ARD Das Erste

"Menschen bei Maischberger" am Dienstag, 10. November 2015, um 22:45 Uhr

München (ots) - Das geplante Thema:

Merkels Flüchtlingspolitik: Scheitert die Kanzlerin?

Sie galt im zehnten Jahr ihrer Kanzlerschaft als unangefochten: Noch im April zeigten sich 75 Prozent der Deutschen zufrieden mit der Arbeit von Angela Merkel. Jetzt sind es weniger als die Hälfte der im ARD-Deutschlandtrend Befragten - ein dramatischer Absturz. Ist der Nimbus der souveränen Kanzlerin, die unaufgeregt nach politischen Lösungen sucht, dahin? Hat sie in der Flüchtlingskrise ihren Instinkt für das politisch Machbare verloren?

Gäste:

Armin Laschet, CDU (Stellv. Parteivorsitzender) Hans-Hermann Tiedje (Journalist und Politikberater) Hans-Ulrich Jörges ("stern"-Chefredaktion) Barbara Kappel, FPÖ (Österreichische Europaabgeordnete)

Armin Laschet

Der nordrhein-westfälische CDU-Chef unterstützt Angela Merkels Haltung in der Flüchtlingsfrage: "Jeder Politiker sollte an seine Arbeit herangehen mit dem Ziel 'Wir schaffen das'. Einer, der sagt, 'Ich schaffe es nicht', kann sich eigentlich aus der Politik verabschieden." Trotz der gerade schwindenden Zustimmung für die Kanzlerin ist der CDU-Vize sich sicher, "dass Angela Merkel die Probleme lösen kann. In einem halben Jahr wird man ganz anders über die Umfragewerte reden".

Hans-Hermann Tiedje

"Aus der 'mächtigsten Frau der Welt' wurde über Nacht eine internationale Bittstellerin", schrieb der ehemalige "Bild"-Chefredakteur jetzt in einem Gastkommentar der "Neuen Zürcher Zeitung". Die Bundeskanzlerin sei angezählt, die Stimmung kippe jeden Tag mehr. Merkel, die zehn Jahre die Politik dominiert habe, erweise sich als überfordert und blende die Realitäten aus. "Sie müsste zugeben, dass sie in der Flüchtlingskrise einen Fehler gemacht hat. Es wäre ihr politisches Ende, aber dieses rückt auch so näher", glaubt der ehemalige persönliche Berater Helmut Kohls - es herrsche "Merkeldämmerung".

Hans-Ulrich Jörges

Der Journalist ist voll des Lobes für die Kanzlerin: "'Wir schaffen das' war der richtige Satz zur rechten Zeit". Angela Merkel habe alle Klischees zerstört, die über sie im Umlauf waren: "Die Frau, die für nichts steht, die keine Ziele und Perspektive hat, die nur opportunistisch schaut, woher der Wind weht. Alles falsch." Sie sei eine Frau, "die unter höchstem politischen Risiko für das einsteht", was sie für richtig halte. Hans-Ulrich Jörges ist überzeugt, dass Deutschlands Möglichkeiten in der Flüchtlingsaufnahme längst nicht erschöpft seien.

Barbara Kappel

Die Wirtschaftspolitikerin kritisiert den europapolitischen Alleingang der deutschen Kanzlerin: "Frau Merkel hat mit ihrer Ankündigung, unbegrenzt Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen, einen gewaltigen Migrationssturm nach Europa ausgelöst." Sie hätte sich vorher mit den anderen EU-Mitgliedsstaaten abstimmen müssen, sagt Barbara Kappel, die 2014 ins Europaparlament gewählt wurde.

Redaktion: Klaus Michael Heinz (WDR) Im Internet unter www.DasErste.de/maischberger

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