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Digitale Kommmunikationswege verändern Etikette
E-Mails angenehmer als Telefonanrufe

    Hannover (ots) - Der Einsatz digitaler Kommunikationsmittel wirkt
sich bereits auf die Etikette aus. Unangemeldete Anrufe gelten in der
US-Hightech-Branche mittlerweile als Belästigung, schreibt das
Computermagazin c't in seiner aktuellen Ausgabe 12/2000.
    
    Zwei Drittel aller US-Bürger ziehen Digitales jeder anderen
Zustellungsform vor und kommunizieren auch mit Freunden und
Verwandten lieber per E-Mail als per Telefon. Anderen fernmündlich
die eigene Zeit aufzuzwingen gilt zunehmend als unfein. Wenn man
genauso gut eine E-Mail schicken kann, sollte man deshalb niemanden
anrufen. E-Mails sind für den Empfänger auch angenehmer als Faxe, da
der Text problemlos weiterverarbeitet werden kann.
    
    Die Vielzahl neuer Techniken von Funktelefonaten über SMS, E-Mails
und Instant Messaging bis zum Chatten hat eine Verwirrung der
Verkehrsformen erzeugt. Doch das Fehlen sozialer Normen macht sich
bemerkbar. Weltweit formiert sich Widerstand gegen das
Kommunikationschaos.
    
    Ob Buchdruck oder Schreibmaschine, ob Telegraf oder Telefon: Jede
neue Kommunikationstechnik löst früher oder später Debatten um ihren
sozialen Gebrauch aus. So wie es zum Anfang des Buchdrucks einem
Affront glich, einem Mann von Stand ein gedrucktes Buch zu
offerieren, galt es Mitte der 90er in den USA noch als unfein,
Geburtstags- oder Festtagswünsche per E-Mail zu versenden.
Mittlerweile sind virtuelle Grüße jedoch völlig akzeptabel.
    
    Digitale Kommunikation verändert gleichzeitig das Verhalten der
Nutzer. Untersuchungen zeigen, dass Onliner jedweder Nationalität
dazu neigen, in ihren E-Mails direkter und aufrichtiger zu sein als
sonst im beruflichen und privaten Alltag. Wissenschaftler beobachten
eine Absenkung der Hemmschwelle, die dem Verhalten Maskierter im
Karneval gleicht. E-Mail erfordert jedoch wegen der Dauerhaftigkeit
ein größeres Maß an Vorsicht. Bereits in fünf Prozent aller
US-Verfahren werden E-Mails als Beweismittel herangezogen.
    
ots Originaltext: c't-Redaktion
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