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RNZ: Bedrohlich - Kommentar zu Nordkorea von Christian Altmeier

    Heidelberg (ots) - Ist Kim Jong-Il tatsächlich der "Irre mit der Bombe", wie ein Nachrichtenmagazin einst titelte? Es besteht Anlass zu der Hoffnung, dass dem nicht so ist. Bislang zückte das Regime in Pjögjang die Atomkarte nämlich stets, um seine internationale Verhandlungsposition zu verbessern - im Ringen um dringend benötigte Lebensmittel und Treibstoff. Sollte dies der Grund für den jüngsten Atomtest sein, gäbe es zumindest einen Ansatz für eine Lösung. Freilich wäre ein nuklear gerüstetes Nordkorea in jedem Fall eine immense Bedrohung für die internationale Sicherheit. Der Staat unterhält nachweislich Kontakte zu Terroristen. Zudem ist unklar, wie krank Kim Jong-Il tatsächlich ist und wer die Zügel in Pjöngjang künftig in der Hand hält. Womöglich stehen dem Regime interne Machtkämpfe oder sogar der Zerfall bevor: In unsichereren Händen könnte eine Atombombe kaum sein. Es ist daher höchste Zeit, dass auch China und Russland erkennen, dass sich die Entwicklung in Nordkorea nicht für strategische Machtspielchen mit dem Westen eignet. Der Erpressungsversuch Nordkoreas hat nämlich nur solange Aussicht auf Erfolg, wie das Regime dort eine schützende Hand über sich weiß. Der wichtigste Ansprechpartner des Westens sitzt daher nicht in Pjöngjang, wie Kim Jong-Il vielleicht hofft - sondern in Peking.

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