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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Trumps Reise

Bielefeld (ots) - Es gibt wenige Themen, mit denen man in die Geschichte eingehen kann. Ein Friedensvertrag zwischen Israel und Saudi-Arabien plus Golfstaaten wäre so eins. Für einen Narziss wie Trump ist das eine Herausforderung. Seine Reise durch den Nahen Osten ist der Versuch, diese Herausforderung zu meistern. Und wie so oft im Leben des Milliardärs ist die Konstellation günstig: Riad und Jerusalem haben einen gemeinsamen Feind, Iran. Die sunnitischen Golfstaaten und die Saudis fürchten die Schiiten, die unter Irans Führung ihren Einfluss in der Region ausweiten. Der Bruderkrieg unter den Muslimen ist wieder so heftig wie selten in der Geschichte des Islam. Trump bringt Amerika zurück ins nahöstliche Spiel. Architekt ist Jared Kushner, sein jüdischer Schwiegersohn. Die sunnitisch-israelische Kooperation auf kommerziellem, wirtschaftlichem, militärischem und geheimdienstlichem Gebiet läuft diskret schon seit Jahren. Jetzt soll der saudische Nahostplan von 2002 Grundlage für Verhandlungen werden. Mit anderen Worten: Die Saudis bestehen nicht mehr auf der Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge nach Israel, sie fordern nicht mehr den Abzug der Israelis vom Golan und auch die Grenzen von 1967 sind auf einmal verhandelbar. Als erster Schritt soll der Luftraum für israelische Flugzeuge geöffnet und direkte Kommunikation ermöglicht werden. Trump hat ihnen dafür einen Staat für die Palästinenser versprochen, was sein Freund Netanjahu freilich noch gegen die Hardliner in Israel durchsetzen muss. Die neue sunnitisch-israelische Allianz umfasst auch Kairo. Sie ist eine Achse gegen die Terrorgebilde Islamischer Staat, Hamas und Hisbollah. Der Pax trumpana dürfte, wenn es gelingt, ein wirtschaftlicher Boom folgen. In Riad haben Trump und der saudische König schon mal einen Vertrag über mehr als 300 Milliarden Euro unterzeichnet. Zwischen den Saudis und Israel wird es auch zu Milliarden-Verträgen kommen, die Saudis brauchen das Know how der Israelis in der Landwirtschaft, vor allem bei der Bewässerung. Sicher, Saudi Arabien ist eine Diktatur und es wird noch dauern, bis die Allianz steht und funktioniert. Aber historisches Flair hat der Besuch Trumps allemal. Es sind auch schon zwei Verlierer auszumachen. Zum einen der Iran, der mit seinem angeblich liberalen Aushängeschild, dem wiedergewählten Präsidenten Ruhani westliche Unternehmen betört - der BDI plädiert schon für Investitionen - , und zum zweiten die Türkei. Kurz vor der Trump-Reise wollte Despot Erdogan in Washington den US-Präsidenten gegen die Kurden in Stellung bringen: Washington sollte keine Waffen mehr an die Peschmerga liefern und sie auch nicht mehr im Kampf gegen den IS unterstützen. Er bekam eine Abfuhr, das Gespräch dauerte gerade mal 20 Minuten.

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