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Kölnische Rundschau: Kommentar: Sandro Schmidt zur türkischen Offensive in Syrien¶

Köln (ots) - Kurswechsel

Die Türkei hat im komplizierten Bündnisgeflecht des syrischen Bürgerkriegs die Seiten gewechselt. Galt in der Vergangenheit der Sturz des Machthabers Baschar al-Assad als eines der wesentlichen Ziele Ankaras, der Islamische Staat hingegen als heimlicher, aber willkommener Bundesgenosse im Kampf gegen Damaskus und die syrischen Kurden, so scheint der Verbleib des syrischen Präsidenten spätestens nach den IS-gesteuerten Terroranschlägen in der Türkei nun als das kleinere Übel angesehen zu werden. Die Operation "Schutzschild Euphrat" in der syrischen Grenzstadt Dscharablus wendet sich einmal gegen eine der letzten großen Bastionen des IS an der Grenze zur Türkei, über die lange Zeit ein wesentlicher Teil des Nachschubs nach Rakka, der IS-Hauptstadt in Syrien, lief. Ankara versucht, die Islamisten von der eigenen Staatsgrenze zu vertreiben und zugleich zu verhindern, dass die von syrischen Kurden beherrschten Gebiete westlich und östlich des IS-Gebiets zusammenwachsen. Ein zusammenhängendes Territorium syrischer Kurden im Anschluss an das türkische Kurdengebiet ist der ultimative Albtraum Ankaras. Der Besuch des US-Vizepräsidenten Joe Biden in der Türkei, der geheimdienstliche und gar militärische Unterstützung anbot, deutet auf eine Vereinbarung hinter den Kulissen hin: Die Kurdenmilizen, "Washingtons Bodentruppen" im Kampf gegen den IS, und die türkische Armee sollen sich bei der Bekämpfung des gemeinsamen Feindes nicht in die Quere kommen. Ob dieser fragile Pakt jedoch lange Bestand hat, ist zu bezweifeln.

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