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Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Thema Syrien:

Bielefeld (ots) - Syrien versinkt immer tiefer in Chaos und Blutvergießen, doch ein Ende ist nicht in Sicht, auch wenn die Arabische Liga jetzt den Einsatz von Blauhelm-Truppen fordert. Diktator Assad kann militärisch noch zulegen - mit Kampfhubschraubern und Flugzeugen. Er glaubt an den militärischen Sieg. Schließlich konnten auch andere Herrscher Aufstände blutig ersticken - zum Beispiel Saddam Hussein, der noch lange nach dem schiitischen Aufstand von 1991 am Ruder blieb. Dennoch wird sich der syrische Schlächter nicht langfristig halten können. Das ist die Tragik des syrischen Problems. Denn Assad steht nicht allein: Russland, der Iran, Irak, Libanon, selbst Israel und die Türkei wären nicht unglücklich, sollte er sich halten. Russland ist Syriens enger Freund - aber »kein Verbündeter«, wie sein Außenminister betont. Also Russland könnte Assad doch noch fallenlassen. Die bedingungslose Unterstützung des Diktators ist nicht im russischen Interesse. Schließlich möchte Moskau auch nach einem möglichen Sturz Assads eine Rolle in der Region spielen. Massive Unterstützung gibt es auch aus dem Iran. Hier spielt neben traditionellen Verbindungen die Religion eine große Rolle, denn Assads Gegner sind Sunniten, die als Bevölkerungsmehrheit an der Macht beteiligt werden wollen, zumal die Familie Assad der Religionsgemeinschaft der Altaviten angehört, die eher den Schiiten nahestehen. Der Irak ist mehrheitlich schiitisch und begrüßt die nicht-sunnitische Herrschaft Assads. Auch fließt viel irakisches Geld nach Syrien. Selbstverständlich bleibt auch die libanesische schiitische Hisbollah Assads Freund. Wenn jetzt noch die Terrororganisation El-Kaida in den Bürgerkrieg eingreift, wird die religiöse Komponente verschärft: Die Forderung nach einem syrischen Islamistenstaat heizt den Kampf der Kulturen an. Sogar Israel hatte sich mit dem syrischen Diktator arrangiert. Seit 40 Jahren herrscht weitgehend Ruhe an der israelisch-syrischen Grenze. Ein Umsturz könnte anti-israelische Kräfte in Syrien an die Macht bringen, und das würde Israel schaden. Selbst die Türkei, die sich klar gegen Assad stellt, votiert gegen eine militärische Intervention. Doch Assads Nachbarn können ihn nicht auf ewig retten. Die syrische Opposition ist wild entschlossen, jedes Opfer zu bringen. Inzwischen kommt es wöchentlich zu etwa 400 Demonstrationen. Auch an der diplomatischen Front wird es für Assad enger: Seit dem Rücktritt von Mohammed al-Dabi, Chef der Beobachtergruppe der Arabischen Liga für Syrien, will die Liga Assad zusammen mit der UN unter Druck setzen. Obendrein verliert der Diktator seine Finanzkraft: Zwei Drittel der syrischen Geldreserven wurden seit Beginn der Unruhen verbraucht. Stromausfälle, Benzinknappheit und Inflation plagen das Land. Assad muss irgendwann gehen, soviel steht fest. Doch leider wird sich das Blutvergießen noch lange hinziehen.

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