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FZ: Verlockungen mit Risiko - Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (24. Jnauar 2014) zum Themenkomplex Iran/Ruhani/Weltwirtschaftsforum Davos

Fulda (ots) - Verbindlichkeit statt Hasstiraden, Lächeln statt Drohgebärden, Lockrufe an Investoren statt Isolationskurs: Mit einer Charmeoffensive kämpft sich der Iran derzeit auf die weltpolitische Bühne zurück. Mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg: Während er zur Syrienkonferenz in Genf erst ein- und dann wieder ausgeladen wurde, durfte Irans Präsident Hassan Ruhani gestern vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos sprechen - als erster Vertreter seines Landes seit gut zehn Jahren. Es ist freilich kein Zufall, dass die in den Schweizer Bergen versammelte Wirtschaftselite unbefangener als die internationale Politik auf Teheran zugeht:Schließlich bildet das 75-Millionen-Volk ein nicht unerhebliches Potenzial für Unternehmen aller Art - und gerade die Ölindustrie war noch nie sehr zimperlich, wenn es darum ging, Embargos zu umgehen oder Geschäfte auch mit Machthabern vom Schlage eines Gaddafi zu machen. Ruhani scheint jedenfalls zu spüren, wie er die Investoren ansprechen muss, damit diese mögliche moralische Skrupel angesichts des iranischen Atomprogramms oder der aggressiven Anti-Israel-Politik Teherans hintanstellen: "Der Iran ist potenziell eines der wirtschaftlich bedeutendsten Länder der Welt", sagte Ruhani, und sein Ölminister Bijan Namdar Zangeneh fügte an: "In Davos wollen wir mit den Konzernen vis-à-vis reden und zeigen, was für ein lukrativer Markt im Iran auf sie wartet." Das sind die Stichworte, auf die Manager anspringen. Vielleicht ist es gut, wenn die Wirtschaft die neuen Töne aus Teheran früher als alle anderen ernstnimmt, Ruhani damit auch innenpolitisch zu Erfolgen verhilft und seinen vorsichtigen Reformkurs gegenüber den religiösen Hardlinern absichern hilft. Doch das Risiko bleibt hoch: Wenn alles nur eine Finte ist, dann können die ausländischen Investoren auch schnell zu Geiseln der Mullahs werden.

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