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Kölner Stadt-Anzeiger: Nach Brandanschlag auf Synagoge in Wuppertal: Charlotte Knobloch rät Juden in Deutschland, sich nicht mehr als Juden "erkennbar zu machen"

Köln (ots) - Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sieht jüdische Mitbürger zunehmend bedroht. Nach dem Brandbombenanschlag auf die Synagoge in Wuppertal und vorherigen gewalttägigen Übergriffen rät sie allen Juden in Deutschland, sich derzeit "nicht als Jude erkennbar zu machen". Das Risiko, Ziel eines Angriffs zu werden, sei sonst zu groß, sagte sie dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwochausgabe). Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist, betonte: "Was wir derzeit erleben, ist die kummervollste und bedrohlichste Zeit seit 1945. Bei uns stehen die Telefone nicht still, die Mail-Postfächer quellen über - wir sind konfrontiert mit Beleidigungen und Hassparolen. Dass Juden "in unserem Land wieder angegriffen und beleidigt werden, dürfen wir niemals akzeptieren. Spätestens wenn Synagogen brennen, ist es doch Zeit für alle Verantwortlichen zu fragen: Was müssen wir tun, um jüdische Mitbürger zu schützen!" Es sei auch nicht hinzunehmen, so Knobloch, dass die "hohen Güter der freien Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit dazu missbraucht werden, gegen Juden zu hetzen und zu Gewalt aufzurufen. Da wird auch der Nahostkonflikt missbraucht, um Judenhass auszuleben. Das ist radikaler Hass. Diesen gibt es, und das hätte ich mir nie vorstellen können, dass wir so etwas noch einmal in Deutschland erleben müssen." Sie fügte hinzu: "Die hemmungslose Judenhetze hat in unserem Land eine neue Qualität erreicht." Knobloch beklagte eine mangelnde Unterstützung für jüdische Mitbürger: "Ich bin zutiefst besorgt, weil so wenig aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Ich höre den Ruf nicht: Jetzt reicht's! Wir sehnen uns nach einer breiten Front des Widerstands gegen diese Judenhetze. Aber die breite Masse schweigt. Wer jetzt schweigt, bejaht was geschieht." Sie fordert die Bundesländer auf, die Sicherheitsmaßnahmen auf das höchste Niveau hinaufzuschrauben. Falls die Synagoge in Wuppertal nicht ausreichend geschützt gewesen sei, wäre dies sehr bedenklich.

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