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FIFA-Korruptions-Ermittler Michael Garcia will WM-Vergaben untersuchen und auch vor Präsident Blatter nicht halt machen

Köln (ots) - Der neue FIFA-Chefermittler Michael Garcia hat sich gegenüber der ARD-Sportschau (heute,18.00 Uhr) und dem WDR Hintergrundmagazin Sport Inside (Montag, 22.45 Uhr) erstmals zum Umfang und Inhalt seiner Aufgabe geäußert.

In seinem weltweit ersten ausführlichen Interview kündigte Garcia an, sich auch mit den Hintergründen der zuletzt öffentlich diskutierten WM-Vergaben an Russland, Katar und Deutschland und dem Bestechungsskandal um den ehemaligen Sportrechtevermarkter ISL zu beschäftigen. Die ISL hatte FIFA-Funktionäre mit Millionensummen bestochen, um Sportrechte zu erhalten. Wörtlich sagte Garcia gegenüber der ARD-Sportschau und Sport Inside: "Wenn Sie sich das anschauen, dann ist doch klar, dass es da was zu untersuchen gibt, und das werde ich tun."

Bei seinen Ermittlungen will der Anwalt, der früher als Bundesstaatsanwalt von New York Mafia-Größen und Wallstreet-Finanzbetrüger angeklagt hat, bei entsprechenden Erkenntnissen auch vor FIFA-Präsident Sepp Blatter nicht haltmachen. Angesprochen auf die Rolle und den Wissensstand von FIFA-Präsident Sepp Blatter im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen innerhalb der FIFA sage Garcia: "Je wichtiger die involvierte Person ist, umso wichtiger ist es, sie auch zu untersuchen."

Nach Informationen von ARD-Sportschau und Sport Inside ist Garcia für seine Aufgabe als Vorsitzender der Untersuchungskammer der FIFA-Ethikkommision aber nicht wie von der FIFA angekündigt vom einem unabhängigen Beratungsgremium, sondern aus FIFA-Kreisen vorgeschlagen worden. Dennoch bezeichnet Garcia, der als externer Anwalt von New York aus für den Weltfußballverband arbeitet, seinen Ermittlungsauftrag in der Sport Inside-Sendung als uneingeschränkt und sich selbst als unabhängig. "Es wird keine Einflussnahme auf mich als unabhängigen Ermittler geben. Dafür bin ich ja auch da, um Unabhängigkeit sicherzustellen. Dazu gibt es ja auch noch den unabhängigen externen Richter, der über meine Fälle entscheidet."

Der 51jährige Garcia war im Juli zusammen mit dem Münchner Juristen Hans-Joachim Eckert als Vorsitzendem Richter der Recht sprechenden Kammer der Ethikkommission der FIFA beauftragt worden, die Aufarbeitung von Misswirtschaft und Korruption innerhalb des Weltfußballverbandes voran zu treiben und das Image der FIFA im Rahmen eines von Präsident Blatter groß angekündigten Reformprozesses zu verbessern. Der Reformwille der FIFA wird aber nach ARD-Recherchen sogar von Mitgliedern des unabhängigen FIFA-Beratungsgremiums IGC angezweifelt, das der FIFA Reformvorschläge macht.

Der Mitbegründer der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International und ehemalige Ermittler im Watergate-Skandal, Michael Hershman, sagte gegenüber der ARD Sportschau und Sport Inside: "Keiner von uns ist voll überzeugt, dass der Reformprozess auch funktionieren wird. Wir alle haben diesen hohen Grad an Skepsis und Verdacht gegenüber der FIFA."

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Kristina Bausch
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