Westfalen-Blatt

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Fall Bad Oeynhausen

Bielefeld (ots) - Ausgerechnet an diesem Wochenende, an dem der Papst den sexuellen Missbrauch an Kindern als »unbeschreibliches Verbrechen« geißelt, wird mitten in unserer Region ein mutmaßlicher Sexualverbrecher gefasst. Während das Oberhaupt der katholischen Kirche in London unter Tränen mit Missbrauchsopfern spricht und dabei »tiefen Schmerz und Scham« empfindet, wird ein Mann in Bad Oeynhausen festgenommen, der sich des schweren sexuellen Missbrauchs von Mädchen im Alter von sieben bis neun Jahren sowie der Verbreitung kinderpornografischer Schriften schuldig gemacht haben soll. Dass ein mutmaßlicher Kinderschänder mitten in unserer Heimat lebt - in Ostwestfalen-Lippe, wo die Welt noch in Ordnung ist, wie wir gerne zu sagen pflegen -, macht uns erschrocken und schockiert zugleich. Dass der Verdächtige beruflich als Diakon und ausgebildeter Erzieher im Wittekindshof tätig war, ist unerträglich. Dieser Fall führt uns erneut vor Augen, dass Kindesmissbrauch ein gesellschaftliches Problem ist, das uns alle angeht, und wir in Ostwestfalen nicht auf einer Insel leben. Es zeigt uns aber auch, dass das Internet offenbar das Medium ist, in dem Täter ihren Trieben und Gelüsten nachgehen können, ohne Strafen zu fürchten. Ähnlich muss der Bad Oeynhausener gedacht haben, als er Fotos von sich und seinen minderjährigen Opfern ins Internet stellte. Es sind Aufzeichnungen, in denen kleine Mädchen gequält, gefoltert und missbraucht werden - nicht einfach »nur« ein paar Nacktaufnahmen. Tausende solcher widerwärtigen Fotos und Filme gibt es im Internet - mit ein paar Mausklicks kinderleicht zu finden, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig sagt. Wittig gehört mit drei weiteren Ermittlern der Zentralstelle für Internetkriminalität in Frankfurt an. Dieser Fachbereich war es, der dafür gesorgt hat, dass der Fall in der TV-Sendung »Aktenzeichen XY... ungelöst« aufgegriffen werden konnte. Denn Wittig und sein Team sichten Fotos, die sie im Internet entdecken oder bei Razzien sicherstellen. Auf zahlreichen dieser Bilder sind nicht nur die Opfer, sondern auch Täter zu sehen - so wie der Verdächtige aus OWL. Der entscheidende Tipp bei »Aktenzeichen XY«, der später zur Festnahme führte, war also nur möglich, weil die Internetpolizei gute Arbeit geleistet hat. Eine solche Fachabteilung, wie es sie in Hessen gibt - vielleicht auch dank des ehemaligen Ministerpräsidenten Roland Koch - , ist in Deutschland die Seltenheit. Somit landen tausende Täterfotos nicht im Fernsehen, sondern im Mülleimer oder in Akten. Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) haben der Besitz und die Beschaffung von Kinderpornographie im Jahr 2007 bundesweit um 94,3 Prozent auf 8832 Fälle zugenommen. Wenn den Politikern und der Gesellschaft Kinder wirklich etwas wert sind, sollte uns die Zentralstelle für Internetkriminalität in Hessen ein gutes Beispiel sein - nicht nur in NRW, nicht nur in OWL, sondern überall.

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