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Westfalen-Blatt: zu Jan Böhmermann

Bielefeld (ots) - Für Angela Merkel sollte der Fall Böhmermann eigentlich ausgestanden sein. Aber die Kritik des ZDF-Komikers an der Kanzlerin hat Tragweite. Der Vorwurf, Merkel habe in Sachen Meinungsfreiheit gewackelt, wiegt schwer, weil er ein elementares Grundrecht betrifft. Doch das Nachtreten ist überflüssig. Es fiele leichter, sich mit Jan Böhmermann zu solidarisieren, wenn das »Schmähgedicht« auf den türkischen Präsidenten Erdogan von höherem sprachlichen und satirischen Niveau wäre. Womöglich war die geringe Qualität Teil seines Plans. Sicher ist, dass Böhmermann die maximale Provokation Erdogans wollte. Aber wollte er dabei so weit gehen, dass er einige Wochen mit Polizeischutz leben musste? Anders als beim Mittelfinger-Video des ehemaligen griechischen Finanzministers Varoufakis hat Böhmermann die Kontrolle über den Vorgang verloren. Meint er, dass er sie zurückgewinnen kann, indem er eine weitere Beleidigung Erdogans (»Nervenkranker Despot«) nachlegt? Das kann man mutig und konsequent nennen, muss man aber nicht. Böhmermann ist nicht der einzige, durch den sich der türkische Machthaber beleidigt fühlt. Erdogan hat mehr als 1800 Personen angeklagt. Der »Nervenkranke Despot« wird ihm eine weitere Klage wert sein.

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