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Ermittlungen gegen Ryanair-Piloten: Inzwischen 101 Beschuldigte

Köln/München (ots) -

Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt im Falle der 
Ryanair-Piloten, die als scheinselbständig betrachtet werden, 
inzwischen gegen insgesamt 101 Beschuldigte. Die meisten von ihnen 
sind Piloten, die über Personaldienstleister für Ryanair fliegen. Das
berichten WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung.  

Nach Angaben der Recherche-Kooperation hatten die Ermittler 
zahlreiche Indizien für Steuerhinterziehung und Sozialabgabenbetrug 
oder Beihilfe hierzu zusammen getragen, bevor kürzlich Razzien an 
sechs Ryanair-Standorten in Deutschland und Hausdurchsuchungen bei 
einigen Piloten stattfanden. In einem der Durchsuchungsbeschlüsse 
wird der offizielle Status der betreffenden Piloten als eigenständige
Kleinunternehmer als "Fiktion" bezeichnet.

Hauptbeschuldigte sind Verantwortliche von britischen Personalfirmen,
die Piloten an Europas größte Billigfluglinie Ryanair mit Sitz in 
Irland vermitteln. Gegen die Piloten, sie werden von der 
Staatsanwaltschaft als "Vertrags-Piloten" bezeichnet, laufen 
Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung und wegen 
Sozialversicherungsbetrug. 3500 Piloten und Copiloten fliegen für 
Ryanair. Mehr als die Hälfte sind bei der Airline angestellt, genaue 
Zahlen will die Airline aber nicht nennen. Nach Angaben der 
Pilotenvereinigung "Cockpit" arbeiten inzwischen in der gesamten 
Flugbranche bereits 16 Prozent aller Piloten in "prekären 
Beschäftigungsverhältnissen", Tendenz steigend. 

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Koblenz werden die Verträge
zwischen den offiziell selbständigen Piloten und den britischen 
Personalfirmen über Dienstleister abgewickelt, in denen die Piloten 
als Gesellschafter fungieren, deren Geschäfte aber von irischen 
Steuerberatern geführt werden. Diese kümmerten sich beispielsweise um
Buchhaltung und Überweisungen. Viele Piloten wüssten aber beim 
Abschluss der betreffenden Verträge gar nicht, über welchen 
Dienstleister sie weitervermittelt würden, sagt die 
Staatsanwaltschaft. Und viele Piloten wüssten auch gar nicht, mit wem
sie es bei ihren Dienstleistern überhaupt zu tun haben. Dies diene 
nur dazu, die Einstufung der Piloten als Arbeitnehmer der britischen 
Personalfirmen, also der Partner von Ryanair, zu umgehen.

Gegen Verantwortliche von Ryanair wird nicht ermittelt. Die Fluglinie
teilte auf Anfrage mit, man habe die Beschäftigungsmodelle mit den 
"Vertrags-Piloten" weder selbst gestaltet noch abgesprochen. Solche 
Modelle seien auch in anderen Branchen üblich und legal.  

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