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Kölner Stadt-Anzeiger: 15 Jahre nach dem 11. September Religionswissenschaftlerin warnt vor "Utopie der Unverwundbarkeit"

Köln (ots) - Köln. Zum 15. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New am 11. September 2001 hat die Würzburger Religionswissenschaftlerin Hildegund Keul davor gewarnt, die Verwundbarkeit einer Gesellschaft durch Scheinsicherheiten zu überspielen. "Wunden, die einem Staatskörper geschlagen werden, sind äußerst gefährlich. Sie sind mit Scham verbunden, die Wut freisetzt; mit Ohnmacht, die nach Rache ruft; mit Schmerz, der nach Unverwundbarkeit verlangt", schreibt die katholische Theologin im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag-Ausgabe). Verstärkte staatliche Abwehrmaßnahmen gegen den Terror hätten häufig den Sinn, dass "andere die gleiche Verwundung gewärtigen müssen, die eine Gesellschaft zuvor selbst erlitten hat". Dieser Umgang mit eigener Verwundbarkeit berge politische Sprengkraft. "Er schwächt nicht nur das gegenwärtige Leben, sondern schreibt sich in die zukünftige Gestaltung der Gesellschaft ein." Dem Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner, Donald Trump, warf Keul vor, auf eine Utopie der Unverwundbarkeit zu setzen. "Daran sind aber nicht nur Achilles und Siegfried in der Mythologie, sondern auch viele reale Diktatoren gescheitert." Wer ausschließlich darauf setze, die eigene Verwundbarkeit zu reduzieren, brauche immer engere Spitzelnetze, höhere Mauern und schärfere Waffen. "Dies erzeugt neue Opfer und setzt Gewaltspiralen in Gang, die niemand mehr im Griff hat." Das Christentum, zu dessen Gründungsgeschichte die Verwundbarkeit gehöre, stelle eine Alternative zu Abschottung, Militarisierung und Krieg bereit. Symbol dafür sei das Abendmahl. "Jesus rief nicht auf, zu den Waffen zu greifen und seinen bevorstehenden Tod zu rächen. Vielmehr lud er in einer von Gewalt bedrohten Situation dazu ein, Brot zu teilen, miteinander Wein zu trinken und auf das Leben zu setzen."

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