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Die 23. Bonner Venentage beleuchten neue Aspekte in der Phlebologie

Bonn (ots) - Als phlebologische Fachtagung rund um das Thema Venen und Gefäße haben die Bonner Venentage ihren Stellenwert unter den wissenschaftlichen Veranstaltungen in diesem Themenfeld. 300 Besucher verfolgten am 10. und 11. Februar die Vorträge, Workshops und Symposien in den Festsälen des Bonner Maritim Hotels. Auf der Präsentationsfläche stellten über 30 Aussteller aktuelle Entwicklungen in der Versorgung venenkranker Menschen vor. Die Referenten aus Forschung, Wissenschaft und Praxis erläuterten die Versorgung von Krankheitsbildern wie Ulcus cruris und Thrombose und diskutierten neue Entwicklungen.

Als "Jahreseinstieg in die phlebologischen Veranstaltungen", wie es Kongresspräsident Professor Dr. Eberhard Rabe formulierte, greifen die Bonner Venentage Entwicklungen auf, sprechen Trends an und setzen Themen in Therapie, Versorgung und Pflege von Menschen mit Venenerkrankungen.

Eine durch das Starnberger Medical Data Institute präsentierte Vortragsreihe thematisierte das Zusammenwirken von Phlebologen mit dem hausärztlichen Bereich. Unter Moderation von Rabe diskutierten Gefäß- und Allgemeinmediziner die Zusammenarbeit in der Versorgung venenkranker Menschen. Da Betroffene erst zum Phlebologen gehen, wenn sie bereits schwerkrank sind, sieht Rabe die Möglichkeiten zur Optimierung im hausärztlichen Bereich.

Diese Analyse unterstrich Professor Dr. Markus Stücker, der in seinem einführenden Statement die Situation der phlebologischen Versorgung erläuterte. "Ein Großteil unserer Mitglieder sind Allgemeinmediziner", betonte der Präsident der Deutschen Phlebologischen Gesellschaft und ergänzte: "Die Zusammenarbeit der fachärztlichen Disziplinen ist bei uns gelebte Praxis." Anhand der Daten der Bundesärztekammer gibt es rund 5.000 Gefäßmediziner in Deutschland. Ihnen steht eine große Menge potentieller Patienten gegenüber, denn über 90 % der Bundesbürger weisen mit sogenannten Besenreisern bereits leichte Venenveränderungen an den Beinen auf. Die Datenlage zeigt, dass ab dem 45. Lebensjahr das Risiko von Venenerkrankungen exponentiell ansteigt, von denen schließlich jeder vierte über 70jährige betroffen ist. Rein statistisch gesehen kämen somit in Deutschland 3.000 Patienten auf einen Phlebologen. Eine Vorauswahl der Patienten, die tatsächlich dem Gefäßspezialisten vorgestellt werden sollten, könne nach Stückers Ansicht unter bestimmten Voraussetzungen der Hausarzt vornehmen.

Der Allgemeinmediziner Dr. Dr. Peter Schlüter stellte die Möglichkeiten einer hierbei hilfreichen phlebologischen Untersuchung vor. Der Hemsbacher Arzt berichtete aus Sicht des Allgemeinmediziners, dessen Patienten aus den unterschiedlichsten Gründen die hausärztliche Praxis aufsuchen und von denen nicht jeder auf alle erdenklichen Aspekte hin untersucht werden kann. Schlüter regte daher an, eine spezifische Untersuchung des Zustands der Venen in den zweijährigen Check-up einzubeziehen, der von den Kostenträgern erstattet wird. Doch es gelte auch zu beachten, dass nicht jede hausärztliche Praxis die zur Diagnosestellung erforderlichen Geräte zur Verfügung hat, gab Schlüter zu bedenken. Grundsätzliche Versorgungen venenerkrankter Patienten, wie post-operative Untersuchungen, Wundversorgung und die für den Behandlungserfolg grundlegende Kompressionstherapie, seien jedoch grundsätzlich durch den Hausarzt leistbar. Wünschenswert wäre nach Schlüters Ansicht eine Motivation von Seiten der betroffenen Patienten und eine bessere Regelung der Vergütung hausärztlicher Leistungen in der Therapie venenkranker Menschen.

"Die Inspektion und Palpation der unteren Extremitäten gehört zur Ganzkörperuntersuchung", unterstrich Dr. Hendrik Altenkämper, der gemeinsam mit Dr. Jutta Schimmelpfennig die Sicht des Berufsverbands der Phlebologen erläuterte. Unter Hausärzten sei die Einschätzung verbreitet, dass die medizinischen Kompressionsstrümpfe, die Patienten zur erfolgreichen Kompressionstherapie benötigen, das ärztliche Budget belasten. Obwohl Kompressionsstrümpfe als Hilfsmittel nicht ins Budget fallen, stünde dieser Irrtum der Bereitschaft, solche Patienten zu versorgen, oft im Wege, so Altenkämper. Andererseits wirken Behandlungen, für die der Patient selber aufkommen muss, wie die freiwilligen individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), seiner Erfahrung nach auf den Betroffenen abschreckend.

Die 23. Bonner Venentage ermöglichten den 300 Besuchern einen Überblick zu aktuellen Entwicklungen der Phlebologie und beleuchteten einzelne Aspekte im Rahmen aussagekräftiger Vorträge. Neben dem für diese Veranstaltung typischen "Blick über den Tellerrand", der sich auf lymphologische oder sportmedizinische Themen richtete, wurde in diesem Jahr zudem ein besonderer Schwerpunkt auf das Zusammenwirkungen verschiedener ärztlicher Fachrichtungen bei der Versorgung venenkranker Menschen gelegt. "Nicht nur beim Hausarzt, auch in vielen anderen medizinischen Bereichen gibt es Unklarheiten, wann man welchen Patienten zum Phlebologen schicken sollte", so Kongresspräsident Rabe. Die 23. Bonner Venentage haben in diesen Themenkomplex einige Klarheit gebracht.

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