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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu weniger Polizisten bei Fußballspielen

Bielefeld (ots) - Populismus ist populär, aber er ist selten sachdienlich. Mit seinem schneidigen Vorschlag ist NRW-Innenminister Ralf Jäger wieder einmal einsam vorgeprescht. Einer ernsthaften Lösung eines ja in der Tat bestehenden Problems ist damit aber nicht gedient. Den »Jäger 90« erneut auf einem Tiefflug zu sehen, wäre allerdings auch eine populistische Replik auf den Vorschlag des SPD-Mannes. Die Fakten sind klar. In dieser Saison wird die NRW-Polizei bei 231 Spielen (2013/14 waren es 210) der ersten drei Profiligen für Sicherheit sorgen müssen. Teilweise in den Stadien, verstärkt auf den Anreisewegen. Die erweiterte Aufgabe muss allerdings mit weniger Personal bestritten werden. Und das NRW-Finanzsäckel ist nicht nur nicht prall gefüllt, es gibt eine gnadenlose Haushaltssperre. Deutlich besser sieht da der Kassenstand der Deutschen Fußball-Liga und des Deutschen Fußball-Bundes aus. Da lagen die Ideen in Bremen (der Senat will sich Geld für Polizeieinsätze zurückholen) und NRW (reduzieren, wo es sich verantworten lässt) nahe, bedienen wir uns bei denen, die flüssig sind. Mit dem Versuch, dem Milliardenunternehmen Profifußball in Deutschland Geld abzunehmen, mag man beim Steuerzahler punkten, der seine Abgaben in diesem Umfeld zweckentfremdet sieht. Doch eines muss allen Beteiligten klar sein: Eine Reduzierung in und um die Stadien herum ist ein Test mit einem nicht unerheblichen Restrisiko. Zwar betonen Fans immer wieder, Randalierer wären in der Unterzahl, die Polizei im Stadion würde eher für eine aggressive Stimmung sorgen. An der Aussage will Ralf Jäger sie jetzt messen. Aber die Zahl der nicht hinnehmbaren Entgleisungen bewegt sich immer noch auf einem erschreckend hohen Level. Zwar ist es in dieser Drittliga-Saison bisher noch nicht zu Ausschreitungen gekommen. Aber beim Spiel von Dynamo Dresden in Cottbus »glänzten« die Dynamo-Fans erneut mit einem geschmacklosen Transparent vor ihrem Block - wie in der vergangenen Saison öfter. Aber nicht nur die Länder und die Polizei haben ihre Hausaufgaben zu machen. Die Vereine müssen verstärkt dazu aufgefordert werden, mehr in die Prävention zu stecken. Nun werden die sagen: Das tun wir schon. Offensichtlich nicht genug. Demolierte Züge, beschädigte Autos auf den Wegen zu den Stadien, verletzte Polizisten, verletzte Fans, Ordnerdienste, die von Rechtsradikalen unterwandert sind, belegen klar: Es gibt durchaus noch Steigerungspotenzial. Bleibt inständig zu hoffen, dass nicht bei einem der als nicht riskant eingestuften Partien Menschen schwerstverletzt oder gar getötet werden. Dann würde vermutlich erneut die Stunde der Populisten schlagen. Und auch da wäre es der Sache noch viel weniger dienlich.

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