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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Mixas Rücktrittsgesuch

Bielefeld (ots) - Dank und Respekt seiner Amtsbrüder erntet der Augsburger Bischof Walter Mixa für sein Rücktrittsangebot. Das Lob hätte erheblich größer ausfallen können, wenn dieser Schritt früher erfolgt wäre. Zu lange hat Mixa gezögert, geleugnet und erst gestanden, als der Druck zu groß wurde. Damit hat er seiner Kirche geschadet. Daran sind nicht die Medien Schuld, wie es der CSU-Politiker Thomas Goppel nun darstellt, sondern der Augsburger Bischof selbst und seine Berater. Nach ersten Prügelvorwürfen hatte die Bistumsleitung mutmaßliche Gewaltopfer des Bischofs mit gerichtlichen Schritten gedroht. So lassen sich die Vorwürfe nicht aus der Welt schaffen. Dabei ist es unerheblich, ob der Bischof »nur« eine Ohrfeige oder eine gehörige Tracht Prügel verteilt hat. Mixas Einlassung lässt keine Interpretation zu: »Ich versichere nochmals, dass ich zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt habe.« Erst als sich immer mehr Menschen gemeldet haben, die an Eidesstatt ihre Erlebnisse mit dem früheren Stadtpfarrer Mixa geschildert haben, wären Demut, öffentliche Reue und die Bitte um Vergebung angebracht gewesen. Stattdessen wurden Geschädigte als Lügner dargestellt. Die Betroffenen fühlten sich erneut gedemütigt. In seinem Rücktrittsbrief betont Mixa seinen Wunsch, den Weg für einen Neuanfang freizumachen. Ähnliches strebt Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Bischofskonferenz, an. Er will mehr Transparenz und Offenheit in seiner Glaubensgemeinschaft. Trotz der Fehlentwicklungen: Die Leistungen der christlichen Glaubensgemeinschaften in der Sozial-, Kinder und Jugendarbeit können nicht hoch genug geschätzt werden. Und: Die Kirche wird ihren Umgang mit Missbrauch und Misshandlung ändern. Das fordert nicht nur der Trierer Bischof Stefan Ackermann. Er vergleicht die Krise der Kirche mit dem Vulkanausbruch auf Island: Hier wie dort könne man mit Blick auf den sexuellen Missbrauch durch Priester den Eindruck gewinnen, dass eine »Kruste aufgebrochen« sei. »Eine giftige, stinkende Wolke entlädt sich«, sagt er. Solch drastische Sätze sind aus dem Munde eines Bischofs selten zu hören. Auch Mixa ist ein Freund klarer Worte. Er sieht Mütter durch die rot-grüne Familienpolitik als »Gebärmaschinen« herabgewürdigt. Er sorgte bei seinen Kritikern für Widerspruch mit dem von ihm konstruierten Zusammenhang von sexueller Revolution und dem Missbrauch von Kindern durch Priester. Wer so zuspitzt, schafft sich nicht nur Freunde. Dennoch oder gerade deshalb hat er viele Anhänger. Ihnen fällt es aber immer schwerer, ihrem Hirten zu folgen. Denn auch der Umgang des Bischofs mit fremdem Geld schreit nach Aufklärung. Anstatt Spenden an die Waisenhausstiftung sinnvoll einzusetzen, hat Mixa für Kunstwerke, Teppiche, Wein und antike Möbel im Wert mehrere zehntausend Euro ausgegeben. Wasser predigen und Wein trinken - das gehört sich nicht.

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