Bundesagentur für Arbeit (BA)

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Mai 2001
Der Arbeitsmarkt kommt nicht voran - Teil 9 von 9

    Nürnberg (ots) -

    2) (Infolge der Berliner Verwaltungsbezirksreform ist mit Wirkung
vom 1.4.2001 eine Geschäftsstelle, die dem Bundesgebiet Ost
zugeordnet war, einem "West-Arbeitsamt" zugeschlagen worden. Damit
werden Vormonats- und Vorjahresvergleiche von Ergebnissen der
Geschäftsstatistik für das Bundesgebiet West und das Bundesgebiet
Ost, die hinter den April 2001 zurückgehen, eingeschränkt. Infolge
der Neuabgrenzung hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Bundesgebiet
West gegenüber März um 12.600 oder 0,5 Prozent erhöht, im Osten um
0,9 Prozent verringert)
    
    Hinweise zum Verständnis der Berufsberatungsstatistik der
Bundesanstalt für Arbeit
    
    Die Berufsberatungsstatistik ist die einzige monatlich verfügbare
Erhebung von Vorgängen auf beiden Seiten des
Ausbildungsstellenmarktes. Die Daten liegen in tiefer
berufsfachlicher und regionaler Gliederung vor und werden seit Jahren
nahezu unverändert erhoben. Somit lassen sich lange Zeitreihen
bilden, die Aufschluss über strukturelle Veränderungen am
Ausbildungsstellenmarkt geben. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die
Daten aus Geschäftsvorfällen der Bundesanstalt für Arbeit gewonnen
werden und die Inanspruchnahme der Dienste der Berufsberatung durch
Betriebe und Jugendliche freiwillig ist.
    
    Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass die gemeldeten
Ausbildungsstellen und gemeldeten Bewerber den
Ausbildungsstellenmarkt, gemessen am Gesamtangebot (bis zum 30.
September abgeschlossene Ausbildungsverträge zuzüglich der bei den
Arbeitsämtern zum 30. September gemeldeten, noch unbesetzten
Ausbildungsstellen) und an der Gesamtnachfrage (bis zum 30. September
abgeschlossene Ausbildungsverträge zuzüglich der bei den
Arbeitsämtern zum 30. September gemeldeten, noch nicht vermittelten
Bewerber um Ausbildungsstellen) zwar i.d.R. zu mehr als 90 Prozent
abbilden (Einschaltungsgrad), aber dennoch nicht vollständig. Denn
ein nicht quantifizierbarer Teil der freiwilligen Inanspruchnahme
durch Betriebe und Jugendliche richtet sich nach den jeweiligen
Verhältnissen auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Bei wachsendem
Nachfrageüberhang schalten Ausbildungsbetriebe die Berufsberatung
seltener und später, Jugendliche häufiger und früher ein. Bei einem
Angebotsüberhang verhält es sich umgekehrt. Daher sind Schlüsse auf
die absoluten Zahlen von Gesamtangebot und Gesamtnachfrage nicht
möglich.
    
    Aus der Entwicklung der rechnerischen Differenz zwischen
gemeldeten noch nicht vermittelten Bewerbern und gemeldeten
unbesetzten Stellen ("Lücke") lässt sich aber schließen, ob der
Ausbildungsstellenmarkt insgesamt enger oder entspannter wird. Im
Vergleich zum Vorjahr wachsende "Lücken" deuten recht zuverlässig auf
einen enger werdenden, schrumpfenden "Lücken" auf einen sich
entspannenden Ausbildungsstellenmarkt hin. Diese Vorausschätzungen
können sich aber nur auf das relative Gefüge von Gesamtangebot und
Gesamtnachfrage beziehen. Anhand des absoluten Umfangs der "Lücke"
lässt sich auch abschätzen, wie viele Lehrstellen zum Ausgleich von
Angebot und Nachfrage am Ende des Berichtsjahres (30. September)
fehlen werden. Auch dabei kommt der Entwicklung der "Lücke" im
Vergleich zum Vorjahr besondere Bedeutung zu.
    
    Dagegen sagt der absolute Umfang der "Lücke", der während des
laufenden Berichtsjahres errechnet wird, als solcher nichts über die
Größe eines evtl. Defizits an Ausbildungsstellen aus. Denn im
Gegensatz zum Arbeitsmarkt ist der Ausbildungsstellenmarkt nicht auf
einen umgehenden Ausgleich von Angebot und Nachfrage gerichtet.
Vielmehr orientieren sich Jugendliche und Betriebe am regulären
Beginn der Ausbildungen im August und September und entscheiden sich
häufig erst dann. Deshalb ist die "Lücke" im Frühjahr zwangsläufig
noch sehr groß und nimmt erst zum Ende des Vermittlungsjahres
deutlich ab. Verstärkt wird dies durch das erwähnte marktabhängige
Meldeverhalten von Betrieben und Jugendlichen. Die "Lücke" im Laufe
des Berichtsjahres mit der Zahl der am Ende des Vermittlungsjahres
voraussichtlich fehlenden Ausbildungsplätze gleichzusetzen, ist also
nicht sachgerecht.
    
    Die Vermittlungsbemühungen der Berufsberatung für unvermittelte
Bewerber werden auch nach Ende des Berichtsjahres fort gesetzt. Viele
neue Ausbildungsangebote ergeben sich erst nach dem 30. September,
sei es durch gezielte Sonderprogramme oder durch wieder freigewordene
Ausbildungsplätze infolge nicht angetretener oder frühzeitig
abgebrochener Ausbildungsverhältnisse.
    
    Manche Bewerber, die zunächst ausschließlich oder vorrangig eine
betriebliche Ausbildung anstreben, schlagen letztlich andere Wege
ein. Selbst in Zeiten für Bewerber günstiger
Ausbildungsplatzsituation ist dies der Fall. Mangelt es an passenden
Ausbildungsplätzen, weicht verständlicherweise ein wachsender Teil
der Bewerber auf Ersatzlösungen aus. Eindeutige Zuordnungen und
qualitative Differenzierungen nach den Ursachen für den alternativen
Verbleib sind mit statistischen Mitteln derzeit nicht möglich.
    
    Trotz schwieriger Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt kann
ein Teil der Ausbildungsstellen nicht besetzt werden, weil Angebot
und Nachfrage in berufsfachlicher, regionaler oder
qualifikationsspezifischer Sicht divergieren. Auch infrastrukturelle
Schwierigkeiten, insbesondere ungünstige Verkehrsbedingungen, spielen
eine Rolle. Hinzu kommen Vorbehalte seitens der Jugendlichen
gegenüber Betrieben oder Branchen, aber auch Einstellungsverzichte
von Betrieben mangels, aus ihrer Sicht, geeigneter Bewerber. Z.T.
treten Jugendliche die ihnen zugesagte Lehrstelle aber auch nicht an,
noch sagen sie rechtzeitig ab. Einige Betriebe finden dann nicht
rechtzeitig einen passenden Nachfolger.
    
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