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WDR ändert Programm anlässlich des Todes von Filmemacher Harun Farocki

Köln (ots) - Der deutsche Filmemacher Harun Farocki gilt als Koryphäe im Dokumentarbereich. Er ist am 30. Juli 2014 im Alter von 70 Jahren gestorben. Aus diesem Anlass hat der WDR am 14. und am 15. August sein Programm geändert und zeigt zwei seiner Filme:

"Nicht ohne Risiko" am Donnerstag, 14. August um 23:15 Uhr

"Arbeiter verlassen die Fabrik" am Freitag, 15. August um 00:08 Uhr

Der ehemalige WDR-Redakteur Werner Dütsch hat rund 20 Produktionen des Filmemachers betreut. Er blickt zurück: Werner Dütsch zu Harun Farockis Tod Der WDR gedenkt des Filmemachers mit der Ausstrahlung zweier seiner Filme: "Arbeiter verlassen die Fabrik" (Found Footage) und "Nicht ohne Risiko" (neue dokumentarische Arbeit). Vielleicht sind beide Filme ja verschieden genug, um das Feld abzustecken, auf dem Farockis Arbeit stattgefunden hat. "Arbeiter verlassen die Fabrik": Der Schauplatz Fabriktor mit Szenen aus einem Jahrhundert Kino. Material für eine Montage, eine Reflexion über Arbeit, Industriealisierung, Klassenkampf und die Versäumnisse des Kinos. Farocki: "Man muss keine neuen, nie gesehenen Bilder suchen, aber man muss die vorhandenen Bilder in einer Weise bearbeiten, dass sie neu werden. Da gibt es verschiedene Wege. Mein Weg ist es, nach verschüttetem Sinn zu suchen und den Schutt, der auf den Bildern liegt, wegzuräumen." "Nicht ohne Risiko": Venture Capital (Risikokapital) und Private Equity (außerbörsliches Eigenkapital): zwei Parteien in höflich-zähen Verhandlungen. Die einen haben zu wenig Geld, die andere eine ganze Menge. Wie kommt das zusammen, wenn beide sich große Gewinne versprechen? Farocki hat dazu angemerkt, dass es reichlich Filme mit Geschlechtsverkehr gibt, sogar ein richtiges Filmgenre, obwohl doch jedermann weiß, wie das geht. Warum aber gab es nicht einen Film, in dem an einer einzigen Unternehmung genau zu sehen und zu hören ist, wovon wir alle abhängig sind: von Geld, Ökonomie, Spekulation. Beide Filme sind mit Mitteln des WDR produziert worden. Die Beziehungen des Senders zu Farocki aber waren nicht immer einvernehmlich. Es gab abgelehnte und nicht gesendete Beiträge. Und es gab es den Film, mit dem der Regisseur Jahre zugebracht hat, der außerordentliche Kritiken auf sich zog (die Farocki seinerseits ganz unbarmherzig kritisiert hat) und den der WDR nicht kaufen wollte - "Zwischen zwei Kriegen". An den Wänden der Filmredaktion fanden sich damals kleine Aufkleber: "Haben Sie diesen Film für das Kino oder für das Fernsehen gemacht? - Nein, dieser Film ist gegen das Kino und gegen das Fernsehen gemacht." Für großen Ärger hatten zuvor Farockis fernsehkritische Beiträge gesorgt. Eine Bilanz? Nahezu 30 Produktion wurden finanziert, koproduziert oder angekauft, beginnend 1969 mit Nicht löschbares Feuer, dem wohl wichtigsten und besten politischen Film jener Jahre. Rund 20 Mal war ich zuständig für eine Farocki-Produktion, auch bei "Arbeiter verlassen die Fabrik" und "Nicht ohne Risiko". Beide Filme mag ich sehr. Es ist gut zu wissen, dass sie jetzt zu sehen sind. Es ist schrecklich, dass Haruns Tod der Anlass ist.

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