Kölner Stadt-Anzeiger

Kölner Stadt-Anzeiger: Stimmen zum Rücktritt von Kardinal Meisner "Ära mit Licht und Schatten" (Hannelore Kraft) "Unnachahmlich" (Sylvia Löhrmann) "Fehlbesetzung" (Kabarettist Jürgen Becker)

Köln (ots) - Prominente aus Politik, Kirche und Gesellschaft haben im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag-Ausgabe) eine gemischte Bilanz der 25-jährigen Amtszeit des Kölner Erzbischofs, Kardinal Joachim Meisner, gezogen. Wie am Freitag in Köln und Rom bekanntgegeben wurde, hat Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch des 80-Jährigen angenommen.

Hannelore Kraft, SPD

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sprach von einer "Ära mit Licht und Schatten". Wer einem der bedeutendsten Bistümer weltweit vorstehe, dessen Stimme habe besonderes Gewicht, so die Düsseldorfer Regierungschefin. "Kardinal Meisner ist sich dieser Bedeutung stets bewusst gewesen. Er hat seine Stimme immer wieder deutlich erhoben - und damit auch heftigen Widerspruch ausgelöst. Zu einem ehrlichen Wort gehört, dass ich Positionen von Kardinal Meisner kritisch bewerte. Doch diesen Widerspruch hat er als streitbarer Geist akzeptiert."

Sylvia Löhrmann, Grüne

Krafts Stellvertreterin, Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), sagte, nicht nur die katholische Kirche im Rheinland, sondern das gesamte Land verliere mit Meisners Eintritt in den Ruhestand einen seiner konservativsten, streitbarsten Köpfe und einen leidenschaftlichen Theologen. "Seine Fähigkeit, Debatten zu beginnen und zu führen, ist unerreicht und wird zukünftig wohl keinen Nachahmer finden. Ohne ihn werden gesellschaftspolitische Diskussionen sicherlich ein Stück weit langweiliger, dafür aber zeitgemäßer werden", sagte die Politikerin, die auch dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angehört.

Armin Laschet, CDU

Der Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Armin Laschet nannte Meisner eine "eindrucksvolle Persönlichkeit", die es den Gläubigen seines Bistums nicht immer leicht gemacht habe. "Im Zweifelsfall gab er der Kardinaltugend der Tapferkeit den Vorzug vor der Mäßigung. Aber er brachte die heute oft vermisste Authentizität mit. Bei ihm weiß man immer, wofür er steht und woran man bei ihm ist." Kardinal Rainer Woelki, Erzbischof von Berlin Kardinal Rainer Woelki, früherer Kölner Weihbischof und als Erzbischof von Berlin Meisners Nachfolger, hob dessen "Standhaftigkeit und Unbestechlichkeit" als "Vorbild für viele in schwerer Zeit" hervor. Meisner habe Glaube und Kirche "kompromisslos innerhalb der Kirche wie auch gegen eine sich zunehmend säkularisierende Gesellschaft zu verteidigen versucht".

Nikolaus Schneider, EKD-Ratsvorsitzender Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, fand sehr persönliche Worte des Lobes für Meisner. "Er hat mir gezeigt, was Geschwisterlichkeit in Christus bedeutet." Beide hätten einander "in schweren Zeiten Trost zugesprochen", sagte Schneider und dankte Meisner "für seine brüderliche Nähe".

Alois Glück, ZdK-Präsident

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück bezeichnete Meisner wegen seiner Verbindungen nach Rom als einflussreichsten Bischof der katholischen Kirche in Deutschland. Das habe sich besonders an personalpolitischen Entscheidungen gezeigt. "Die Arbeit des ZdK hat er immer sehr kritisch bewertet. Unabhängig davon habe ich großen Respekt vor seinem Einsatz für den Glauben und die Kirche und vor seinem Mut, seine Positionen auch im Konflikt zu vertreten."

Jürgen Becker, Kabarettist

Der Kabarettist Jürgen Becker nannte Meisner eine "Fehlbesetzung", die sich die katholische Kirche "nicht noch einmal leisten" könne. Für die Kabarettförderung hingegen sei Meisner ein Gewinn gewesen: "Wo ein kluger, menschenfreundlicher, freier und fortschrittlicher Geist weht, hat es das Kabarett naturgemäß schwer. Insofern war Kardinal Meisner ein Gottesgeschenk für Satire, Humor und Zeitkritik."

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