Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT)

VPRT radio lounge: Die Zukunft von Radio ist multikanal und regional / "Zeit zum Handeln für eine radiospezifische Regulierung"

Berlin (ots) - "Radio braucht eine spezifische Betrachtung und muss fester Bestandteil der politischen Agenda sein. Es ist dringend Zeit zu handeln!" - mit diesem Appell begrüßte Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereiches Radio und Audiodienste im VPRT, die Besucher der 4. radio lounge des VPRT "Zukunft Privatradio", die am 10. Dezember 2015 in der Landesvertretung Hamburg in Berlin stattfand und in deren Fokus die aktuelle und zukünftige Entwicklung des Radios stand.

Schunk fasste die Position des VPRT zur Radiozukunft in einer konvergenten Welt zusammen: "Radio muss heute eine Vielzahl von Aufgaben erfüllen, die durch den digitalen Wandel und die dadurch veränderten Mediennutzungsgewohnheiten entstanden sind. Die Zukunft liegt in einer multikanalen Ausrichtung mit der Stärke von regionalen und lokalen Inhalten". Neben der steigenden Bedeutung von Abrufangeboten bleibe UKW als lineares Angebot für die Wertschöpfung der Veranstalter und als "kuratiertes" Angebot für die Hörer unverzichtbar. "Das Ziel von Radio muss es deshalb sein, analog weiter Hörer zu binden und digitale neue und vor allem jüngere Hörer zu gewinnen". Von der Politik forderte er gegenüber dem Privatradio eine Kultur des "Verstehens und Gehörtwerdens", nicht aber des "verordnen müssens". Dies bedeute insbesondere keine Beeinträchtigung des UKW-Geschäftsmodells durch eine Abschaltdebatte oder einseitige Fokussierung auf DAB. Weitere Punkte betreffen den chancengleichen Wettbewerb im dualen System sowie einen ordnungspolitischen Rahmen, der technikneutrale Multi-Empfangschips auf EU-Ebene beinhalte und "insbesondere den Zugang und die Auffindbarkeit für Radio auf digitalen und mobilen Plattformen sicherstellt".

Unter der Moderation von Torsten Zarges, Chefreporter von DWDL.de, diskutierten Dr. Carsten Brosda, Bevollmächtigter des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg für Medien, Andreas Fischer, Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), Uwe Conradt, MdL der CDU Saarland und Vorsitzender der Unter-AG Rundfunk des Netzwerkes "Medien und Regulierung" der CDU Deutschlands, und Gert Zimmer, CEO RTL Radio Deutschland, mit Gastgeber Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereiches Radio und Audiodienste im VPRT.

"Die Stärke von Radio als Medium der Meinungsbildung und der gesellschaftliche Diskussion müssen wir erhalten", stellte Dr. Carsten Brosda in seiner Begrüßung heraus. Radio müsse zukünftig in der Regulierung eigenständig berücksichtigt werden, allerdings nicht zwingend in einem eigenen Staatsvertrag. Der Public Value von Angeboten als Abgrenzungskriterium könnte zukünftig beispielsweise an dem Vorhalten einer Redaktion festgemacht werden. Daran könnten dann Regelungen für eine privilegierte Auffindbarkeit anknüpfen. Zu der Zukunft der technischen Übertragung von Radio betonte Brosda, dass es für den Übertragungsstandard DAB+ noch an ersichtlichen Mehrwerten für die Verbraucher fehle. Positiv äußerste Brosda sich bezogen auf eine Vereinheitlichung der Mediengesetze sowie bezogen auf eine Harmonisierung der Werbezeiten der ARD nach dem NDR-Modell, das allerdings Fragen des Senderfinanzausgleiches aufwerfe. Im Rahmen der Bund-Länder-AG seien zudem die wichtigen Fragen der Adblocker und der Mediaagenturen aufgerufen.

