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RNZ: Großer Knall - Kommentar zu Korea

Heidelberg (ots) - Von Christian Altmeier

Der Umgang mit Nordkorea ähnelt einem Ritt auf der Rasierklinge. Ein Einlenken oder gar eine Entschuldigung Pjöngjangs - wie von Südkorea gefordert - dürfte wohl niemand ernsthaft erwarten. Im besten Fall kann es durch Sanktionen und eine scharfe internationale Verurteilung des Torpedo-Angriffs auf das südkoreanische Kriegsschiff gelingen, das isolierte Regime von weiteren Erschütterungen des brüchigen Friedens abzuhalten. Doch ist gerade die latente Kriegsgefahr das Einzige, was die Stalinisten in Pjöngjang noch an der Macht hält - nach innen wie nach außen. Die Reaktionen auf die bewusste Provokation müssen daher sorgsam abgewogen werden. Das isolierte Land steht bereits am Abgrund. Stößt man es einen Schritt weiter, könnte das Terrorregime in einem Akt der Verzweiflung einen Krieg anzetteln, der die ganze koreanische Halbinsel verwüstet. Selbst wenn das Staatsgebilde einfach lautlos implodieren würde, wären die Folgen unabsehbar. Der dann einsetzende Flüchtlingsstrom würde nicht nur Südkorea sondern selbst China überfordern. Vor allem die Chinesen, die als letzte noch einen begrenzten Zugang zu Kim Jong Il haben, müssen ihren Einfluss daher nun nutzen, um eine Transformation in Nordkorea in Gang zu setzen. Denn nur wenn eine schrittweise Öffnung des Landes gelingt, kann der große Knall noch vermieden werden.

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