Annual Global CEO Survey" von PwC identifiziert unterschiedliche Unternehmens- und Managementkulturen als mit Abstand häufigste Probleme bei grenzüberschreitenden M&A-Transaktionen. Dies gilt verstärkt, wenn Investoren aus Schwellenländern involviert sind.

"Hierarchien und Entscheidungsabläufe sind in Unternehmen aus den Emerging Economies häufig komplex und für europäische Verhandlungspartner schwer zu durchschauen. Beispielsweise fallen wichtige Entscheidungen mitunter nicht auf den dafür anberaumten Konferenzen, sondern bei eher informellen Treffen. Für den erfolgreichen Abschluss einer Transaktion sind daher genaue Kenntnisse über Ziele, Strategien und nicht zuletzt den finanziellen Hintergrund des potenziellen Investors unerlässlich", betont Suhl.

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