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Westfalen-Blatt: zu Deutschland und Namibia

Bielefeld (ots) - Die Sachlage ist eindeutig: Dem Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen im heutigen Namibia, Lothar von Trotha, ging es nicht nur um die Niederschlagung eines Aufstandes, nein, er wollte das Volk der Herero vernichten. Deshalb führt am Begriff Völkermord kein Weg vorbei. Gut, dass Bundestagspräsident Norbert Lammert es genauso sieht. Die Bundesregierung sollte seinem Beispiel folgen und die sprachliche Nebelkerze von der »besonderen Verantwortung« nicht länger verwenden. Nach 100 Jahren ist es höchste Zeit für Ehrlichkeit. Wer die Türken ermahnt, die Verfolgung der Armenier als Genozid einzustufen, sollte selbst nicht mauern, wenn die Beweise ähnlich erdrückend sind. In der Zeit des Imperialismus galten Afrikaner als Wilde und Menschen zweiter Klasse, denen man das Christentum und Zivilisation bringen musste. Die Deutschen traten nicht schlimmer auf als andere Kolonialherren wie etwa die Belgier, die im Kongo wüteten, aber das relativiert die Untaten keineswegs. Auch wenn Deutschland verständlicherweise ungern mit einem zweiten Völkermord in Verbindung gebracht werden möchte, ist es Berlin Namibia und den Völkern der Herero und Nama schuldig, Farbe zu bekennen. Das würde das Ansehen nicht schmälern, sondern im Gegenteil nur erhöhen.

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