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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Papstbesuch in Polen

Bielefeld (ots) - Die Reise von Papst Franziskus zum Weltjugendtag in Krakau ist de facto ein Staatsbesuch in Polen. Das schwierige Verhältnis zwischen dem erzkatholischen Land und einer Weltkirche im Aufbruch wird die Begegnung mit einer halben Million junger Christen aus 187 Staaten überlagern und die Botschaft der Barmherzigkeit kaum durchdringen lassen. Am schmerzlichsten durchkreuzt wird die Sendung des Heiligen Vaters von islamistischem Terror im christlichen Abendland. Seit dieser Woche heißt das, dass Priester am Altar im Fadenkreuz des »Islamischen Staates« (IS) stehen. Noch nie hat Franziskus sein Erschrecken über die Lage so deutlich gemacht wie am Mittwoch: »Die Welt ist im Krieg, weil sie den Frieden verloren hat.« Ein verzweifelter Appell ist seine zweite Botschaft: »Wir dürfen keine Angst haben, die Wahrheit zu sagen.« Allein der Besuch des liberalen Argentiniers in Krakau, wo Johannes Paul II. als Karol Wojtyla zum Diözesanbischof und Kardinal aufstieg, macht die Reise schwer genug. Dem konservativen Klerus und der Mehrheit der katholischen Traditionalisten gilt Franziskus als ein Gefährder, manchen gar als Verräter der wahren Lehre. Rigorosität und Gemeindezucht haben in Polen immer noch ihren festen Platz. Wer als Papst zuerst zu den Flüchtlingen auf Lampedusa geht, selbst Homosexualität nicht mehr geißelt und sozialradikal denkt, der gilt vielen an Oder und Weichsel nicht mehr als »richtiger« Papst. Die erste Begegnung mit der nationalkonservativen Regierung gestern Abend auf dem Wawel begann in einer nicht minder angespannten Ausgangssituation. Gerade in den Tagen des Terrors sieht sich die Regierung von Beata Szydlo bestätigt in ihrem Abschottungskurs gegenüber Flüchtlingen im Allgemeinen und Muslimen im Besonderen. Franziskus' Appelle zur Nächstenliebe und politischen Solidarität in der EU stoßen zwar auf höfliche Zuhörer. In deren Herzen aber herrscht knallharte Ablehnung. Polen ist ein gespaltenes Land, sowohl politisch als auch innerkirchlich. Das gestern von Brüssel aus nicht ohne Absicht noch einmal in den Vordergrund gerückte EU-Kontrollverfahren steht für ein politisches Rollback in Polen, das im Schatten türkischer Diktaturbestrebungen kaum beachtet weitergehen könnte. Auch der modern denkende und wachsende Teil unter den Katholiken sieht sich von der nationalen Bischofskonferenz nicht mehr repräsentiert. Mag sein, dass Franziskus' Besuch insbesondere am Marienwallfahrtsort Tschenstochau und sein stilles Gebet in Auschwitz allen Polen hilft, das gemeinsame christliche Fundament zu spüren und zu erleben. Anstöße für mehr sind kaum zu erwarten. Beten wir, dass das Glaubensfest bis Sonntagabend von Störungen verschont bleibt.

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