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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema "Mount Everest"

Bielefeld (ots) - Sollte die Gipfelsturmsaison am Mount Everest in diesem Jahr ausfallen? Wird die weltweite Gemeinschaft der Extrembergsteiger tatsächlich einmal innehalten? Immerhin sind 16 Bergführer und Träger bei Vorarbeiten im mörderischen Khumbu-Eisbruch ums Leben gekommen. Und: ein ansonsten bitterarmes Bergvolk ist tief erschüttert vom Tod seiner Besten. Deren Leistung und Wagemut steht an der Spitze einer langen Wertschöpfungskette, ohne die das extrem rückständige Land noch weiter verlieren müsste. Nein, zum Ausfall einer ganzen Saison wird es nicht kommen: Auch wenn es in den vergangenen Tagen so aussah, als wenn es erstmals zum Generalstreik der Sherpas käme. Die Hilfstruppen des alljährlichen Gipfelwahnsinns am höchsten Berg der Welt können nicht auf ihren Jahresverdienst von gerade einmal 1000 bis 4000 Euro verzichten. Die Mehrheit der Nepalesen muss mit weniger als einem Euro am Tag auskommen. Dabei wäre ein Zeichen des Innehaltens überfällig. Ein Jahr ohne Gipfelsturm, und sei es nur von der nepalesischen Seite, würde mehr für dieses einmalig schöne Land und seine Menschen bringen, als alles andere. Das Basiscamp unterhalb des gigantischen Eisbruchs, in dem die Sherpas regelmäßig ihr Leben riskieren, beherbergt in jeder Saison einige hundert äußerst wohlhabende Bergfreunde. Dieser kleine und sich weltweit für etwas Besonderes haltende Kreis könnte locker Geld zusammenlegen, um dem großen Berg und seinen guten Geistern die Trauer- und Auszeit zu finanzieren. Die Jäger der Sieben Gipfel (Seven Summits), die die jeweils höchsten Berge aller Kontinente bezwingen wollen, sind - in ihrer Sprache - nicht nur Peak Freaks, sie betrachten sich auch als eine soziale und mitunter gesellschaftspolitische Avantgarde. Das Schicksaljahr 2014 wäre eine angemessene Gelegenheit für die internationale Everest-Community nicht bloß ein Selbstverständnis zu beschwören, sondern auch unter Beweis zu stellen. Zur Frage echter Bergkameradschaft kommen arbeitsrechtliche Mindestansprüche der Sherpas. Erst das Unglück führt der Weltöffentlichkeit vor Augen, wie katastrophal schlecht die Absicherung derer ist, die der zahlenden Kundschaft den Weg über Gletscherspalten und vorbei an brechenden Eistürmen bahnen. Seit langem fordern die Helfer nach Unfällen eine bessere Entschädigung von Opfern und deren Familien. Die Regierung in Kathmandu, die die Gelder aus dem Mount Everest-Tourismus weitgehend für sich einstreicht, hat die zugesagte Hilfe von knapp 500 US-Dollar jetzt auf mehrere tausend erhöht, allerdings äußerst unwillig. Der Tourismusminister polterte nach der Streikdrohung vom Dach der Welt: »Da waren ein paar Hooligans zugange.« Kurzum: Noch ein Grund, weshalb die internationale Bergsteigergemeinde ihren treuesten Helfern jetzt jede Unterstützung zukommen lassen muss.

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