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WDR-Recherche: Gefährliche Bohrabfälle auf Gewerbemüll-Deponie in NRW entsorgt

Köln (ots) -

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März 2016, 6.00 Uhr, Print frei für Donnerstagsausgaben 

In Nordrhein-Westfalen wurden im vergangenen Jahr mehr als 4.000 
Tonnen gefährlicher Abfälle aus der Öl- und Gas-Industrie auf 
Deponien für Gewerbeabfälle entsorgt. Das Umweltministerium in 
Düsseldorf bestätigte Recherchen des WDR, wonach auch 2015 noch 
größere Mengen gefährlicher Sonderabfälle aus Niedersachsen nach NRW 
gebracht wurden.

In früheren Stellungnahmen hatte das Ministerium davon gesprochen, 
die Transporte seien lediglich bis 2013 erfolgt. Es handelt sich 
dabei um insgesamt 4.111 Tonnen Bohrabfälle mit der 
Abfallschlüssel¬nummer 010506* ("Bohrschlämme und andere Bohrabfälle,
die gefährliche Stoffe enthalten"). Zu den darin üblicherweise 
enthaltenen Stoffen gehören neben Quecksilber, Arsen und anderen 
Schwermetallen auch radioaktive Stoffe wie Radium 226 und Polonium 
210. Diese Abfälle bestehen u.a. aus Ablagerungen in Rohren sowie 
Filterschlämmen und entstehen vor allem bei der Förderung von Öl und 
Gas.

Für derart gefährlichen Sondermüll ist eigentlich die Entsorgung auf 
Deponien der Klasse III oder IV (Untertage) gesetzlich 
vorgeschrieben. Nach Auskunft des NRW-Umweltministeriums wurden 
besagte 4.111 Tonnen allerdings nicht auf einer Sondermüll-Deponie, 
sondern auf der "Zentraldeponie Altenberge" bei Münster, einer 
weniger stark gesicherten Deponie der Klasse II (Gewerbeabfälle), 
abgelagert. Absender des Mülls war eine Tochter des Energiekonzerns 
RWE. Nach Angaben des Umweltministeriums erfolgte die Einlagerung mit
Zustimmung der Bezirksregierung Münster. Die Quecksilberbelastung war
laut Analyse des Lieferanten unterhalb der Nachweisgrenze. 
Untersuchungen der Abfälle auf Radioaktivität seien nicht erfolgt.

Recherchen des WDR ergaben darüber hinaus, dass auch in diesem und im
kommenden Jahr größere Mengen Giftschlämme aus Niedersachsen nach 
Hürth gebracht werden könnten. Die in NRW ansässige Entsorgungsfirma 
Remondis bestätigte gegenüber dem WDR, dass sie im Auftrag des 
Erdölunternehmens GdF Suez an der Sanierung der Bohrschlammgrube 
"Erika" in Niedersachsen beteiligt ist. Laut NRW-Umweltministerium 
lagern dort rund 80.000 Kubikmeter giftiger Bohrschlämme. Da 
Niedersachsen über keine eigenen Sondermüll-Deponien verfügt, dürfte 
der größte Teil der Schlämme wie in früheren Fällen in andere 
Bundesländer verbracht werden. Die Sanierungsarbeiten haben in diesem
Jahr begonnen und sollen bis Ende 2017 dauern. GdF Suez rechnet nach 
eigenen Angaben mit täglich bis zu 30 LKW-Fuhren.

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Uwe-Jens Lindner
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