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Westfalen-Blatt: zu VW

Bielefeld (ots) - Wer bremst, verliert!? Von wegen! Martin Winterkorn, Chef des riesigen VW-Konzerns mit seinen zwölf Marken, will noch 2015, und damit drei Jahre eher als 2007 verkündet, die Spitzenposition bei den Absatzzahlen auf dem Auto-Weltmarkt übernehmen. Und das, obwohl er gleichzeitig massiv auf die Bremse tritt - allerdings nur bei den Kosten. Die Verkaufszahlen der jüngsten Vergangenheit lassen kaum einen Zweifel aufkommen, dass VW noch in diesem Jahr am derzeitigen Branchenprimus Toyota vorbeiziehen wird. Fast wäre das schon 2014 gelungen. Doch während die Japaner viele Autos verkaufen und dabei beste Renditewerte verzeichnen, ist die Gewinnspanne bei der Stammmarke VW mit 2,5 Prozent eher bescheiden. Dass sich das ändern wird, daran besteht nach dem Plan des Konzernlenkers kein Zweifel - auch wenn bis 2018 noch viele Tausende Mitarbeiter zusätzlich eingestellt werden. Zwar hält sich Winterkorn mit Details zurück, wie er pro Jahr eine Milliarde Euro einsparen will. Doch klar ist, dass vor allem die Strategie des sogenannten Modularen Querbaukastens dazu beitragen wird. Quer über die Marken hinweg können Modelle mit der gleichen Grundarchitektur geplant und gebaut werden. Dazu kommt das immer größere Einkaufsvolumen, mit dem man bei den Zulieferern die Kosten drücken kann. Gleichwohl wird es auch eine neue Modell- und Ausstattungspolitik geben. Das Ende des Eos ist beschlossen, der Beetle steht zur Diskussion, der Polo wird bald nur noch als Viertürer zu haben sein. Ausstattungen, die nur wenig geordert werden, fallen dem Roststift zum Opfer. Und auch die bei VW gern praktizierten und enorm kostenträchtigen späten Änderungen bei Neuentwicklungen der Modelle soll es nicht mehr geben. Wer Winterkorn kennt und seinen gemeinsam mit Ferdinand Piëch beschrittenen Weg verfolgt, der weiß, dass vorgegebene Ziele knallhart verfolgt werden. Auch, wenn man sich dabei teuere Spielereien wie beispielsweise einen Phaeton - der Nachfolger wartet schon - leistet. Weitaus interessanter aber ist der Blick über 2018 hinaus. Wer folgt auf Martin Winterkorn. Wer hat die Klasse, die Ideen, die Visionen, das Charisma, um den vielschichtigen Konzern weiter erfolgreich zu führen? Es scheint, als hätte das Duo Piëch und Winterkorn es über dem Streben nach dem Thron versäumt, eine strategische Entscheidung für die Nachfolge zu treffen. Ein Kronprinz, zudem noch in einem passenden Alter, ist nicht in Sicht. Da sind die im fünften Jahr in Folge mit Rekordabsatzzahlen glänzenden Kollegen von BMW anders aufgestellt. Hier steht mit Harald Krüger der Nachfolger des scheidenden Vorstands Norbert Reithofer bereits fest. Krüger ist erst 49. Gute Aussichten also, die zukünftigen Aufgaben strategisch anzugehen. Diese Chance hatte einst auch Winterkorn. Er hat sie genutzt und dem Konzern seinen Stempel aufgedrückt.

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