In seinem Beitrag "Radio und Online Audio im Werbemarkt: Positionierung, Chancen, Herausforderungen" betonte Florian Ruckert, Vorsitzender der Geschäftsführung der RMS, dass Radio tagsüber das reichweitenstärkste Medium in Deutschland sei, das den Hörer in verschiedenen Nutzungssituationen durch den Tag begleite. Damit biete Radio, so Ruckert, "perfekte Momente für die werbliche Ansprache". Bei der Verbesserung der Position von Radio im Mediamix spielten neue Techniken und Entwicklungen wie Connected Cars und smarte Endgeräte dem Medium wegen der exklusiven Nutzungssituationen in die Hände. Schon heute seien Werbungtreibende bereit, "deutlich mehr zu bezahlen", wenn sie etwa die Nutzer von Streamingabrufen - "die Generation Kopfhörer" - individuell ansprechen können. Es gelte, so Ruckert, "sich schnell zu bewegen, um vorne mit dabei zu sein".

"Welchen Herausforderungen muss sich Radio stellen und wie lauten die Antworten auf den sich verändernden Wettbewerb?" war das Thema der sich anschließenden Podiumsdiskussion.

Kurzfristiges Sparen sei jedenfalls nicht das probate Mittel, stellte Gert Zimmer klar. Stattdessen müssen die Anbieter "so regional und so lokal wie möglich bleiben sowie möglichst viele Synergien nutzen". Das würde zwar schon heute bereits betrieben, aber zu langsam und nicht nachhaltig genug, mahnte Zimmer. Seine These: "Konsolidierung ist das einzige Mittel, mit der wir die Zukunft des Hörfunks nachhaltig sicherstellen können. Dieses Thema steht auf der Agenda an erster Stelle." Gert Zimmer betonte die Bedeutung neuer digitaler Empfangsmöglichkeiten wie das Smartphone: "Das Smartphone wird Dreh- und Angelpunkt des Medienkonsums. Wenn man dort nicht vorhanden ist, dann ist man irrelevant und verzichtbar. Wir müssen also überlegen, wie wir über lineare Angebote hinaus dort vorkommen."

Deutliche Worte fand Uwe Conradt: "Wenn Napster und Spotify die Zukunft des Radios wären, wär es eine arme Zukunft. Denn dann hätte Radio keine Funktion mehr." Die Funktion des Rundfunks in der freiheitlich demokratischen Grundordnung sei eine andere. "Wenn wir wollen, dass Menschen informiert sind, vor Wahlen und über die Themen vor Ort, dann gibt es neben der Zeitung nur ein Massenmedium, das tagsüber alle erreicht, und das sei Radio."

Andreas Fischer, Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), stellte den am 1. November gestarteten Modellversuch der NLM vor. Es ginge darum, technisch zu ermitteln, ob und wie die beim UKW-Radio übliche Lokalisierungspraxis in den digitalen Rundfunk DAB+ überführt werden kann. 12 Regionen und 25 Standorte nehmen daran teil. Man wolle den Rahmen klären, innerhalb dessen die Radioanbieter über ihr digitales Engagement entscheiden, sagte Fischer.

Zur weiteren Information finden Sie das Positionspapier des VPRT "Die Radiozukunft in einer konvergenten Welt - 2030 ff." unter www.vprt.de/zukunft-hoerfunk

Über den VPRT:

Der VPRT ist die Interessenvertretung der privaten Rundfunk- und Telemedienunternehmen. Mit ihren TV-, Radio-, Online- und Mobileangeboten bereichern seine rund 140 Mitglieder Deutschlands Medienlandschaft durch Vielfalt, Kreativität und Innovation. Damit das auch in der digitalen Welt so bleibt, müssen die regulatorischen, technologischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Als Wirtschaftsverband unterstützen wir unsere Unternehmen im Dialog mit Politik und Marktpartnern beim Erreichen dieses Ziels - national und auf EU-Ebene.

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