Kölner Stadt-Anzeiger: Kölner Stadt-Anzeiger: Gänswein soll Kardinal Meisner der Lüge bezichtigt haben

Köln (ots) - Der Sekretär von Papst Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein, soll den Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, der Lüge bezichtigt haben. Das berichtet der Osnabrücker Sozialethiker Manfred Spieker im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwochsausgabe). Spieker sagt, er habe am 14. Februar eine E-Mail von Gänswein erhalten, in der dieser schrieb, es sei "nicht wahr", dass Meisner ihn angerufen und mit ihm über seine Stellungnahme zur "Pille danach" gesprochen habe. Dies sei "zu dementieren". Der Kölner Erzbischof hatte zuvor im "Kölner Stadt-Anzeiger" gesagt, er habe nach seinem überraschenden Vorstoß, die "Pille danach" nach einer Vergewaltigung als Verhütungsmittel für ethisch vertretbar zu erklären, Gänswein telefonisch informiert. Dieser habe gesagt: "Der Papst weiß Bescheid. Es ist alles in Ordnung." Spieker, ein Protagonist der so genannten "Lebensschutz"-Bewegung, war auf Anfrage nicht bereit, dem "Kölner Stadt-Anzeiger" Gänsweins angebliche E-Mail zur Verfügung zu stellen, zitierte aber im Gespräch daraus. Er betonte, dem Sekretär des Papstes zuvor die entsprechende Passage aus dem Meisner-Interview vom 12. Februar geschickt zu haben. Es sei davon auszugehen, sagte der Osnabrücker Wissenschaftler, dass weder die Glaubenskongregation noch die Päpstliche Akademie für das Leben amtlich mit der Erklärung von Kardinal Meisner befasst gewesen seien, sondern dass nur telefonisch oder elektronisch ein schnelles Okay für die Erklärung des Kardinals eingeholt worden sei. Meisner hatte im KStA-Interview die Abstimmung seiner Erklärung mit den römischen Institutionen hervorgehoben. Kardinal Meisners Sprecher Christoph Heckeley bekräftigte, dass Meisners Erklärung "intensiv" mit der Akademie für das Leben und der Glaubenskongregation besprochen worden sei. Er wies aber auf ein mögliches Missverständnis von Meisners Aussagen hin. Der Kardinal habe nicht behauptet, Gänswein oder den Papst vorab über seinen Vorstoß in Kenntnis gesetzt zu haben, sondern erst nach der Veröffentlichung seiner Erklärung. Meisners Kehrtwende in der moralischen Beurteilung der "Pille danach" war eine Reaktion auf den Kölner Klinikenskandal. Im Dezember verweigerten zwei katholische Krankenhäuser einer vergewaltigten Frau die Behandlung, weil sie fürchteten, sonst auch über die "Pille danach" beraten zu müssen, deren Verschreibung in katholischen Häusern zum damaligen Zeitpunkt strikt untersagt war.

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