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"Starker Tobak"
Kommentar der "Fuldaer Zeitung" zum Fall Litwinenko

Fulda (ots) - Dieser Mordfall sprengt selbst für hartgesottene Krimifans beinahe jede Vorstellungskraft: Ein Ex- beziehungsweise Doppelagent, der von zweifelhaften Berufskollegen mit einem hochradiokativen Tee-Zusatz ins Jenseits befördert wird, weil er mit seinen Enthüllungen den Mächtigen eines autoritär geführten Staates gewaltig auf die Füße tritt. Dieses Szenario hört sich nach Verschwörungstheorie pur an - entspricht aber im Fall Litwinenko offenbar weitgehend den Tatsachen. Und scheint sich überdies in eine Serie ähnlich haarsträubender Todesfälle einzureihen. Und seit gestern gewinnt durch eine förmliche richterliche Untersuchung in einem als unbestechlich geltenden Justizsystem auch noch jener ungeheure Vorwurf an Gewicht, dass der russische Staatspräsident persönlich den Mord-Auftrag gebilligt habe. Das ist schon starker Tobak - und lässt insbesondere in der britischen Öffentlichkeit den Ruf nach Konsequenzen lauter werden. Das wiederum setzt den Londoner Premierminister David Cameron in einer Situation unter Zugzwang, in der ihm dies in etwa so gelegen kommt wie eine Wolke Stechmücken in einer lauen Sommernacht: Gerade erst war Russland nach dem Bann in Folge der Krim- und Ukrainekrise als wichtiger Mitspieler im Atompoker mit dem Iran sowie im syrischen Bürgerkrieg vom Westen wieder kleinlaut an die Verhandlungstische gebeten worden - und nun soll man mit einem Gesprächspartner weiterverhandeln, an dessen Händen Blut oder vielmehr giftiges Polonium klebt? Die bittere Antwort heißt: Ja, man muss Putin weiter einbinden. Alles andere würde die weltpolitisch ohnehin verzwickte Lage weiter verkomplizieren. Was man allerdings seit gestern noch weniger tun muss als schon bisher: Putin hofieren und hätscheln, ihm gar den Orden des "lupenreinen Demokraten" umhängen. Der Ex-KGB-Mann versteht vor allem eine Sprache: Unerschrockenheit und klare Ansagen. Beides ist nun mehr denn gefordert.

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