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Das Geheimnis des goldenen Sarges

    Hamburg (ots) -

    NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND: Gehörte der berühmte goldene Sarg dem Pharao Echnaton? Neueste Erkenntnisse aus München stellen bisherige Forschungsergebnisse in Frage

    Es ist eines der größten Geheimnisse des alten
Ägypten: Wem gehörte der goldene Sarg aus Grab 55? Im Jahr 1907
entdeckten der Amerikaner Theodore Monroe Davis und sein Team den
3400 Jahre alten Sarkophag im Tal der Könige - seither rätseln die
Forscher über seine Herkunft. Jetzt glauben Münchner Wissenschaftler
sicher zu sein: Es handelt sich um den Sarg des legendären Pharaos
Echnaton, in dem aber sein Nach-Nachfolger Semenchkare bestattet
wurde. Das berichtet NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND in seiner
aktuellen Juni-Ausgabe.
    
    Zum ersten Mal hatten die Forscher des Staatlichen Museums
Ägyptischer Kunst Gelegenheit, den Deckel und die Überreste der lange
Zeit verschwundene Sargwanne eingehend zu untersuchen. Sie ließen das
Oberteil im Computertomographen des Klinikums Großhadern röntgen und
beauftragten Fachwissenschaftler, sein Holz und die Goldauflage zu
analysieren. Das Ergebnis stellt viele Forschungsergebnisse der
vergangenen Jahrzehnte in Frage.
    
    Es war ein Zufall, der Theodore Davis und seine Leute am 6. Januar
1907 zu Grab 55 führte. In seinem Innern stießen sie auf einen Sarg,
dessen goldene Gesichtsmaske wahrscheinlich schon in der Antike
brutal abgerissen worden war. In dem Sarkophag lag eine Mumie, die
bei Berührung weitgehend zerfiel. Nur die Knochen konnten geborgen
werden. Sie gehörten einem Mann, der vermutlich im Alter von 20 bis
25 Jahren gestorben war.
    
    Forscher in aller Welt beschäftigen sich seit bald 100 Jahren mit
dem Rätsel, wem der Sarg gehörte und wer tatsächlich in ihm bestattet
wurde. Der Sarkophag trägt die Insignien eines Königs: Krummstab,
Wedel und an der Stirn die Uräusschlange. Die Kombination der
Inschriften "Vollendeter Herrscher", "Erschienen mit der Weißen
Krone" und "Groß in seiner Lebenszeit" weist auf Echnaton hin. Erst
jetzt konnten die Münchner Wissenschaftler aber nachweisen, dass der
Sarg niemals umgearbeitet wurde, also tatsächlich für diesen
legendären Pharao angefertigt wurde. Barg er auch seinen Leichnam?
Die Münchner bezweifeln das. Ihrer Ansicht nach kann Echnaton, der
alte Glaubensvorstellungen verwarf und zum ersten Monotheisten der
Weltgeschichte wurde, nicht mit Mitte 20 gestorben sein. Die Forscher
des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst nehmen an, dass es sich bei
der Leiche um Echnatons wenig bekannten Nach-Nachfolger Semenchkare
handelte, der unerwartet starb und in einem provisorischen Notgrab
bestattet wurde.
    
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