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Westfalen-Blatt: zur Medizin-Fakultät in Bielefeld

Bielefeld (ots) - Mal ehrlich: Dass Ostwestfalen-Lippe eines schönen Tages doch noch eine vollwertige Medizin-Fakultät erhalten wird, daran glaubten zuletzt nur noch Berufsoptimisten. Zwar gab es auch in den vergangenen Jahren im Landeshaushalt einen Erinnerungsposten, doch hatte der reinen Feigenblattcharakter. Die bisherige rot-grüne Landtagsmehrheit, die in der Sache ohnehin nicht einig war, konnte sich auf diese Weise um eine klare Entscheidung herumdrücken. Mit dem unerwarteten Wahlsieg von Schwarz-Gelb hat sich die Lage schlagartig verändert. Klar - sowohl CDU als auch FDP hatten sich im Wahlkampf für die Errichtung einer Medizinfakultät an der Universität Bielefeld ausgesprochen. Doch dass sich Politiker nach einer Wahl ihrer Versprechen so eindeutig erinnern wie gestern CDU-Landeschef Armin Laschet und FDP-Hochschulexperte Andreas Pinkwart, ist ja auch nicht selbstverständlich. Die zugesagten 50 Millionen Euro Startfinanzierung beweisen: Wenn die Bildung einer schwarz-gelben Landesregierung nicht noch auf den letzten Metern scheitert, dann wird das Projekt ernsthaft vorangetrieben. Für Ostwestfalen-Lippe eröffnet sich damit eine Chance, die weit über eine Legislaturperiode hinausweist. Der sich zuspitzende Ärztemangel gerade in den ländlichen Regionen Ostwestfalen-Lippes wird sich gewiss nicht allein dadurch auflösen lassen. Eine eigene Medizinfakultät mit Theorie- und Praxisausbildung aber wertet die Hochschullandschaft auf und vermag in Kombination mit den in Bielefeld ja bereits erfolgreich etablierten Gesundheitswissenschaften, einen neuen Wissenschaftsschwerpunkt zu schaffen. Das ist für die Region wahrscheinlich bedeutender als die Frage, wie viele Minister aus OWL der künftigen Landesregierung angehören. Nun muss die Chance in OWL aber auch ergriffen werden. Die Stadt und die Universität Bielefeld müssen schnell die planerischen und baulichen Voraussetzungen schaffen - was angesichts der derzeitigen Kontroverse um die künftige Campus- und Stadtentwicklung nicht ganz trivial erscheint. Dass künftige Landesregierungen das Projekt ebenso wohlwollend betrachten, ist keineswegs ausgemacht. Das heißt: Es bleiben vielleicht nur fünf Jahre Zeit, um die Entwicklung unumkehrbar zu machen. Das kann nur gelingen, wenn die Region an einem Strang zieht. Deshalb müssen auch die Kliniken in Herford und im Kreis Minden-Lübbecke, die als neue Kooperationspartner der Universität Bochum ja gerade erst mit der praktischen Medizinerausbildung begonnen haben, eingebunden werden. Nicht das Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch muss das Ziel sein. Wie teamfähig ist Ostwestfalen-Lippe wirklich? Diese Frage wird für das Großprojekt Medizinfakultät am Ende entscheidend sein.

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