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Kölnische Rundschau: zu Bahnchef Mehdorn

    Köln (ots) - Der Stern von Bahnchef Hartmut Mehdorn sinkt rapide: Brüchige ICE-Achsen, eingeführte und kurz später wieder kassierte Schaltergebühr, umstrittene Berufung des Gewerkschafts-Chefs Norbert Hansen zum Personalvorstand, Bonus-Affäre - eine glückliche Hand hat Mehdorn schon lange nicht mehr. Und noch seltener präsentierte er der Öffentlichkeit plausible Erklärungen für Vorgänge im Staatskonzern. Sein Rücktritt wurde so bei fast jedem Missgriff gefordert. Doch so eng wie in der Datenaffäre war es für den Bahnchef noch nie. Einem Politiker nach dem anderen reißt der Geduldsfaden. Und bislang hat niemand von politischem Gewicht die Hand zu Mehdorns Unterstützung gehoben. Unterstützern hat Mehdorn es aber auch denkbar schwer gemacht. Erst auf massiven öffentlichen Druck räumte er Fehler ein. Und als er sich dann endlich halbherzig zu der dringend nötigen Entschuldigung an seine Mitarbeiter durchrang, da musste er kurz Zeit später bereits eine weitere Verfehlung des Unternehmens einräumen, weil die Aufklärung der Affäre nur quälend langsam vorankommt. Wohlgemerkt: Mehdorn hat durchaus seine Verdienste. Mit harter Hand sanierte er den Staatskonzern. Jetzt wirft er so sogar hohe Gewinne ab, dass ohne die Finanzmarktkrise wohl der Börsengang der Bahn geglückt wäre. Aber ein wiederholter Datenabgleich, der 173000 Mitarbeiter - vom Schaffner bis zur Führungskraft - unter Generalverdacht stellt, das offenbart gegenüber Mitarbeitern und der Politik einen derartigen Mangel an Gespür, dass er als Leiter eines Staatskonzerns untragbar ist. Der Bund sollte den Bahnchef auswechseln. Kein dringender Sanierungsbedarf, kein Tarifstreit, kein naher Börsengang - jetzt ist die richtige Zeit dafür. Die Bahn muss vielmehr das Vertrauen der Mitarbeiter wiedererlangen und das ramponierte Image in der Öffentlichkeit aufpolieren. Und für diese Aufgabe ist Mehdorn mit Sicherheit nicht der richtige Mann.

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