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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Fleischqualität

Bielefeld (ots) - Hormonfleisch und Chlorhähnchen aus amerikanischen Landen frisch auf den heimischen Tisch! Bei der Aussicht könnte einem bald der Appetit vergehen.

Noch schützen nationale und europäische Gesetze die Fleischesser hierzulande vor unappetitlichen Zutaten. Doch die Gefahr, dass der europäische Tier- und Verbraucherschutz bei den Freihandelsgesprächen mit den USA auf dem Altar der Industrieinteressen geopfert wird, ist groß. Schließlich gibt es auch hierzulande Landwirte, denen der zugegebenermaßen große Dokumentationsaufwand bereits zuwider ist. Was dem amerikanischen Farmer aber beim Export erlaubt wird, könnte dem deutschen Bauern im Heimmarkt kaum verboten werden.

Der Deutsche - vor allem der deutsche Mann - reagiert beim Thema Fleisch sensibel. Kaum kommt irgendwo Gammeliges ans Tageslicht, reduziert er seinen Konsum drastisch. Vielleicht räumt er sogar ein, mit seinem Kaufverhalten Anteil an der Schweinerei zu haben. Er verspricht Besserung, will mehr Geld für besseres Fleisch bezahlen. Wochen später ist alles vergessen.

Nicht viel anders verhalten sich viele Landwirte. Während eines Skandals verweisen sie auf die Nachweispflichten und Kontrollen, auf die Verbraucher im Allgemeinen vertrauen könnten. Wochen später ist alles vergessen, und die Klagen über die Bürokratie werden wieder laut.

Beide, Fleischproduzenten und -konsumenten, haben im vergangenen Sommer auf den Vorschlag eines freiwilligen Veggie-Day fast allergisch reagiert. Dabei ist ein Tag in der Woche ohne Fleisch früher ganz normal gewesen - für die einen aus religiösen, für andere aus finanziellen Gründen. Als Ausgleich gab es eben den Sonntagsbraten.

Tatsächlich geht der Fleischkonsum in Deutschland leicht zurück. Zugleich steigt die Nachfrage vor allem in asiatischen Ländern. Das belastet die Umwelt und, da Viehzucht mehr Land beansprucht, die Stabilität der Nahrungsmittelversorgung. Doch wer will einem Chinesen ernsthaft untersagen, was im eigenen Land als selbstverständlich genommen wird? Wenn ausgemistet werden soll, dann im eigenen Stall. Die Sache ist einfach: Erhalten die Verbraucher vollständige Informationen, werden sie schon von selbst der Qualität den Vorzug vor Quantität geben. Sicher, nicht jeder liest gern eine Zutatenliste, die länger ist als der Beipackzettel beim Medikament. Doch ohne sie geht es nicht.

Noch gibt es Lücken im europäischen Verbraucherschutz - beispielsweise beim Herkunftsnachweis für Schweine-, Geflügel- und Lammfleisch, bei der Kennzeichnung von gentechnisch verändertem Futter und bei den Angaben auf den Verpackungen für Fertigspeisen. Die Verhandlungen mit den USA über die Freihandelszone setzen Brüssel unter Zeitdruck. Ist der Vertrag erst einmal ratifiziert, wird es schwerer, noch Lücken zu schließen. Das Verbot des unkontrollierten Einsatzes von Medikamenten und Leistungsförderern schützt nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Landwirte.

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