Bundesagentur für Arbeit (BA)

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Juli 2001
Abkühlung belastet weiterhin den Arbeitsmarkt - Teil 4 von 10

    Nürnberg (ots) - Die nach wie vor beträchtliche Differenz zwischen gemeldeten Ausbildungsstellen und gemeldeten Bewerbern einerseits sowie zwischen noch unbesetzten Ausbildungsplätzen und noch nicht vermittelten Bewerbern andererseits heißt nicht, dass in dieser Größenordnung jetzt oder später Lehrstellen fehlen. Denn diese Lücken sind regelmäßig auch in den Sommermonaten noch beträchtlich und verringern sich zum Ende des Berufsberatungsjahres stark (vgl. Kasten "Hinweise zum Verständnis ..."). Aus der bisherigen Entwicklung lässt sich abschätzen, dass zum Ende des Berufsberatungsjahres bundesweit ein rechnerischer Ausgleich von gemeldeten Ausbildungsstellen und Bewerbern wohl möglich sein wird.          Bestand, Zugang und Laufzeiten von Stellen grundsätzlich betrachtet          Der Bestand der den Arbeitsämtern gemeldeten Stellen hat von 1997 bis Ende letzten Jahres beträchtlich zugenommen; seitdem geht er wieder zurück. So waren im Jahr 2000 bundesweit durchschnittlich 514.000 Positionen registriert, das waren 13 Prozent mehr als 1999 und 52 Prozent mehr als 1997. Das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot, das auch die den Arbeitsämtern nicht gemeldeten Offerten einschließt, ist im gleichen Zeitraum - nach Ergebnissen einer regelmäßigen Erhebung im Auftrag des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) jeweils im vierten Quartal - noch stärker gewachsen, nämlich um 25 Prozent bzw. 80 Prozent auf 1,46 Mio. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Arbeitslosen um 5 Prozent bzw. 11 Prozent auf 3,89 Mio verringert. Entsprechend verbesserte sich das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen spürbar: Während 1997 einer gemeldeten Stelle 13 Arbeitslose gegenüberstanden, waren es im Jahr 2000 noch 8. Berechnet mit dem gesamten Stellenangebot veränderte sich diese Relation von 1 zu 5 auf 1 zu 3. Allerdings hat sich diese Entwicklung im Zuge der konjunkturellen Abschwächung in letzter Zeit nicht mehr fortgesetzt; saisonbereinigt nimmt der gemeldete Stellenbestand seit Dezember 2000 ab und die Arbeitslosigkeit zu. Ende Juli lag die Zahl der gemeldeten Positionen mit 522.000 um 6 Prozent unter der des Vorjahres.          Bei der Interpretation dieser Ergebnisse sind zwei Dinge zu beachten. Zum Einen bedeutet ein Bestand an noch nicht besetzten Stellen nicht, dass die Zahl der Beschäftigten in jedem Fall in gleichem Ausmaß höher sein könnte. Denn ein großer Teil der Stellen ist nicht sofort, sondern erst später zu besetzen; nach Ergebnissen der letzten IAB-Befragung im Herbst 2000 belief sich dieser Anteil an allen Angeboten auf 27 Prozent und an den gemeldeten auf 14 Prozent. Außerdem ist die Summe der Stellenangebote von einzelnen Betrieben nicht unbedingt zusätzliche Nachfrage der Gesamtwirtschaft. Dabei handelt es sich zur Hälfte um Ersatzbedarf; evtl. werden im Zusammenhang mit Einstellungen sogar Personen entlassen, sei es an gleicher oder an anderer Stelle desselben Betriebes oder in Konkurrenzbetrieben.          Zum Anderen ist der Bestand an Stellen - anders als man immer wieder hört - kein fester Block von Angeboten, die nicht besetzt werden können, im Gegenteil: Im Jahr 2000 sind bei den Arbeitsämtern 4,10 Mio Stellen eingegangen und 4,06 Mio wurden erledigt. Damit hat sich der gemeldete Stellenbestand von rd. einer halben Million etwa acht Mal umgeschlagen. 51 Prozent der Stellen (Ohne ABM- und traditionelle SAM-Stellen, Daueraufträge und Stellen im Job-Service-Bereich.) hatten eine (gemessene) Laufzeit von weniger als einem Monat und 80 Prozent von längstens drei Monaten; nur bei 5 Prozent dauerte es mehr als ein halbes Jahr. Im Durchschnitt betrug die (berechnete) Zeitspanne zwischen Zu- und Abgang aller Stellen 61/2 Wochen.          Der Bestand an Stellen ist also durch ein hohes Maß an Bewegung charakterisiert. Grundsätzlich gilt: Je mehr Stellen den Arbeitsämtern gemeldet werden, desto größer ist der Stellenbestand, denn jedes einzelne Angebot schlägt sich für die Dauer seiner Laufzeit im Bestand nieder. Nur wenn es möglich wäre, jede Stelle im Augenblick ihres Zugangs zu besetzen, gäbe es nie einen Stellenbestand. Das ist aber faktisch unmöglich, denn das Zusammenführen von Bewerbern und Stellen und die Entscheidungen von Betrieben und Bewerbern brauchen Zeit, und zwar vor allem bei höherqualifizierten Tätigkeiten. Darüber hinaus nehmen Stellenmeldungen und Laufzeiten im Konjunkturaufschwung mit steigendem Kräftebedarf regelmäßig zu und in Schwächephasen eher ab.          Die Zunahme des Stellenbestands kann somit zwei Ursachen haben: Mehr Stellenmeldungen und/oder längere Laufzeiten. Beide Faktoren haben Ende der 90er Jahre eine Rolle gespielt. So sind die Stellenzugänge von 1997 bis 2000 um insgesamt 25 Prozent (auf 4,1 Mio) gestiegen, gleichzeitig hat sich die durchschnittliche (berechnete) Laufzeit um 20 Prozent auf 61/2 Wochen erhöht.

    Teil 5 folgt

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