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Kölner Stadt-Anzeiger: Historiker Wolfgang Benz sieht keinen wachsenden Antisemitismus - "Nicht jeder, der Mitleid mit Palästinensern hat, ist Antisemit"

Köln (ots) - Der Historiker und Antisemitismusforscher Wolfgang Benz sieht angesichts der jüngsten Demonstrationen gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen keinen wachsenden Antisemitismus in Deutschland. "Ich sehe überhaupt keine neue Qualität", sagte er in einem Interview des "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwoch-Ausgabe). "Nach meiner Information hat es antiisraelische Demonstrationen gegeben. Und in Berlin wurden am Rande einer antiisraelischen Demonstration antisemitische Parolen gerufen." Deshalb von antisemitischen Ausschreitungen in Deutschland zu sprechen, "halte ich für übertrieben",sagte der Antisemitismus-Experte. "Seltsame Leute" hätten "blödsinnige Parolen" gerufen, erklärte Benz. "Das wird von Interessenten mit großem Medienhall als Wiederaufflammen des Antisemitismus dargestellt, als sei es so schlimm wie nie zu vor." Benz fügte hinzu: "Natürlich gibt es in Deutschland Antisemitismus. Das ist beklagenswert. Aber es ist ein konstanter Bodensatz in der Gesellschaft und keineswegs eine Lawine, die größer und größer wird."

Zu beobachten sei hingegen, dass "die Stimmung gegenüber dem Staate Israel immer schlechter" werde, was wiederum seine Gründe habe. "Das ist kein Antisemitismus. Das wird aber von Aktivisten auf diesem Gebiet sehr gerne so dargestellt." Auch die israelische Regierung habe ein Interesse daran, "dass jede Kritik an ihren Handlungen als Antisemitismus verstanden wird. Aber nicht jeder, der den Gaza-Krieg missbilligt und Mitleid mit getöteten oder verletzten palästinensischen Zivilisten hat, ist deshalb ein Antisemit."

Der 73-Jährige war bis 2011 Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung.

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