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Staatssekretärin Widmann-Mauz: "Für Investitionen in Qualität ist unternehmerisches Risiko notwendig"/ Mehr Transparenz erforderlich

Berlin (ots) - "In Qualität zu investieren, birgt ein unternehmerisches Risiko. Dennoch erwarte ich es von allen Beteiligten im Gesundheitswesen: von Pharmaherstellern wie auch von Krankenkassen." Das unterstrich Annette Widmann-Mauz, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, in ihrer Rede auf der 3. Plattform Gesundheit des IKK e.V., der Interessenvertretung der Innungskrankenkassen auf Bundesebene, die gestern in Berlin stattfand. Unter der Überschrift "Die Qualitätsfrage - Opfer von Wettbewerb und Geldmangel?" diskutierten rund 150 Teilnehmer.

Widmann-Mauz stellte klar, dass Investitionen in Qualität seitens der Krankenkassen in den kommenden zwei Jahren "etwas schwierig" seien, weil die Verwaltungskosten gedeckelt würden. Diese Regelung müsse unter Umständen mit Blick auf den Versicherten in ihrer konkreten Formulierung noch einmal überdacht werden. Die CDU-Politikerin forderte zudem "mehr Transparenz über die Qualität als Grundlage für eine zukunftsgewandte Bezahlung von Leistungen." Zur Versachlichung der Diskussion kündigte die Staatssekretärin ein Gutachten an, dass das Gesundheitsministerium jetzt auf den Weg bringen will. Dort sollen nationale und internationale Erfahrungen für Bewertungen über Nutzen und Qualität zusammengetragen werden. "Qualität und Wettbewerb müssen nicht im Widerspruch stehen", so das Resümee der Staatssekretärin.

Auf mehr Transparenz verwies auch Hans-Jürgen Müller, Vorstandsvorsitzender des IKK e.V. "Nur so können wir die Qualität der Versorgung sichern", so Müller. Er zeigte sich überzeugt, dass mehr Wissen um die Qualität der Leistung für mehr Wettbewerb und mehr Wirtschaftlichkeit sorge.

"Qualität ist eine Win-Win-Situation", sagte Prof. Dr. Thomas Mansky, Leiter des Fachgebietes Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen an der TU Berlin, der ein selektives Kontrahieren mit den Besten forderte. Nach Aussage von Mansky muss sich die Qualität für Patienten auf das Ergebnis konzentrieren und nicht auf den Prozess. Mansky: "Beim Flugzeug interessiert uns auch nicht, wie es gebaut wurde, sondern dass wir sicher fliegen." Den zahlreichen Zertifizierungen in Sachen Qualität erteilte Mansky eine Absage. "Bei vielen Zertifizierungen dreht es sich nicht um die Qualität, sondern um die Sicherung des Stellenplanes", kritisierte der Professor. Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken e.V., verwies auf die anstehenden Bevölkerungsentwicklungen als Herausforderung für die Krankenhäuser. "Das wird das Thema der Zukunft in allen Fragen sein", sagte er. "Wir haben kein System der Transparenz", stellte Wolf-Dietrich Trenner, Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss fest. Als Ursache sieht er die fehlende Vertrauensbasis zwischen Patienten und Leistungserbringern. "Natürlich können Patienten die Qualität beurteilen", betonte Trenner.

Dr. Dr. Heinz Theo Giesen, Geschäftsbereichsleiter Verträge der Vereinigten IKK, berichtete, welchen Weg seine Krankenkasse gegangen ist, um die Qualität der Versorgung der Versicherten zu verbessern. Ein wichtiger Ansatz dabei ist gründliche Anamnese. Auch würde in seinen Verträgen festgelegt, die Therapietreue der Patienten zu verbessern. Patient und Arzt würden Ziele vereinbaren, wofür es einen Qualitätsbonus gebe. Doch Giesen verwies auch darauf: "Wir brauchen mehr Anreize für Qualität."

Dr. Rainer Hess, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschuss, sieht besondere Anforderungen an sektorübergreifende Qualität. Außerdem "wollen Patienten nicht die Information über die hundert besten Ärzte, sondern Informationen über die Qualität der Kliniken in ihrer Nähe".

Dr. Willi Oggier, Schweizer Gesundheitsökonom, benannte drei Punkte für eine hochwertige medizinische Versorgung: Qualität sollte Unterversorgung vermeiden und die Herausforderungen der Zukunft meistern. Es fehlen aus seiner Sicht Studien zur Versorgung von multimorbiden Patienten. Wichtig bei der Frage der Qualität sei vor allem Vertrauen. Dies sei für ihn ausschlaggebender und wichtiger als "die technische Qualität, wie Zahlen und Daten". Oggier: "Was die Schweizer zu datenfeindlich sind, sind die Deutschen zu datenfreundlich". Seine Forderung ist, dass die Krankenversicherungen Informationen preisgeben sollten, wo Ärzte und ihre Angehörigen sich behandeln lassen. Das sage viel über Qualität aus.

"Vertrauen schaffen wir durch Transparenz", betonte Dr. Axel Munte, Vorstandsvorsitzender der KV Bayern. Es sei nicht sinnvoll, Qualitätsmaßstäbe von oben nach unten durchzureichen. Sie müssten von der Anwendungsbasis erarbeitet werden. Seine KV habe mittlerweile 17 Qualitätssicherungs-Programme für 20 Fachrichtungen auf den Weg gebracht. Im Mittelpunkt stünden nach Aussage von Munte, ob Medizingeräte brauchbar seien und regelmäßig gewartet würden. "Das sind Qualitätssicherungsmaßnahmen, die einfach sind", so Munte. Genug Geld im System sei nach seiner Einschätzung vorhanden. Das sieht auch Patientenvertreter Trenner so.

Qualität müsse das Thema Nummer eins für den Erhalt des künftigen Versorgungsniveaus sein, so fasste Rolf Stuppardt, Geschäftsführer des IKK e.V., die Diskussion zusammen. Dies gelte in besonderem Maße für die schnelle Integration wirklicher Innovationen. Dabei seien Transparenz und Vertrauen wichtige Voraussetzungen

Über den IKK e.V.:

Der IKK e.V. ist die Interessenvertretung von Innungskrankenkassen auf Bundesebene. Der Verein wurde 2008 gegründet mit dem Ziel, die Interessen seiner Mitglieder und deren mehr als 4,5 Millionen Versicherten gegenüber allen wesentlichen Beteiligten des Gesundheitswesens zu vertreten. Dem IKK e.V. gehören die BIG direkt gesund, die IKK Brandenburg und Berlin, die IKK classic, die IKK gesund plus sowie die Vereinigte IKK an.

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