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Kölnische Rundschau: Kölnische rundschau Kommentar zu Clement

    Köln (ots) - Auch sich geschadet

    CLAUDIA LEPPING, Berlin, zu Clements Parteiaustritt

    Die Diva geht. Wolfgang Cle ment verlässt die SPD. War um erst jetzt? Die Frage ist an gemessen. Über Monate hat der frühere Bundeswirtschafts minister seiner Partei zugesetzt - das ist zwar sein gutes Recht. Denn wer mit der politischen Grundausrichtung nicht einver standen ist, muss sich einmi schen und für eine Mehrheit für seinen Gegenentwurf kämpfen. So berechtigt Clement im Grunde den Linksdrall der SPD kritisiert hat, so sehr hat er sich dabei von größtmöglicher Stur heit und Eitelkeit lenken lassen, als er im Wahlkampf zur Nichtwahl seiner Parteifreundin Ypsilanti aufrief. Dafür hat er tatsächlich eine Rüge verdient; dafür darf er nicht mit einem Freispruch der Schiedskommission rechnen.

    Dass er die Rüge der Partei we gen seiner Wahlkampf-Attacke auf Andrea Ypsilanti als persön liche Niederlage empfindet, die den Verbleib in der SPD un möglich macht, zeugt nur von seinem Starrsinn - und genau der hätte ihn angesichts der in haltlichen Auseinandersetzung eigentlich schon vor Monaten veranlassen müssen hinzuwer fen. Stattdessen Theatralik am Tag danach.

    Letztlich jedoch schadet sich Clement nur selbst. Indem er den Schiedsspruch eines autar ken Gremiums nicht anerkennt, erhebt er sich selbst zum Rich ter - Clement lässt nur sein ei genes Urteil zu. Er würdigt nicht einmal, dass sich auch seine Partei diesem Schieds verfahren unterworfen hat, um ihm in aller Korrektheit und Prinzipientreue eine goldene Brücke zu bauen. Selbst seinen Weggefährten Franz Müntefe ring, nach eigenem Bekunden ein Freund, hat er desavouiert, indem er den Kompromiss nicht akzeptiert, den der Par teichef zu seinem Gunsten mitausverhandelt hat.

    Dabei ist Clement tatsächlich wichtig für die SPD. Der pragmatische, wirtschafts freundliche Parteiflügel verliert einen Kämpfer, der sich furcht los gegen den Linkskurs stemmte und sogar ohne Amt relevant war im Richtungs streits der Sozialdemokratie. Einer weniger also, der die SPD zwingen könnte, ihre Haltung gegenüber der Linkspartei ehr lich zu klären. Schwer zu glau ben, dass Clement auch noch ohne Parteibuch für solche Ant worten relevant sein kann. Ob er bereits bereut - oder ob ihm tatsächlich schon gleichgültig ist, was aus der Sozialdemo kratie wird?

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