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Monitor: Bodewig-Berater: Transrapid-Projekte in Bayern und NRW unwirtschaftlich

    Köln (ots) - Erstmals kritisieren Berater von
Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig öffentlich die Machbarkeitsstudie
für die Magnetschwebebahnen in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Dies
berichtet das ARD-Magazin "MONITOR" (am 14. Februar um 20.15 Uhr im
Ersten). Laut dem Verkehrs- und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Gerd
Aberle (Uni Gießen) sind die Ergebnisse für beide Strecken durch
Reisezeitgewinne der Fahrgäste gegenüber Auto oder Zug schöngerechnet
worden. Solche Reisezeitgewinne seien wirtschaftlich nicht bewertbar,
so das Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim
Bundesverkehrsminister. Tatsächlich seien bei beiden Projekten die
Kosten höher als der wirtschaftliche Nutzen.
    
    Verkehrsminister Bodewig hatte bei der Präsentation der
Machbarkeitsstudie betont, der wirtschaftliche Nutzen überwiege die
Kosten bei beiden Projekte um den Faktor 1,5. In der Studie wurden
hierfür u.a. Beschäftigungseffekte, Einsparungen im Straßen- und
Schienenverkehr sowie enorme Reisezeitgewinne eingerechnet.
Reisezeitgewinne seien jedoch, so Aberle, auf kürzeren Strecken
volkswirtschaftlich bedeutungslos. Rechne man sie richtigerweise
heraus, liege das Nutzen-Kosten-Verhältnis für beide Projekte unter
0,7. "Damit", so Beiratsmitglied Aberle, "kippt die ganze Studie."
    
    Laut WDR-Recherchen befürchten auch andere Mitglieder des
wissenschaftlichen Beirats im Verkehrsministerium eine
milliarden-schwere Verschwendung von Staatsgeldern. So bemängelte der
Wirtschaftswissenschaftler Prof. Hans-Jürgen Ewers (TU Berlin) die
Studie bereits im Ansatz. Es sei versäumt worden zu prüfen, ob eine
Verbesserung des bestehenden ICE-Systems nicht viel wirtschaftlicher
wäre. "Das ist ein schwerer Mangel", kritisierte der Experte für
Verkehrs-, Forschungs- und Technologiepolitik gegenüber "MONITOR".
    
    Der Koalitionspartner in Berlin geht nach dieser Kritik an den
Transrapid-Projekten weiter auf Distanz. Der verkehrspolitische
Sprecher der Grünen, Albert Schmidt, erklärte, ohne eine neue,
überzeugendere Studie werde seine Partei der Finanzierung nicht
zustimmen: "In einer Zeit, wo man fürchten muss, `Blaue Briefe´ aus
Brüssel zu bekommen wegen der Neuverschuldung, sollte man mit den
Steuer-Milliarden hocheffizient umgehen." Aus dem
Bundesverkehrsministerium war noch keine Stellungnahme zu erhalten.
    
    
ots Originaltext: WDR
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