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Westfalen-Blatt: zu VW

Bielefeld (ots) - 17,4 Millionen Fahrzeuge wurden 2015 auf dem US-Markt abgesetzt. Das ist eine Steigerung von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Allzeitrekord. Dass die deutschen Autobauer daran einen Anteil von 1,4 Millionen verkauften Autos hatten, zeigt, wie wichtig Nordamerika für die heimischen Hersteller ist. So fahren BMW und Mercedes schon seit Jahren immer neue Rekordergebnisse ein. Und auch der VW-Konzern steht alles andere als schlecht da - hat man ausschließlich die Entwicklung von Audi und vor allem Porsche vor Augen. Anders sieht es bei der Kernmarke aus. Mit 349 000 verkauften Einheiten 2015 schrumpfte der Absatz im Vergleich zu 2014 um fünf Prozent. Dabei hat der geschasste Konzernchef Martin Winterkorn einst für 2018 das Ziel von 800 000 Fahrzeugen ausgegeben, die in den USA in Kundenhand gehen sollten. Davon ist die Marke weiter denn je entfernt. Und der Abgasskandal dürfte den Absatz vermutlich weiter sinken lassen. Vor allem auch, weil es noch bis Ende 2016 dauern wird, ehe ein großer SUV mit sieben Sitzen das US-Geschäft ein wenig beleben soll. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Zuvor gilt es, das Vertrauen der Kunden und auch der Behörden zurückzugewinnen. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg dorthin dürfte das heutige Treffen vom neuen Konzernlenker Matthias Müller mit den zuständigen US-Behörden sein. Sollten die dort vorgestellten Lösungsvorschläge akzeptiert werden und es möglichst bald zu einer finalen Freigabe kommen, dann ist zumindest der Boden für einen Neuanfang bereitet. Die öffentlichen Entschuldigungen sowohl von Amerika-Chef Michael Horn als auch von Müller bei Kunden, staatlichen Stellen und der allgemeinen Öffentlichkeit helfen dabei ebenso wie die Investitionen von 900 Millionen Dollar am Standort Chattanooga für die Produktion des neuen SUV verbunden mit der Ankündigung, damit 2000 weitere Arbeitsplätze in den USA zu schaffen. Auf der jetzt angelaufenen Automesse im frostigen Detroit jedenfalls ist keinesfalls zu erkennen, dass die Marke VW eiskalt abserviert werden soll. Der Andrang bei den beiden Reden von Müller und das Interesse an den ausgestellten Exponaten spricht eine andere Sprache. Überhaupt haben die Produkte aus »Good old Germany« nach wie vor einen hohen Stellenwert beim US-Publikum. Das zeigen die steigenden Verkaufszahlen. Nicht ohne Grund haben Audi, BMW, Mercedes und Porsche Detroit ausgewählt, um hier Weltpremieren mit Audi A4 Allroad, M2, E-Klasse und Turbo ins Rampenlicht zu rücken. Ob es allerdings VW gelingt, nach dem Abgasdesaster in den USA nicht nur das ramponierte Image wieder aufzupolieren, sondern auch den in Amerika ohnehin nicht sonderlich beliebten Dieselantrieb zukünftig in nennenswerten Stückzahlen zu verkaufen, das ist mehr als fraglich.

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