ARD Das Erste

"Menschen bei Maischberger" am Dienstag, 21. Oktober 2014, um 22.45 Uhr

München (ots) - Das Thema:

Der Kreuzzug des "IS": Wird aus dem Glaubenskrieg ein Flächenbrand?

"Allahs gottlose Krieger" nannte der "Spiegel" sie kürzlich: Die Terrormilizen des "Islamischen Staats". Seit Monaten scheint die westliche Welt unfähig, den Vormarsch zu stoppen. Im Gegenteil: Radikalisierte Muslime aus Europa lassen sich vom "IS" rekrutieren. Unterstützer auf den Philippinen drohen deutschen Geiseln mit der Hinrichtung. Rächt sich das lange politische Zaudern? Und kann sich der Glaubenskrieg an der türkischen Grenze auf die Türkei und dann sogar weiter nach Europa ausweiten?

Gäste

Antonia Rados (Auslandskorrespondentin) Ulrich Kienzle (Nahostexperte) Katrin Göring-Eckardt (Fraktionsvorsitzende),B'90/Grüne) Günter Wallraff (Journalist) Kristiane Backer (Muslima und Moderatorin) Jakob Augstein (Chefredakteur "Der Freitag")

Antonia Rados

Vor wenigen Wochen reiste die RTL-Journalistin durch Syrien und den Nordirak. Sie traf dort Kämpfer und Gegner der Terrormiliz "Islamischer Staat": "Ich war überrascht, wie jung die Kämpfer waren. Die Hintermänner allerdings sind geübte Strategen und teilweise ehemalige Militärs von Saddam Hussein oder in Syrien des Assad-Regimes. Eine hochbrisante Mischung", analysiert Antonia Rados, die auch mit IS-Opfern wie einer Mutter sprach, deren Tochter von den Terroristen entführt und - wie sie fürchtet - "versklavt" wurde.

Ulrich Kienzle

Der frühere ARD-Korrespondent in Beirut warnt davor, den "IS" zu unterschätzen. "Zum ersten Mal haben Terroristen ein Staatsgebiet von der Größe Hessens und bauen dort staatliche Strukturen auf." Das sei eine historische Zäsur. "Der 'IS' ist eine größenwahnsinnige Truppe. Die sind blutrünstig und setzen ganz bewusst Morde als Propaganda ein", sagt der frühere ZDF-Moderator ("Frontal"). Der "IS" wolle mit High-Tech zurück ins 7. Jahrhundert. Das werde auch ein Problem in Deutschland werden.

Katrin Göring-Eckardt, B'90/Grüne

Ihre Forderung nach einer UN-Militärmission gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" unter Beteiligung der Bundeswehr hat der Grünen-Politikerin Kritik in der eigenen Partei eingebracht. Deutschland müsse bei den Vereinten Nationen initiativ werden und sich für "ein robustes Mandat" einsetzen. Der "IS" sei "nur militärisch zu bekämpfen", glaubt Katrin Göring-Eckardt. Es sei naiv zu glauben, Deutschland und Europa seien nicht bereits Teil dieses Konflikts. Günter Wallraff Seit seinem persönlichen Einsatz für den Schriftsteller Salman Rushdie, gegen den Ayatollah Chomeini vor 25 Jahren die Todesstrafe in Form einer Fatwa aussprach, warnt der Journalist vor den Gefahren eines wachsenden Islamismus, auch in der Türkei. 2003 appellierte er hellsichtig an den damaligen Präsidenten der USA, George W. Bush, keinen Krieg gegen den Irak zu führen: "Sie werden zwar militärisch den Krieg gewinnen, gleichzeitig aber den Islamisten Tür und Tor öffnen." Kristiane Backer "Islam bedeutet Frieden. Der Prophet fordert und predigt Gewaltfreiheit", sagt die frühere MTV-Moderatorin, die 1995 zum Islam konvertierte. Der so genannte "Islamische Staat" habe mit dem Islam nichts zu tun. "Als die IRA gemordet hat, hat auch kein Mensch das Christentum als 'schlecht' bezeichnet", meint Kristiane Backer, die sich für Verhandlungen und gegen ein militärisches Vorgehen ausspricht.

Jakob Augstein

Der Publizist warnt vor einer deutschen militärischen Beteiligung im Krieg gegen den "Islamischen Staat". "Wir haben uns zu Geiseln schrecklicher Bilder und starker Worte machen lassen. Politik im Zustand der Entrüstung ist gefährlich. Der Weg in den Krieg ist rutschig und führt abwärts", sagt der "Phönix"-Moderator ("Augstein und Blome"). Jetzt werde geradezu ein "Kampf gegen das Böse" ausgerufen.

Redaktion: Klaus Michael Heinz

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