WDR Westdeutscher Rundfunk

Sexueller Missbrauch im Reitsport - "Mit 100 km/h gegen eine Betonwand"
WDR Fernsehen, Sonntag, 23. Juli 2017, ca. 12.50 Uhr

Köln (ots) -

Sport im Westen live: CHIO Aachen, 11.00 - 15.00 Uhr, darin: um ca. 
12.50 bis 13.10 Uhr der Beitrag "Sexueller Missbrauch im Reitsport" 
von Andrea Schültke

Mehr als 200 000 Mädchen in Deutschland sind in einem Reitverein 
organisiert. Die Liebe zum Pferd zieht sie magisch an. Der Reitstall 
- für sie ein wichtiges soziales Umfeld, ihre zweite Heimat. 
Das nutzen auch Täter aus: Extra-Reitunterricht, besondere 
Unternehmungen mit dem Tier oder das Reiten spezieller Pferde sind 
Vergünstigungen, die die Männer den Mädchen bieten. Manchmal erwarten
sie dafür etwas - Körperkontakt bis hin zum Geschlechtsverkehr. Ein 
Kreislauf der Abhängigkeit beginnt: Sie verpflichten das Mädchen zum 
Schweigen. Druckmittel: Wenn der Missbrauch ans Licht käme, würde das
Kind alles verlieren, Freunde, Pferde und sein zweites zu Hause, den 
Reitstall.

So war es auch in dem Fall, den der 20-minütige Film besonders 
beleuchtet: Im Mai wurde ein Reitlehrer zu vier Jahren und drei 
Monaten Haft verurteilt - wegen sexuellen und schweren sexuellen 
Missbrauchs einer 13-jährigen Reitschülerin. Der Mann war mehr als 30
Jahre älter als das Kind. Er hat die Taten weitgehend gestanden. 
"Unser Familienleben hat sich von einem auf den anderen Tag komplett 
verändert", schildert die Mutter der Betroffenen. "Das war wie mit 
100 km/h gegen eine Betonwand zu fahren". Die Eltern erstatteten 
Anzeige, auch um möglichen weiteren Taten vorzubeugen. 

Sexueller Missbrauch - im Sport genauso häufig wie in allen anderen 
Bereichen der Gesellschaft. So ein Ergebnis der Studie "Safe Sport", 
die Ende vergangenen Jahres erstmals das Ausmaß sexualisierter Gewalt
im Leistungssport greifbar gemacht hat. Demnach haben eine/r von neun
Athlet/innen schwere oder auch länger andauernde sexualisierte Gewalt
erlebt - bis hin zum Geschlechtsverkehr; Mädchen häufiger als Jungen.
Würde man diese Zahl übertragen auf die 200 000 Mädchen, die in 
Reitvereinen eher Breitensport betreiben, hieße das:10 000 Mädchen in
deutschen Reitvereinen könnten sexualisierte Gewalt erfahren haben.

Der Film lässt Betroffene zu Wort kommen und zeigt Strukturen auf, 
die es Tätern gegebenenfalls leicht machen, mit möglichen Opfern in 
Kontakt zu kommen. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung, FN, 
Dachverband des organisierten Reitsports, hat das Problem erkannt und
ein umfangreiches Präventionskonzept aufgestellt. Kinderschutz ist 
Bestandteil der Trainerausbildung und der Satzung. Wer dagegen 
verstößt, fliegt aus dem Verband. Drei Mitarbeiterinnen kümmern sich 
innerhalb der Dachorganisation um das Thema, und es gibt eine anonyme
Hotline. Aber an der Basis mangelt es noch weitgehend an 
Problembewusstsein.
 

Pressekontakt:

Uwe-Jens Lindner
WDR Presse und Information
0221 220 7123
uwe-jens.lindner@wdr.de
Original-Content von: WDR Westdeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: WDR Westdeutscher Rundfunk

Das könnte Sie auch interessieren: