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Westfalen-Blatt: zur Streikkultur

Bielefeld (ots) - Wird Deutschland zum Streikland? Holen wir etwa die rebellischen Franzosen ein? Geht man nach dem subjektiven Eindruck, kann man die Sorge haben, dass hierzulande bald die Räder stillstehen. Bei der Bahn brodelt es, die Post geht in ihre dritte Streikwoche, die Flugbegleiter drohen mit Arbeitskämpfen in der Urlaubszeit, im Einzelhandel finden Ausstände statt, an Europas größter Uniklinik, der Berliner Charité, geht das Pflegepersonal auf die Straße und in den kommunalen Kitas blieben die Türen drei Wochen geschlossen. Die Ballung der Arbeitskämpfe mag ein Zufall sein. Sie ist aber zugleich Ausdruck einer Gesellschaft, die weniger Kompromissbereitschaft zeigt. Während Konzernmanager ihre Kosten drücken wollen, kämpfen Gewerkschafter um mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Die Fronten sind verhärtet. Tarifkonflikte werden daher nicht mehr so schnell wie in früheren Jahren am Verhandlungstisch gelöst. Und doch sind die Deutschen verglichen mit Frankreich eher zahm. Bei den Franzosen gab es zuletzt jährlich 139 Ausfalltage pro 1000 Beschäftigte, in Deutschland nur 16. Streiks gehören zur Tarifautonomie. Das ist gut so. Doch sollte niemand den Bogen überspannen.

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